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Marius Müller-Westernhagen - Das eine Leben

Marius Müller-Westernhagen- Das eine Leben

Sony
VÖ: 20.05.2022

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Amerikanische Aufnahmen

Da wurde er dann doch noch ernsthaft zornig. Irgendwann nämlich hatten die so genannten "Querdenker" den Song "Freiheit" für sich entdeckt und erkoren die – inhaltlich durchaus doppelbödige – Ballade zu ihrer Hymne auf den Demos gegen Corona-Maßnahmen und alles andere, was ihnen so in den Sinn kam. Bis Marius Müller-Westernhagen die Nase voll hatte, sich medienwirksam impfen ließ und ein entsprechendes Foto auf Instagram mit dem lapidaren Text "Freiheit" kommentierte. Wutschnaubender Freundschaftsentzug der so Angesprochenen inklusive. Das Spiel mit der Selbstinszenierung hat Westernhagen schon immer besser beherrscht als andere, so viel steht einmal fest. Auch wenn diese Darstellung mitunter hart an der Grenze der Karikatur seiner selbst manövrierte.

Insofern wirkt "Das eine Leben", das erste Album seit acht Jahren, geradezu brutal reduziert. Die quadratmetergroßen Hüte – weg. Stattdessen gibt der gebürtige Düsseldorfer den Clochard, wirkt mit tiefen Augenringen auf dem Cover geradezu zerbrechlich. Viel persönlicher soll die Platte sein, direkter und ehrlicher. Doch schon der Opener "Ich will raus hier" tappt um ein Haar in die Falle der Larmoyanz und verlangt genaues Hinhören. Denn kurz bevor man Westernhagen ein Taschentuch reichen möchte, wenn er sich beschwert: "Ich vermisse New York City / Ich vermisse auch Paris / Ich vermisse Rome, so pretty / Gottverdammte Pandemie", kratzt er so eben noch die Kurve: "Ich vermisse Mitgefühl / Mit denen, die noch viel mehr leiden / Die leben müssen arm, bescheiden / Für die Kultur der Prahlerei."

In der Tat sind es die Texte, an denen die Platte krankt. Wird Marius Müller-Westernhagen auf seine alten Tage tatsächlich bodenständig? Taugt er wirklich zum zornigen alten Mann, wenn er sich in "Zeitgeist" über "Botoxfressen" auslässt und dabei ohne allzu viel Zusammenhang – "auch die Kardashians haben ein Ende / Der Lack ist ab, die Luft ist raus" – pöbelt? Besser gelingt das beim wirklich tollen "Spieglein, Spieglein an der Wand", wenn er feststellt: "Aufmerksamkeit ist eine Droge / Die Gier darauf kann tödlich sein" und dabei über übersteigerte Egos herzieht. Nicht dass er gerade in den Neunzigern an Minderwertigkeitskomplexen litt, aber sei's drum.

Besser, viel besser als die mitunter arg pseudophilosphischen Texte ist da tatsächlich die Musik. Denn Westernhagen zog sich mit dem amerikanischen Multi-Instrumentalisten Larry Campbell nach New Jersey zurück, der dem Album eine gehörige Portion Americana verordnete. Da erinnert der Gitarren-Rhythmus von "Dunkle Fantasien" durchaus an Leonard Cohen, dort staubt die Wüste aus den Lautsprechern wie bei "Es geht immer nur so weit wie es geht". Dazu knarzt Westernhagen seine Texte, ohne in sein sattsam bekanntes Geknödel zu verfallen. Blöderweise ist Campbell kein Rick Rubin und Westernhagen – der nach 35 Jahren wieder unter seinem vollen Namen antritt – ebenso wenig Johnny Cash. Doch die selbst aufgelegte Zurückhaltung steht ihm erstaunlich gut zu Gesicht, auch wenn dieses Gesicht ein paar mehr Falten bekommen hat. Und vielleicht klappt es dann auch noch mit etwas mehr Glaubwürdigkeit in den Texten.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Ich will raus hier
  • Spieglein, Spieglein an der Wand

