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Ferris - Alle hassen Ferris

Ferris- Alle hassen Ferris

Arising Empire / Missglückte Welt / Edel / Warner
VÖ: 17.06.2022

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Scheiß drauf

Kaum zu glauben, aber am Künstlernamen von Ferris hing mal ein MC, und er war einst, so die Selbsteinschätzung, ein Rap-Gott. Die Geschichte seiner rund 30 Jahre langen Karriere ist bekannt: Mit "Asi"-Attitüde, sowohl in seinen Texten als auch in der Öffentlichkeit (erinnert sich noch jemand an seinen Ausraster neben Gülcan bei Viva 2004?), machte er sich einen nicht unumstrittenen Namen. Der gebürtige Neuwiedener eckte an, ob bei Rap-Kollegen oder den Musikkritikern, siehe die Reaktionen auf seine letzten HipHop-Alben "Asilant" oder "Glück ohne Scherben". Dazwischen lag noch eine durchaus erfolgreiche Zeit bei Deichkind von 2008 bis 2018. Dann folgte der gewagte Stilwechsel hin zum Crossover, der Rapper wurde zum Rocker. "Alle hassen Ferris" ist nun das dritte Album seit dem musikalischen Neuanfang, sein zehntes Studiowerk insgesamt. Und es klingt, als hätte Sascha "Ferris" Reimann mittlerweile endgültig eine Nische für seine Ecken und Kanten gefunden. Die Wut steht ihm gut, und die unterhaltsame Abwechslung zwischen Gesang, Sprechgesang und Screams ersetzt die manchmal fehlende musikalische Tiefe durch und durch.

Das unterstreichen besonders die ersten beiden Tracks. Die Punk-Party beginnt mit dem titelgebenden Album-Intro, welches die Kritikpunkte der Hater, Rap-Konkurrenz und dem ollen Musikjournalismus gekonnt verhöhnt. "Partisanen" unterscheidet sich instrumental davon eigentlich kaum, geht textlich aber mehr in die "Remmidemmi"-Richtung. Wirklich gut wird es mit "Alles außer Kontrolle" (gleichzeitig der Titel seiner jüngst erschienen Autobiografie) und "Anger Management", Ferris spielt in beiden Tracks lyrisch gekonnt mit den Themen Nihilismus, Depressionen und steckt voller Angriffslust wie Selbstzerstörung, irgendwie, als wäre Fler bei Escapado oder Wolfgang Wendland bei 257ers. Ja, das klingt erstmal gewöhnungsbedürftig, gefällt aber nach und nach besser, gleichzeitig kommt die obligatorische Abriss-Stimmung gefühlt besser denn je zur Geltung. Zwar hat Ferris schon immer auf alles und jeden geschissen, jetzt bringt er es aber viel leidenschaftlicher rüber. Mit "Freizeit und Kuchen" folgt ein harter Stilbruch, denn es wird erstmals etwas elektronischer im Deichkind-Stil. Trotz (oder gerade wegen) des weniger originellen Textes kann man sich mit dem Track anfreunden und dazu anstoßen, der Feature-Gast FiNCH scheint wie die Optimalbesetzung, und Fans von deutschem Elektro-Punk wird es schwerfallen, hier stumm sitzen zu bleiben.

Weniger Spaß machen die Features mit Dag ("Was ist geblieben") und Swiss ("Bye bye bye" & "Skid Row"), welche dem ansonsten flotten Album etwas den Wind aus den Segeln nehmen, ebenso wirkt "IGKF" als Closer irgendwie fehl am Platz. Etwas gelungener beweist Ferris mit "Schatzi hat gesagt" seiner Partnerin und bei "Dein Liebling" seinen Fans, dass auch ein Reibeisen liebevoll sein kann, wenn auch nicht ohne Selbstironie. Dass er Sozialkritik auf Gitarren immer noch so gut kann wie auf Beats, demonstriert "Hass macht hässlich". Noch mehr den Nagel auf den Kopf trifft Ferris mit "Funny games", das den pseudo-progressiven westlich-liberalen Zeitgeist gekonnt an der Nase rumführt, inklusive etwas Storytelling. Ein großartiges Lied, man könnte sogar so weit gehen, dass dies als eine moderne Version des 1983er-Punk-Klassikers "Linke Spießer" von Slime hinkommt. Es passt gut zu einem Album, das austeilt und einsteckt, vor allem aber Ferris als ernstzunehmenden Musiker bestätigt.

