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The Waterboys - All souls hill

The Waterboys- All souls hill

Cooking Vinyl / The Orchard / Indigo
VÖ: 06.05.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Fluss des Lebens

In den letzten knapp 40 Jahren waren neben dem schottischen Mastermind Mike Scott eine ungeheure Anzahl von Musikern zeitweilig Mitglied von The Waterboys. Ebenso im Fluss wie die Besetzung war auch schon immer die musikalische Ausrichtung der Band. Die größten Erfolge feierten Scott und Kollegen freilich gegen Ende der Achtzigerjahre, als sie ihren U2 nicht ganz unähnlichen Breitwand-Rock durch zahlreiche Elemente des Irish Folk erweiterten bis ersetzten und mit "Fisherman's blues" einen bis heute nachhallenden Klassiker schufen. Vor allem in den letzten Jahren war Scott wieder sehr umtriebig und so ist "All souls hill" nun schon das sechste Album von The Waterboys seit 2015. Allzu großer Output macht Künstler leicht mangelnder Qualitätskontrolle verdächtig und so schien es zumindest beim musikalischen Gemischtwarenladen "Good luck, seeker" ein wenig, als würde sich zwangsläufig jeder musikalische Einfall Scotts eher früher als später auf Platte wiederfinden. "All souls hill" kommt deutlich aufgeräumter, aber dennoch abwechslungsreich daher.

Als ersten Vorgeschmack gab es bereits Ende 2021 den für The Waterboys ungewohnt deutlich politischen Kommentar "The liar" zu hören. Zum wütenden, kaum verschleierten Trump-Bashing gesellen sich hier ebenso wütende Gitarren und gar Audio-Samples vom Angriff auf das US-Kapitol im Januar 2021. Ähnlich dicht produziert und mit prominenten Streicherakzenten rumpelt der Titelsong und Opener daher, in dem Scott auch die Vergänglichkeit und Fragilität der menschlichen Existenz als Motto des Albums vorstellt: "Call it strange, we live, we die / All may change in the wink of an eye." Nach diesem rockenden Doppelschlag zu Beginn wechseln sich im restlichen Verlauf eher traditionelle Balladen und schnellere, oftmals mit Loops arrangierte Songs ab, denen der Einfluss von Co-Produzent und  laut Scott  "Soundguru" Simon Dine anzuhören ist.

Ein Showstopper im Zentrum des Albums ist der wunderschön elegische, an Van Morrison erinnernde "Hollywood blues", dessen triumphales Saxofon-Solo auch notorische Zweifler mit dem Instrument versöhnen muss. Über eine von Dine zusammengestellte musikalische Traumlandschaft raunt Scott im atmosphärisch sehr starken "In my dreams" davon, was er in seinen luziden Träumen so erlebt, deutlich geerdeter stampft sich das gut gelaunte, das Leben augenzwinkernd als "endless grundhog day" bezeichnende "Here we go again" in die Gehörgänge. Besonderes Augenmerk verdienen auch die beiden Coverversionen: Für seine Fassung von Robbie Robertsons spätem Großwerk "Once were brothers" setzt Scott auf souliges Pathos und erwärmt damit die Herzen aller Zuhörenden. Eine mit neuen Strophen und Gospel-Outro auf neun Minuten gestreckte Version des klassischen Folksongs "Passing through", welche die bekannte Interpretation von Leonard Cohen noch übertrifft, bildet schließlich den krönenden Abschluss von "All soul hill" und verweist noch einmal aufs zentrale Motiv der Flüchtigkeit des menschlichen Lebens: "Passing through, passing through / Sometimes happy, sometimes blue." Mike Scott schaut sicher bald wieder vorbei und es bleibt spannend, was er uns mit The Waterboys das nächste Mal mitbringt.

(Michael Albl)

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Highlights

  • All souls hill
  • Hollywood blues
  • Passing through

Tracklist

  1. All souls hill
  2. The liar
  3. The Southern moon
  4. Blackberry girl
  5. Hollywood blues
  6. In my dreams
  7. Once were brothers
  8. Here we go again
  9. Passing through

Gesamtspielzeit: 40:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Herr

Postings: 1592

Registriert seit 17.08.2013

2022-05-17 17:04:05 Uhr
Der hypnotische, ausufernde Waterboys-Spirit der Alben davor, bei welchem man eine sich in Ekstase spielende Band vor Augen hat, war ja vermittelt über ...

Destinies Entwined (von Modern Blues)
Morning came too soon (von Out of All this Blue)
My Wanderings in the Weary Land (von Good Luck, Seeker)

Jetzt braucht man auf dem neuen Album Glück, sowas zu finden noch ....

dreckskerl

Postings: 7888

Registriert seit 09.12.2014

2022-05-16 12:11:31 Uhr
Ja, da magst du natürlich recht haben. Daunter "leiden" natürlich alle meine Helden der 80er und 90er.

Aber losgelöst davon finde ich, dass er nach dem unerwarteten Highlight 2011 mit den Yeats Vertonungen, 4 Jahre später mit "Modern Blues" sehr stark nachgelegt hat.
Aber seit 2017 und diesen Mammutveröffentlichungen wird man geflutet mit Mike Scottsongs mit einzelnen Highlights aber viel Mittelmaß und Langeweile ist dann auch dabei.

Das aktuelle hätte er wirklich eher unter Mike Scott veröffentlichen sollen, er hat doch das meiste alleine eingespielt.
Vo allem fehlt ohne Steve Wickham die Geige, die seit "Fisherman's Blues" Markenzeichen des Waterboyssounds ist.



kingbritt

Postings: 4806

Registriert seit 31.08.2016

2022-05-16 11:37:15 Uhr

. . . ja ok, verstehe liegt eher nicht am Album oder der Musik, sondern an den verknüpften Erwartungen an die der the Waterboys aus den 80'ern. Scott ist ja irgendwie auch nicht mehr so recht the Waterboys, sondern nutzt diesen Namen noch. Er könnte eigentlich auch unter seinem eigenem Namen veröffentlichen. Finde das Album jetzt mal ohne den historischen Diskographie Hintergrund wirklich nicht übel.

oldschool

Postings: 485

Registriert seit 27.04.2015

2022-05-15 22:26:41 Uhr
sehe ich auch so. Die Musik auf dem Album mag nicht schlecht sein, hat aber nichts mit der Band zu tun, die ich mal sehr mochte.
Klar, jede Band kann sich weiterentwickeln, verändern, zurückentwickeln oder wie hier einfach mehr oder weniger Classic Rock spielen. Findet bestimmt auch seine Fans, ich bin keiner von Ihnen.

dreckskerl

Postings: 7888

Registriert seit 09.12.2014

2022-05-14 17:53:42 Uhr
So sehe ich das auch.

Don't bang the drum...
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