Boys Night Out - Make yourself sick

Boys Night Out- Make yourself sick

Ferret / Indigo
VÖ: 10.11.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kalte Dusche

Schon wieder so eine Bo(y)s-Band. Nach Boysetsfire, Boy Hits Car und wiesiealleheißen hätte es das wirklich nicht mehr gebraucht. Unverwechselbar sind sie dennoch. Besonderheit Nummer eins: Boys Night Out kommen aus Kanada. Besonderheit Nummer zwei: Sie machen alles richtig. Musik für Jungs, Halbstarke und Männer.

Die ersten drei Songs legen gleich ordentlich Tempo vor und zelebrieren Emocore mit melodischen Passagen, gespickt mit Brülleinlagen und echten Mitsingchören. Für die nötige Abwechslung sorgen mal ein rumpelnder Baß wie in "(Just once) Let's do something different", mal eine knallende Beat-Torpedierung in "The first time it shouldn't taste like blood". Wobei vor allem letzteres dann vollends aus der Gesangskombination aus melodischer Gesangsstimme und schizophren, ausgeflippten Schreigesang schöpft. Musik für Jungs.

Musik für Halbstarke bietet man mit dem durch die Untiefen der Seele watenden "It's Dylan, you know the drill". Punk-Riffs und Hardcore-Gesangseinlagen lassen das Blut aufkochen, das von "Hold on tightly, let go lightly" mit Akustikstimmung schnell wieder gekühlt wird. Dafür kommt hier die Stärke des Albums besonders zum tragen: das Textwerk. Tragische, deprimierte, Suizidgedanken enthaltende Texte lassen die Platte besonders werden: "When you're left with only a bullet / I'll bring the trigger and promise to pull it", heißt es in "The subleties that make mass murderers out of otherwise decent human beings", dessen Titel genauso mächtig klingt wie der Song selbst.

Mit immer tiefer in der Seele grabenden Texten nähern wir uns der Musik für echte Männer. "I was the devil for one afternoon" läßt nicht nur den Fuß im Takt mitwippen, während man Trennungsschmerz überwindet und von Einsicht geleitet gemeinsam mit seinen Kneipenkumpels "I ruined everything for you" einstimmt. Kumpels, vor denen man sich auch mit einem weinenden Auge blicken lassen kann.

Und so stellt man nach dem Durchhören fest, daß dieses Album zwar musikalisch nichts wirklich neues bietet, aber dennoch etwas hat, was es beinahe in den Olymp vordringen läßt. Nämlich Textwerk, bei dem einem beinahe das Blut in den Adern gefriert wie bei dem auf dem Cover abgebildetem, frühmorgendlichen Eiswürfelbad. Deprimierter, tragischer, abstruser und melancholischer geht es kaum mehr. Und so läßt einem das Album dann freudig emotional und hormonell ausgelastet zurück, ähnlich einem Besuch in einem dem Bandnamen gleichlautenden Männeretablissement in den USA. Rundum ein Album für Männer oder und solche die es werden wollen.

(Markus Söllner)

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Highlights

  • I got punched in the face for sticking my face into other people\'s business
  • It\'s Dylan, you know the drill
  • Hold on tightly, let go lightly
  • I was the devil for one afternoon

Tracklist

  1. I got punched in the face for sticking my face into other people's business
  2. (Just once)Let's do something different
  3. The first time it shouldn't taste like blood
  4. It's Dylan, you know the drill
  5. Hold on tightly, let go lightly
  6. The subleties that make mass murderers out of otherwise decent human beings
  7. The fine art of making it out alive
  8. I was the devil for one afternoon
  9. The anatomy ot the journey
  10. Yeah no… I know

Gesamtspielzeit: 41:20 min.

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