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Sam Vance-Law - Goodbye

Sam Vance-Law- Goodbye

Virgin / Universal
VÖ: 06.05.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der lange Abschied

Sam Vance-Law ist traurig. Oder zumindest war er es. Kurz nach dem Erscheinen seine Debüts verließ ihn sein damaliger Freund. Wenn es gerade so gut läuft, kann man sowas irgendwie nur mäßig gut gebrauchen. Sein erster Longplayer "Homotopia" wurde 2018 gefeiert. Er galt als Pop-Strahlemann der Stunde. Seine Musik, sein Auftreten und seine Offenheit sind bemerkenswert und wurden auch als das wahrgenommen. Für seine Ode an die Queerness gab es den Preis für Popkultur in der Kategorie Hoffnungsvollster Newcomer.

Alles bestens also, wären da nicht auch die unangenehmen Seiten des Lebens, zu denen eine Trennung zweifelsfrei zählt. Aber ein Künstler wäre nicht ein Künstler, würde er aus dieser Situation nicht irgendetwas machen. Das dachte sich auch der in Berlin lebende Kanadier. Das Thema, welchem er sich auf seiner neuen Platte widmet, klar: Liebeskummer. Wer mit "Goodbye" jetzt ein endlos trauriges Werk erwartet, der wird eines Besseren belehrt. Gut, die tieftraurigen Momente gibt es. Eigentlich jeder Text ist ziemlich bedrückend. In "Kiss me" singt er davon, ihn zurückzubekommen und stellt sich vor, welchen Song er schreiben würde, wäre dies der Fall: "Oh then I would write a song / That went something like / Kiss me in the rain / Have we even done that yet?", spielt er in Gedanken durch, während der Track im Refrain richtig Fahrt aufnimmt. In "Someone else" beschwert er sich, begleitet von einer aufgeweckten E-Gitarre, über die Vorwürfe er würde jemand anderen lieben und unterstreicht sein "Don't say I love somone else" durch einen Chor. Fast befreiend wirkt "Get out", ein eingängiger Indie-Pop-Song, nur um in "Blissfull times" wieder melancholisch, von lediglich einem Klavier begleitet, in Erinnerungen zu schwelgen und in "Here you go again" schließlich hoffnungsvoll und voluminös davon zu singen, dass er ihn doch wieder zurückmöchte.

So traurig die Texte auch sind, "Been drinking" ist auch noch so ein ernüchternder Song, begleitet nur durch ein Klavier und spärlich eingesetzte Perkussions, schafft es der 35-Jährige doch immer wieder auch eine wohlig warme Stimmung mit seiner Musik zu erzeugen. Er spielt alles durch. Die Probleme in der Beziehung, die Trauer, das Vermissen, die Hoffnung und dann die Einsicht. Sam Vance-Law schafft etliche Facetten mit Streichern, Bläser und Piano, sowie Synthies und E-Gitarre und schafft so eine äußerst gelungene Vertonung seiner Emotionen. Kein Werk, dass vor Melancholie überquillt, sondern eins, dass den passenden Ton trifft, sodass auch er schlussendlich ein versöhnliches Ende, begleitet von einer gezupften Akustikgitarre, findet. "Here's I guess a last goodbye to you my friend / Lord knows this isn't easy / ... / Thanks again".

(Paul Milde)

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Highlights

  • Kiss me
  • Someone else
  • Get out
  • Here you go again
  • Been drinking

Tracklist

  1. 2
  2. Kiss me
  3. Icarus
  4. Someone else
  5. Get out
  6. No love
  7. Blissful times
  8. Cause I know
  9. Here you go again
  10. Too soon
  11. Been drinking
  12. Thanks again

Gesamtspielzeit: 42:29 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-05-05 20:22:07 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-25 13:16:28 Uhr - Newsbeitrag
SAM VANCE-LAW

NEUE SINGLE "ICARUS" OUT NOW

VIDEOPREMIERE



In seiner neuen Single "Icarus" adaptiert Sam Vance-Law die griechische Sage des jungen Ikarus, der mit den von seinem Vater gebauten Flügeln zu nah an die Sonne flog, um vor König Minos zu fliehen – Ausgang bekannt. Als Metapher für Beziehungsdynamik offenbart sich hier eine doppelte Deutungsebene: Kann man Ikarus seine waghalsige Flucht überhaupt vorwerfen, angesichts der einengenden Umstände? War sein Freiheitswunsch wirklich so übermütig? "Der Erzählstimme hier ist nicht zu trauen", sagt Vance-Law – und meint damit möglicherweise sich selbst.