Tracklist

  1. Ich will raus hier
  2. Schnee von gestern
  3. Achterbahngedanken
  4. Zeitgeist
  5. Spieglein, Spieglein an der Wand
  6. Die Wahrheit
  7. Ich werde Dich lieben bis in den Tod
  8. Dunkle Phantasien
  9. Es geht immer nur so weit wie es geht
  10. Abschiedslied
  11. Wenn wir wieder über den Berg sind

Gesamtspielzeit: 47:07 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-05-26 20:42:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-25 13:18:43 Uhr - Newsbeitrag
Marius Müller-Westernhagen veröffentlicht neue Single ZEITGEIST als Vorgeschmack auf sein am 20. Mai erscheinendes Album DAS EINE LEBEN



Marius Müller-Westernhagen ist aus der Musikgeschichte nicht wegzudenken und zugleich, und in allererster Linie, bleibt er ein Künstler mit hochaktueller Arbeit, die die Gegenwart zu seinem Thema macht und dessen Werk in die Zukunft weist.

Marius Müller-Westernhagen hat die Zeit der Pandemie genutzt, um neue Songs zu schreiben.

Das Ergebnis: Sein 23. Studioalbum mit dem Titel »Das eine Leben«, das am 20. Mai 2022 erscheinen wird.

Einen Vorgeschmack darauf gibt es bereits heute mit der Single »Zeitgeist«.

Seht hier das Video zu „ZEITGEIST“:

»Zeitgeist« ist eine donnernde Ansage an eine laute Gesellschaft, die sich von einer Kultur der Oberflächlichkeit blenden lässt und die damit verbundenen Schattenseiten bereitwillig in Kauf nimmt. Die Single prangert eine zum Lebensprinzip erklärte Substanzlosigkeit an, weil sie einen notwendigen Diskurs verhindert und nur hedonistischen Motiven dient. Marius Müller-Westernhagen ist seit jeher ein politisch und gesellschaftlich engagierter Mensch. Sei Gesamtwerk steht inhaltlich für sich, und er hat als Künstler immer Farbe bekannt. Er kann es nicht hinnehmen, dass die Gesellschaft ihren Zusammenhalt, ihre Substanz und ihre Gesprächsfähigkeit verliert. Seine Antworten gibt der Künstler über seine Texte und seine Musik. Mit Empörung im richtig verstandenen Sinne singt er in der Hook: »Ich hab gebetet, du hast getötet mit deiner Worte Macht / Wollt dir vertrauen, auf Gott vertrauen / schrie so laut ich konnte, während du dich sonntest, mit tauber Botox-Fresse mich auslachst.« In diesem Zusammenhang setzt der Künstler als Beleg die Kardashians, wenn er ihnen in dem Song attestiert: »Der Lack ist ab, die Luft ist raus.«

Dass er mit den vermeintlichen grellen Protagonisten und deren lautem Zeitgeist nicht viel anfangen kann, daraus macht Westernhagen keinen Hehl: »Kim Kardashian hat praktisch mit nichts sehr viel Geld gemacht und einer Menge junger Menschen vermittelt, das sei das Leben: die nächste Party und was man da anzieht.« Vor diesem Hintergrund kritisiert der 73-Jährige vor allem die sozialen Medien, die diese Inhalte erfolgreich transportieren und als Verstärker dienen. »Sie begünstigen Voyeurismus, Exhibitionismus, Neid. Und sie promoten Banalitäten. Das ist doch idiotisch.«