(Maximilian Baran)

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Highlights

  • Alles außer Kontrolle
  • Anger management
  • Funny games

Tracklist

  1. Alle hassen Ferris
  2. Partisanen
  3. Alles außer Kontrolle
  4. Was ist geblieben (feat. Dag)
  5. Anger management
  6. Freizeit und Kuchen (feat. FiNCH)
  7. Bye bye bye (feat. Swiss)
  8. Dein Liebling
  9. Schatzi hat gesagt
  10. Hass macht hässlich
  11. Funny games
  12. Skid Row (feat. Shocky & Swiss)
  13. IGKF

Gesamtspielzeit: 40:39 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-06-10 11:07:36 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-11 19:48:49 Uhr - Newsbeitrag
FERRIS

SINGLE „WAS IST GEBLIEBEN“ FEAT. DAG PLUS VIDEO AB SOFORT!

ALBUM-VÖ JETZT AM 17.06.2022 | DIE BIOGRAFIE AB 01.04.2022


Ferris MC war schon alles und jeder: Der Asi, der Freak und der XXL-Junkie. Das Reimemonster und Enfant Terrible der Hamburger HipHop-Szene mit Classics für die Ewigkeit. Als Teil der Avantgarde-Pöbel-Kombo Deichkind stand er zehn Jahren lang auf den größten Bühnen des Landes, wurde mit Preisen und Awards überhäuft.

Er ist Electro-DJ, Schauspieler und Familienvater. Kurzum: In gut drei Jahrzehnten hat Ferris MC alles mitgenommen - die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen. Mit seinem neuen und neunten Album „Alle hassen Ferris“ (Arising Empire / Missglückte Welt / Edel) präsentiert Ferris wieder die zahlreichen Facetten seiner Kunst.

Leider muss die für Ende des Monats geplante Album-VÖ aufgrund der anhaltend schwierigen Produktionsbedingungen (Stichwort: Rohstoffmangel) kurzfristig auf den 17.06.2022 geschoben werden.

FERRIS Biografie „Ich Habe Alles Außer Kontrolle“ (Edel Books) erscheint jedoch planmäßig und kommt wie vorgesehen weiterhin am 01.04.2022 in die Regale.

Nach den Singles „Skid Row“, „Partisanen" und „Freizeit und Kuchen“ verkürzt nun mit „Was Ist Geblieben“ (fest. DAG) ein weiterer Song die Wartezeit auf den Lamgspieler!

Der Clip zum bittersüß-melancholischen Track steht ab sofort HIER für Euch bereit!



AliBlaBla

Postings: 1748

Registriert seit 28.06.2020

2021-11-27 15:20:12 Uhr
@Kojiro
Frech, frech (der Hamburg Teil) .... ;)
Aber stimmt schon, zu Beginn noch spannend, irgendwann belanglos, heute nervend...

Kojiro

Postings: 1417

Registriert seit 26.12.2018

2021-11-27 06:51:00 Uhr
Ferris hat ja ganz zu Beginn seiner Karriere ganz brauchbares Material herausgebracht, das - im Gegensatz zu 90% von dem, was ansonsten aus Hamburg kam - auch heute noch recht hörbar ist. Hat sich dann aber relativ schnell musikalisch verirrt.

Sheesh

Postings: 276

Registriert seit 27.09.2021

2021-11-26 19:01:23 Uhr
Plattentests-Rap
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