"Icarus" ist die dritte Single von seinem kommenden Album "Goodbye", das am 06.05. erscheint. Wo bisher Liebe und Schmerz in heteronormativen Narrativen ausbuchstabiert wurden, ist homosexuelle Liebe und damit verbunden auch Liebesleid selten so explizit erzählt worden, wie auf diesem Album. "It will wreck you in the most beautiful way“, erzählt Sam dazu und lacht dabei so unschuldig, dass man fast kurz vergisst, wie ernst er es damit meint. Das Musikvideo zu "Icarus" könnte kaum besser zu diesem Zitat passen. Hier lässt Vance-Law seinen Gefühlen freien Lauf und zerstört alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Ein Dreh der gewiss auch eine heilende, therapeutische Wirkung gehabt haben mag.

Dass der gebürtige Kanadier ohne Popmusik aufwuchs und stattdessen lieber Klassik hörte, ist ein beliebter Fakt über den begnadeten Komponisten und Sänger. Seit seinem vielfach von der Presse gefeiertem Album “Homotopia” versuchen die Kritiker*innen, sich immer wieder neue Genrebezeichnungen für Vance-Laws musikalischen Stil auszudenken. Die frühe Klassik-Prägung ist den Arrangements und der Instrumentalisierung durchaus anzuhören, aber auch das Ohr für große Popmelodien und dass Vance-Law in seiner Wahlheimat Berlin mit einigen Größen des deutschen Indie verkehrt - so war er zum Beispiel an der neuen Casper-LP "Alles war schön und nichts tat weh“ beteiligt und Drangsal ließ es sich nicht nehmen, als Gaststar im Video von „Get Out / Been Drinking“ aufzutreten.

"Goodbye", das von von Charlie McClean co-produziert wurde, erscheint am 06.05.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-02-25 19:51:18 Uhr - Newsbeitrag
Mit dem Doppel-Release der Singles "Get Out" und "Been Drinking" kündigt Pop-Darling Sam Vance-Law heute sein neues Album "Goodbye" an, das am 06.05. erscheinen wird. Und auch wenn es oft heißt, dass das zweite Album das schwerste sei, gilt das nicht für Sam, der kurz nach der Veröffentlichung seines Debütalbums verlassen wurde. Das Thema für den neuen Longplayer war dementsprechend schnell klar: Liebeskummer.



"Der größte Unterschied ist, dass ich auf 'Homotopia' die Geschichten anderer erzählt habe. Dieses Mal hatte ich keine andere Wahl, als meine eigene zu erzählen", sagt Sam Vance-Law, vier Jahre nach dem Erscheinen seines ersten Albums, das Publikum und Presse im Sturm eroberte und für das er 2018 den Preis für Popkultur als hoffnungsvollster Newcomer gewann.



"Die schönste und schlauste Musik 2018" – Rolling Stone

"Pop-Darling der Stunde" – Der Spiegel





Die erste Single "Get Out" - ein empowernder Abschiedshit inklusive 80er-Synthies - ist ein Song, der die traumwandlerische Balance zwischen Witz und Tragik perfekt einnimmt. "Der Kern von solchen Momenten ist oft komplex, nicht nur einfach traurig oder düster. Und ich versuche, diese Vielschichtigkeit in Song-Form zu erfassen", erklärt Vance-Law. Eine andere Facette zeigt er auf "Been Drinking", das vielleicht schmerzvollste Lied des kommenden Albums.



Die beiden Songs werden begleitet von Videos, die eine fortlaufende Geschichte über den Prozess der Trennung erzählen. Zeigt das erste Kapitel "Get Out" die Wut und den Streit zwischen zwei sich einmal Liebenden (Sams Ex wird hierbei von Musikerkollege Max Gruber alias Drangsal dargestellt), wandelt sich die Szenerie bei "Been Drinking" - Sein Partner 'Got Out' und Sam ist auf sich allein gestellt. "And I could drink a crate of you/ But you’ll be gone/ So this beer will have to do" singt der gebürtige Kanadier und referiert hierbei auf Joni Mitchells Zeile "Oh, I could drink a case of you, darling/ And I would still be on my feet". Und wo bei Bill Withers "Ain’t No Sunshine" die Sonne einfach ganz aufhört zu scheinen, ist es bei Sam Vance-Law beinahe noch tragischer: "I see sunshine, it just doesn’t matter to me".






Wo der Vorgänger die große Revueshow schwuler Popmusik war, ist "Goodbye" eher der Tag nach der Premiere: Unkostümiert und abgeschminkt, ein wenig angekratzt, die Stimme rau. "Es ist auch auf eine Art gnadenlos", sagt Vance-Law und beschreibt damit das fehlende Happy-End als auch die konsequente Monothematik dieser Platte, die dennoch kraftvoll, intensiv, musikalisch feingliedrig und textlich schmerzhaft präzise ist.



Mit "Goodbye" hat Sam Vance-Law ein dichtes, ambivalentes, verwundbares Wunderwerk geschaffen. Zugleich bringt er damit eine wichtige queere Stimme für Gefühle und Bilder ein, die es bislang fast nur im binären Kontext von Mann und Frau gab.

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