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Spice - Viv

Spice- Viv

Dais / Cargo
VÖ: 20.05.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Schmerzensbrecher

Ein Blick aufs Veröffentlichungsdatum genügt: Frühling, Arschloch, Herbst und Winter – da ist sie wieder, die Sonne, die gelbe Sau. Oder wie Ross Farrar es im Opener von "Rohnert Park" etwas weniger prosaisch ausdrückte: "Sick of drying up in the sun / Sick of this island, sick of fun." Und das Hirn des Typen, der auf dem Cover mit gesenktem Haupt vor imposanter Naturkulisse steht, ist sicher auch bald gar. Zum Glück bleibt Farrar nicht viel Zeit, Trübsal zu blasen: Der Frontmann der früheren Powerviolence- und jetzigen Post-Punks Ceremony tat mit dem Quartett Crisis Man kurz vor "Viv" schnell das kurze, aber heftige Hardcore-Album "Asleep in America" raus und betreibt mit Drummer Jake Casarotti und vier Kolleg*innen seit 2018 Spice. Eigendefinition: "Rock'n'roll band from California" – mit der Besonderheit, dass Violinistin Victoria Skudlarek den oft harschen Songs des selbstbetitelten Debüts einiges an melodischem Schliff verlieh. Aber bitte nicht zu viel, denn die Online-Präsenzen warnen schon: "Spice is pain."

Tut also weh, tut aber auch gut, zumal der Vorgänger mit "I don't wanna die in New York" vergleichsweise positiv endete. Dass Spice damit noch nicht "All my best shit" verballert hatten, zeigte Ende 2021 die Single "A better treatment", und auch "Viv" eröffnet mit einem saftigen Doppelpack voller Vehemenz und Haumichblau. Die frenetischen Stromgitarren und aufgeregt achtelnden Riffs von "Recovery" präsentieren sich bestens erholt, bei "Any day now" geht die Fahrt so rasant rückwärts, dass man sich schnell den kompaktesten Ohrwurm seit langem einfängt und etwaige Unebenheiten im Nu vergessen sind. Ein Schweinsgalopp, der außerdem zusehends in der geräuschen Indie- statt in der Punkrock-Blase wildert. Sieht man einmal von "Threnody" ab, das nach dem düsteren Wühler "Ashes in the birdbath" für knapp zwei Minuten im sehnigen Speed-Rausch verpufft. Es ist zum Kürbisköpfe-Zerplatzenlassen – doch auch diese Sauerei räumen Spice während der kleinen Quatsch-Interlude "Melody drive" flugs wieder weg.

Aber da war ja noch der Schmerz. Der kommt auch auf "Viv" nicht zu kurz, wenn die vordergründig beschwingte Rappelkiste "Dining out" unbequeme Thesen wie "Is life too long? / Cause nothing's really working out any more" aufstellt, die schlecht eingerichtete Realität beklagt und vergangener Jugend nachtrauert – Ersteres lässt sich etwa an Farrars inzwischen dezent angegrautem Bart ablesen. Immerhin: Solange er diesen so gelenkig zwirbelt, wie die Breitsaiten donnern und die Pliepf-Spitzen ins Hörfleisch pieksen, hilft "Viv" dank konzentrierter Power und dichter Produktion übers Gröbste hinweg. Nicht umsonst heißt es in "Vivid" emphatisch "My pain is yours now" – Spice geben's gern, und Skudlarek legt besonders windschief kratzende Geigen-Akkorde und eine tröstliche zweite Stimme drauf. Mit "Live scene" ist auch für die allfällige Emo-Hymne gesorgt – da möchte man nach dieser halben Stunde aller Seelenqual zum Trotz doch glatt noch mal jung sein. Hauptsache, es scheint nicht dauernd die Sonne.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Recovery
  • Any day now
  • Dining out

Tracklist

  1. Recovery
  2. Any day now
  3. Ashes in the birdbath
  4. Threnody
  5. Melody drive
  6. Dining out
  7. Live scene
  8. Vivid
  9. Bad fade
  10. Climbing down the ladder

Gesamtspielzeit: 31:04 min.

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Armin

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2022-05-12 20:59:58 Uhr - Newsbeitrag
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