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Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? - Maine coon

Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS?- Maine coon

Vild / Popup / Membran
VÖ: 03.06.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Sui generis

Namen sind Schall und Rauch. Oder aber: Der Name einer Band muss möglichst prägnant und einprägsam sein. Außerdem gehören zu anständigem Garage-Rock, der seinen Titel auch verdient haben möchte, verzerrte Gitarren. Alles ganz logisch, oder? Pustekuchen, sagen – Achtung, tief Luft holen – Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS?. Das Dreiergespann aus Finnland räumt mit solcherlei Halbwahrheiten nämlich rigoros auf und macht alles ein klein wenig anders. In seiner verwegenen Mischung aus 60s-Pop und Rock'n'Roll geben keine Saiteninstrumente den Ton an, sondern das Punk-mäßigste und glamouröseste von allen: das Keyboard. Inklusive sämtlicher Sounds, die dieses imitieren kann, und das alles sogar, ohne es im Gesamtbild mit den nächsten Auswüchsen des klebrigen Achtziger-Revivals zu tun zu haben. "Flower Garage" nennt die noch recht unbekannte Band ihre simple, aber prägnante Kreation zwischen Vintage-Sounds und straight nach vorne gehenden Upbeat-Singalongs, der sie mit "Maine coon" nun schon das dritte Album beschert. Wie die titelgebende Katzenrasse ist dieses äußerst prall und plüschig ausgefallen.

Die ungewöhnliche Aufstellung des Trios verkommt jedoch zu keiner Zeit zum bloßen Gimmick. Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? sind kein richtiggehender Synthpop oder gar Electroclash, aber auch nicht bloß eine Punk-Band mit Keyboard. Sondern etwas, das erst einmal nur für und in sich selbst existiert. So etwas muss man in der heutigen Musiklandschaft erst mal hinkriegen. Alle formale Eigenständigkeit wäre jedoch nur halb so viel wert, würden die Songs nicht überzeugen, und da liegt der dickste Hase im Pfeffer: Auf die hymnische Riesen-Hook von "In tangerine" folgt die zapplige Riesen-Hook von "Pool", der am Rande von ebendiesem spielt und wo die braungebrannten Mannen bereits für Sängerin und Bassistin Susse bereitstehen. Besagte Riesen-Hooks gebiert diese Band, als wüchsen sie in Finnland auf den Bäumen. Wenn dann der Orgel-Jingle aus "Johnny +1", das mit einer, guess what, Riesen-Hook aufwartet, noch stilecht den Vorspann einer Hitparaden-Show aus einem längst vergessenen Fernsehzeitalter untermalen könnte, zieht man langsam seinen Hut.

Gediegener und waviger wird es in "Zerkalo", nachdem der süffige Pop-Rocker "October" verklungen ist. Hier nimmt die Band ein wenig das Tempo heraus und stellt Susses ausgezeichnete Vocals in den Vordergrund, bevor sie in der zweiten Hälfte des knackig-kurzen Albums die ganz schweren Geschütze auffährt. "Storyboard" ist nichts weniger als die Wiedergeburt des Kaugummi-Punks von Dover, bloß ohne Gitarre im Solo. Die Pop-Großtat "Night at Zuska's" allerdings und der treibende Closer "Troglodyte", der die synthetische Orgel fröhlich ausrasten lässt, überstrahlen sogar diesen nochmals. Am Ende von "Serial mama" geht ebenfalls richtig die Post ab – der Songtitel verheißt noch dazu eine Anspielung auf den John-Waters-Film mit Kathleen Turner. Die Band beweist ihre Expertise in Sachen popkulturelle Referenzen also auch außerhalb von Latexanzügen und Turnhallen. Mit "Maine coon" und dessen neun Hits in der Tasche sollten die Finnen jedoch ohnehin bald nicht mehr auf jene und ihr einzig- sowie eigenartiges Line-up reduziert werden. Das namensgebende Video lässt sich übrigens hier bestaunen. Aber sagt nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • In tangerine
  • Pool
  • Night at Zuska's
  • Troglodyte

Tracklist

  1. In tangerine
  2. Pool
  3. Johnny +1
  4. October
  5. Zerkalo
  6. Storyboard
  7. Night at Zuska's
  8. Serial mama
  9. Troglodyte

Gesamtspielzeit: 30:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

gawain

Postings: 93

Registriert seit 13.06.2013

2022-06-03 09:02:20 Uhr
"Jazzbelle 1984/1988" war 2018 ein kurzweiliger Frühjahrsspaß, da bin ich jetzt aber mal gespannt.

manfredson

Postings: 405

Registriert seit 14.06.2013

2022-06-03 08:50:45 Uhr
Geil! Seit ich den Opener vor ein paar Wochen von Spotify reingepült bekommen habe, bin ich süchtig danach. Toll, dass das Album hier Anerkennung findet, wird jetzt direkt mal durchgehört.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-06-02 20:39:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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