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Andrew Bird - Inside problems

Andrew Bird- Inside problems

Concord / Universal
VÖ: 03.06.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Raus mit Euch

Wir alle kennen sie: die Gedanken, Sorgen, Ängste, die nach außen hin stumm bleiben, aber tief in unserem Inneren so laut schreien, dass sie uns nachts stundenlang wachhalten. Eine Platte nach diesen "Inside problems" zu benennen, mag unnötig explizit erscheinen, doch Andrew Bird hatte ja auch schon kein Problem damit, sein voriges Werk unverblümt als "My finest work yet" zu bezeichnen. Befürchtungen, die Musik darauf könnte tatsächlich plump daherkommen, sollten sich nach mehr als 20 Jahren und 15 Alben sowieso erledigt haben. Der für sein charakteristisches Geigenspiel und Gepfeife bekannte Mann versteht es, seinen eleganten Indie-Folk-Pop stets frisch und spannend zu halten, indem er Parameter verschiebt, unterschiedliche Einflüsse akzentuiert und das zwischen Melancholie und Freudentaumel schwingende Pendel mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlagen lässt. "Inside problems" hat er live mit einer Band eingespielt, deren Präsenz sich nahezu greifen lässt, wenn sich etwa der Titeltrack am Schluss zum befreiten Americana-Rock auftürmt. "I just got born", singt er da mit einer solchen Inbrunst, dass man ihm das Gefühl, in eine ganz neue Welt geworfen zu sein, vollumfänglich abkauft.

Passend dazu nimmt der Opener "Underlands" gleich den ganzen Kosmos aufs Korn. "The stars don't owe you anything", mahnt Bird, während Streicher und Pfiffe in cineastischer Breitband-Manier die spacige Kulisse formen. Einsame Saiten und ein sanfter Kopfnicker-Beat verschmelzen zu einem Stück nokturnalen Gitarren-Souls, das auch einer Lianne La Havas gut zu Gesicht gestanden hätte – und geben damit einen Vorgeschmack auf die stilistische Ungebundenheit, die auch der Rest der Platte zelebrieren wird. In "Lone Didion" klingt das luftundurchlässige Zusammenspiel der Band so, als hätte man sie in der Ecke einer verqualmten Weinbar zusammengedrängt, ehe die Violine ihre eigene Arie singen darf. Der 48-Jährige lässt sich schon lange nicht mehr auf sein Lieblingsinstrument reduzieren, doch entlockt er ihm nach wie vor diejenigen Töne, welche die größte Aufmerksamkeit einfordern. Das gilt für das fidele Main-Riff von "Make a picture" ebenso wie für "Eight", den – na klar – neunten Track des Albums: ein akustisches, als abgründiger Zählreim getarntes Western-Drama, dessen mit halsbrecherischer Intensität gestrichene Klimax einen Höhepunkt im gesamten Schaffen des US-Amerikaners darstellt.

Also doch "his finest work yet"? Nicht ganz, dafür neigen sich ein paar Songs vielleicht doch zu sehr in Richtung einer hochklassigen Routine. Oft ist das Album dann am besten, wenn es spielerisch mit den Genres jongliert. "The night before your birthday" beginnt etwa mit zehn Sekunden Oper, um dann mit Schrammel-Stakkato, Lou-Reed-Sprechgesang und John-Cale-Geigenknarzen mehr als nur ein Glas auf The Velvet Underground zu erheben. Besonders famos gerät auch die Single "Atomized" mit ihrem Hauch von Afrobeat und einer treibenden Entspanntheit, als würde man einen Roadtrip in einer Hängematte machen. Stillstand kommt einem Andrew Bird nicht ins Haus, was das zaghaft gezupfte, von Madison Cunningham unterstützte "Fixed positions" in deutliche Worte verpackt: "When your position remains fixed my dear / Results can be mixed I fear / There's a stasis / No new ideas and no new faces." Da diese fiesen "Inside problems" sich ja immer neue Wege einfallen lassen, uns auf die Nerven zu gehen, braucht es einen mindestens genauso flexiblen Exorzisten, um sie zu vertreiben. Bird ist Multi-Instrumentalist, Multi-Songwriter, Multi-Klangathlet und nach seiner "Fargo"-Performance bestimmt auch Multi-Schauspieler – wer könnte dafür besser geeignet sein?

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Lone Didion
  • The night before your birthday
  • Atomized
  • Eight

Tracklist

  1. Underlands
  2. Lone Didion
  3. Fixed positions
  4. Inside problems
  5. The night before your birthday
  6. Make a picture
  7. Atomized
  8. Faithless ghost
  9. Eight
  10. Stop n'shop
  11. Never fall apart

Gesamtspielzeit: 48:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fakeboy

Postings: 2485

Registriert seit 21.08.2019

2022-06-04 00:12:27 Uhr
Ich mag Mysterious Production, Armchair, Noble Beast und besonders Are You Serious als Alben sehr gern. Inside Problems kann nicht ganz mithalten, nach Make A Picture geht dem Album die Luft aus. Insgesamt wohl eine knappe 7/10.

Takenot.tk

Postings: 1893

Registriert seit 13.06.2013

2022-06-03 09:31:18 Uhr
Keine Frage, er hat immer tolle Musik gemacht. Nur ist er für mich immer ein Künstler geblieben bei dem ich eher auf einzelne Songs gehe, und selten ganze Alben durchhöre...

fakeboy

Postings: 2485

Registriert seit 21.08.2019

2022-06-03 09:28:15 Uhr
Hmmm... Eigentlich ist das Gesamtwerk von Andrew Bird ein einziger grosser Wurf, nicht? Der Mann ist so unglaublich talentiert, es ist eine Freude ihm zuzuhören und ganz besonders, ihn live zu erleben.

Inside Problems hab ich noch nicht gehört, werd ich bald machen.

Takenot.tk

Postings: 1893

Registriert seit 13.06.2013

2022-06-03 09:24:35 Uhr
Auf den ersten Eindruck wieder ein schönes Album geworden!
Ich habe mich ja damit arrangiert, dass es nie den ganz großen Wurf geben wird von Andrew Bird, dafür fehlt dann meist irgendeine tiefere emotionale Konnektivität. Aber es sind immer ein paar tolle Songs dabei, und es hört sich immer gut durch.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-06-02 20:38:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

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