Diesen Irrsinn veranschaulicht auch das Video zu »Zeitgeist«, welches Marius ebenso wie die Fotos zum Album mit Olaf Heine in Berlin aufgenommen hat. Darin sieht man den Künstler durch eine Kunstinstallation laufen. Bilder aus dem politischen, gesellschaftlichen und sozialen Tagesgeschehen werden auf Tücher und Papierbahnen projiziert. Mal verloren, mal couragiert bewegt sich Marius Müller-Westernhagen durch diese Momentaufnahmen und setzt sie in die richtigen Zusammenhänge. Der Flut der Bilder kann er scheinbar nicht entkommen, entlarvt ihre Hintergründe aber geschickt als Irrwege. Am Ende implodieren die Aufnahmen bildgewaltig wie ein verglühender Analogfilm. Zurück bleibt ein Marius Müller-Westernhagen irgendwo zwischen Ratlosigkeit und Entschlossenheit. Er bleibt sich treu als ein Ausnahmekünstler, der sich mit dem Zeitgeist von heute nicht arrangieren kann und will. Und auch nicht darf.



Das Album „Das Eine Leben“ ist ab sofort als CD, Vinyl, limitierte transparente Vinyl, Vinylbuch mit Bonus 7“ inklusive zwei Bonustitel und auch Stream & Download vorbestellbar.



Die Single ZEITGEIST jetzt anhören mmw.lnk.to/Zeitgeist

Das Album ab 20.05.22 überall, jetzt vorbestellen mmw.lnk.to/DasEineLeben

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-17 20:43:13 Uhr - Newsbeitrag
Marius-Müller Westernhagen wird sein 23. Studioalbum mit dem Titel „Das eine Leben“ am 20. Mai über Sony Music Entertainment veröffentlichen. Die erste Single-Auskopplung, „Zeitgeist“, erscheint bereits am 25. März. Es handelt sich um das erste Studioalbum mit neuen, bislang unveröffentlichten Titeln des Künstlers, seit acht Jahren.



In „Das eine Leben“ blickt Marius nicht nur auf seine ganz eigenen Erfahrungen in den letzten zwei Jahren zurück, sondern greift auch gesellschaftskritische Themen auf, die aus Sicht des Künstlers in der sogenannten Corona-Zeit noch radikaler freigelegt worden sind. Marius‘ Sprache ist noch deutlicher und klarer als auf früheren Alben, seine Texte zeigen seine Haltung und seinen ehrlichen Blick auf die Welt von heute. Produziert wurde das Album in New Jersey gemeinsam mit Larry Campbell. Marius hat im Zuge des Albums auch die Arbeit mit dem Fotografen Olaf Heine wieder aufgenommen, sämtliche Aufnahmen der Kampagne, sowie das Video zu „Zeitgeist“ wurden von Olaf Heine in Berlin gemacht.



Westernhagen blickt auf eine herausragende Musikkarriere und bereits sieben Nummer Eins-Alben zurück. Insgesamt verkauften sich Westernhagens Alben über 17 Millionen Mal, sechs Alben allein jeweils über eine Million Mal. Die erste Goldene Schallplatte erhielt Westernhagen bereits für sein zweites Album „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“, vor über 30 Jahren.



Olaf Meinking, Manager: „Wir freuen uns sehr, dass Sony uns bei der Veröffentlichung des neuen Albums begleitet. Wir sind dankbar für ein junges, ambitioniertes und intelligentes Team, dass uns mit seinen Fähigkeiten und seinem Engagement unterstützt. Marius hat sich mit dem neuen Album zum einen der gesellschaftlichen Wirklichkeit gestellt, und die Probleme der Gegenwart textlich, musikalisch und damit künstlerisch radikal freigelegt und beschrieben, und zu anderen in vielen Titeln sehr persönlich und ehrlich seine Haltung auf „Das eine Leben“ gezeichnet. Marius freut sich sehr auf die Begegnungen und Gespräche, die die Veröffentlichung begleiten werden. Er blickt auf die Gegenwart und auf die Zukunft, nicht in die Vergangenheit.“



Patrick Mushatsi-Kareba, CEO Sony Music Entertainment: „Wir sind sehr stolz mit einer deutschen Musiklegende zu arbeiten, stehen als Team Seite an Seite mit Marius und Olaf. Nun freuen wir uns darauf gemeinsam an einem weiteren Kapitel dieser schillernden Karriere zu arbeiten.“
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