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Andi Fins - Don't call me, I'll call you soon

Andi Fins- Don't call me, I'll call you soon

From A Mountain
VÖ: 29.04.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Runtergespielt

Es ist Sommer, und bei bestem Wetter lädt Otto Normalverbraucher seine Freund*innen zum Grillen ein. Hinz und Kunz kommen gemeinsam wie immer, Max Mustermann heute mal ohne Begleitung, und Lieschen Müller schneit eh regelmäßig vorbei, weil sie nichts Besseres zu tun hat. Schnell können sie sich auf Musik einigen: Das neue Album von Andi Fins soll es sein. Denn der ist einer von ihnen, ein Normalo eben. "Ich merk schon, ich bin nicht cool, aber ich steh dazu", singt er im Opener "Lichtblick". Und überhaupt ist er jwd im Bayerischen Wald geboren und textet neuerdings auch auf Deutsch, was ihn bodenständig und nahbar macht. Eine todsichere Sache quasi.

Doch dann der erste Schock: Der gute Mann wohnt schon eine halbe Ewigkeit in Berlin, dem Sodom und Gomorrha in den Augen des Kleinbürgertums. Dort verdingte er sich bereits erfolgreich als Pianist und Keyboarder, unter anderem bei Tim Neuhaus & The Cabinet, Max Prosa und Clueso. Bei so einem gutbürgerlichen Portfolio sehen Otto und die anderen ihm dann auch mehrere Alben auf Englisch nach – übrigens alle mit äußerst charmanten Titeln, was "Don't call me, I'll call you soon" fortsetzt. Zur nachhaltigen Beruhigung tragen die sommerlichen Indie-Pop-Songs bei, die Andi Fins mit sattem Akzent und freundlicher Stimme wie eine warme Platte serviert, die allen schmeckt.

Doch dann erneutes Entsetzen: Das ist ja Denglisch, was er da nonchalant ins Mikrophon schmatzt. "Manchmal gibt's ein Goodie bag und manchmal eben nicht - das können wir teilen", bietet Fins in "Der Requisiteur" an. Und auch den Start-ups und ihrer Mentalität widmet er einen Song. Spätestens beim Liebeslied "Arkonaplatz" wird klar: Der singt da ja von Berlin-Mitte! Und dann klingt der gitarrenlastige Sound plötzlich immer sommerlicher und spaßiger. Das ist alles wahnsinnig ausgelassen und mit seiner lässigen Attitüde wie der kleine Bruder von Bilderbuchs "Gelb ist das Feld". Und Bilderbuch sind ja richtig cool, wie jeder weiß. Hat uns hier jemand verarscht?

Die aufeinanderfolgenden Gastparts von Larissa Pesch und Cäthe, deren Album "Chill out punk" Andi Fins übrigens mitproduziert und aufgenommen hat, bringen noch mehr Coolness in die neun eleganten Stücke auf "Don't call me, I'll call you soon" und setzen damit der dreisten Lüge zu Albumbeginn die Krone auf. Andi Fins ist nämlich doch cool! Unaufdringliche Melodien auf Gitarre und Klavier, warmherzige Anekdoten aus dem Herzen der Hauptstadt und eine gehörige Portion Understatement reißen diesem vermeintlichen Mauerblümchen am Ende die Maske runter. Zurück beim Grillabend sind Hinz und Kunz immer noch ein bisschen empört. Aber Lieschen Müller schlichtet bereits lächelnd: "Ist doch trotzdem voll sympathisch und lieb, oder nicht?" Otto Normalverbraucher schaut kurz zu Max Mustermann rüber, der zustimmend nickt, woraufhin Otto den Lautstärkeregler ein ganz kleines bisschen nach oben schiebt. Aber nicht zu viel, versteht sich.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Der Requisiteur
  • Nie mehr
  • Arkonaplatz

Tracklist

  1. Lichtblick
  2. Der Requisiteur
  3. Paris Tokyo
  4. Nie mehr
  5. Mein Song Dein Song (feat. Larissa Pesch)
  6. Wo willst Du hin? (feat. Cäthe)
  7. Cola auf Eis
  8. Start up
  9. Arkonaplatz

Gesamtspielzeit: 32:30 min.

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Armin

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2022-06-02 20:38:43 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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