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Sigrid - How to let go

Sigrid- How to let go

Vertigo / Universal
VÖ: 06.05.2022

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Norwegian hooks

Wenn der Pop der 2010er- und frühen 2020er-Jahre eines nicht braucht, dann ist es Rettung. Solange man nicht gerade die Billboard-Charts als Paradebeispiel nimmt, hat sich unter dem Sammelbegriff der drei kleinen Buchstaben eine Vielzahl eigenständiger, spannender Künstler*innen eingefunden, die dieses oft gescholtene Feld in alle Himmelsrichtungen zum Blühen brachten. Wer Sigrid Solbakk Raabe unter diesen Voraussetzungen nun als "Pop-Hoffnung" bezeichnen will, tut ihr damit keinen Gefallen. "Sucker punch", das Debüt der sympathischen Norwegerin, verpackte einige charakterstarke Momente und große Hits in einen generischen Schaumstoff, der eine klar identifizierbare Kontur noch vermissen ließ. Auch der Nachfolger "How to let go" zeichnet in erster Linie das Bild einer jungen Frau in der Findungsphase und bleibt weiterhin den Beweis schuldig, dass Sigrid dem auch ohne sie wunderbar lebendigen Pop-Zirkus ihren Stempel aufdrücken kann.

Das Gute daran ist freilich, dass sie das überhaupt nicht muss. Wer an das Album ohne die Erwartung einer genredefinierenden Epiphanie herangeht, wird mit diesem Dutzend kraftvoller, vielseitiger Dreiminüter durchaus viel Spaß haben. Auch, wenn sie den Mega-Erfolg von "Strangers" vermutlich nicht wiederholen kann und der am ehesten in diese Richtung schielenden Lead-Single "Mirror" ein wenig der Punch fehlt, beherrscht Sigrid die Kunst der knallenden Hook weiterhin im Schlaf – und weiß vor allem auch, wie man sie so inszeniert, dass es alle aus demselben reißt. Der Opener "It gets dark" kündigt sich mit großem Streicher-Drama an, ehe er erst davon zu schweben droht und dann von einem satten Rhythmus-Gewicht beschwert auf den Boden kracht. Dieser wuchtige Rocksound steht der 25-Jährigen ausgezeichnet, doch anstatt sich darin einzurichten, lässt sie im Anschluss ihrer Neugierde freien Lauf.

So entscheidet sich "Burning bridges" direkt danach für ein Elektropop-Glitzerkleid und bringt mit seinen Disco-Fiedeln auch andere Bauwerke zum Glühen, während Indie-affine Ohren womöglich eher den halbakustischen Stampfer "Dancer" als Wohlfühlort ausmachen. Besonders toll geraten sind das geschmeidig pulsierende "A driver saved my life", dessen Synth-Riff einen angeschwipsten Schlinger-Kurs fährt, sowie "Risk of getting hurt": eine wundervolle Neunziger-R'n'B-Verbeugung mit Gitarren-Wasserfällen im Hintergrund und weitflächigem Beat. Klar könnte man Sigrid an den Kopf werfen, die Stilgrenzen nicht radikal aufzusprengen, sondern die im Wesentlichen gleiche Songwriting-Formel bloß unter unterschiedlichen Oberflächen zu verhüllen. Aber auch hier wären wir wieder bei dem Punkt, sich nicht von fehlgeleiteten Kunstansprüchen die Laune verderben zu lassen – zumal die Gleichzeitigkeit von Flexibilität und Homogenität ja auch als Tugend auslegbar ist.

Was die Mundwinkel leider entschiedener nach unten zieht, sind die Balladen. Am besten gelingt da noch das Bring-Me-The-Horizon-Feature "Bad life", das seinen Pathos geschmackvoll und mit schöner Melodie aufbereitet. Tracks wie "Last to know" oder das reduzierte "Grow" wirken dagegen eher wie Schlaftabletten, deren Dosierung sich im Schlussdrittel zudem unangenehm erhöht. Sigrids Stärken liegen eben eindeutig auf der Tanzfläche und den klassischen Robyn-Move, auch in mitreißenden Bangern Melancholie und Leid zu vermitteln, hat sie noch nicht in Perfektion gemeistert. So bleibt "How to let go" eine Platte der Unentschlossenheit, was ihrer Urheberin allerdings auch alle Türen für die Zukunft offen lässt. Solange die Popmusik keine Erlöserin braucht, wird Sigrid ohne Druck und mit aller Zeit der Welt an ihrem Profil schnitzen können. Wie wusste schon Matthias Sammer, so oder so ähnlich: Das nächste Album ist immer das nächste.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • It gets dark
  • Risk of getting hurt
  • A driver saved my life

Tracklist

  1. It gets dark
  2. Burning bridges
  3. Risk of getting hurt
  4. Thank me later
  5. Mirror
  6. Last to know
  7. Dancer
  8. A driver saved my life
  9. Mistake like you
  10. Bad life (with Bring Me The Horizon)
  11. Grow
  12. High note

Gesamtspielzeit: 37:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

qwertz

Postings: 782

Registriert seit 15.05.2013

2022-05-06 11:54:38 Uhr
Ich finde ihr Stimme mega, aber stimme der Rezi zu, dass Sigrids Stärke nicht beliebige 08/15-Popnummern und schon gar nicht Balladen sind. Die zackigen, überraschenden Stücke waren es, die das Debüt so gut gemacht haben. Davon höre ich hier nicht viel. Schwaches Album.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22694

Registriert seit 08.01.2012

2022-05-05 20:21:57 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Dorado

Postings: 44

Registriert seit 14.06.2013

2022-04-22 23:36:44 Uhr
Gefällt mir ebenfalls!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22694

Registriert seit 08.01.2012

2022-04-22 20:36:06 Uhr
Sehr starker Song, der bei so viel Pathos auch leicht nach hinten hätte losgehen können.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22694

Registriert seit 08.01.2012

2022-04-22 19:54:15 Uhr - Newsbeitrag
Gemeinsam mit Bring Me The Horizon veröffentlicht Sigrid heute ihre energiegeladene Rockballade „Bad Life“.
Der Song thematisiert den täglichen Kampf mit der psychischen Gesundheit und erzählt uns eine emotionale Geschichte von nie endender Traurigkeit.

Sigrid selbst sagt über die Zusammenarbeit: “I’m so excited about ‘Bad Life’ being out in the world with the Bring Me boys! We’re really proud of this one, and we hope it can bring some comfort :)
It might not be the most likely collab, but we’ve been fans of each other for a while and we’re so happy we could collaborate on this song. And filming the video was an amazing and crazy experience in itself!”



Die Collabo zwischen der norwegischen Sängerin und der britischen Rockband Bring Me The Horizon ist recht zufällig entstanden. Bei einem Festival in Leeds haben die beiden sich hinter der Bühne getroffen und stellten fest, dass sie beide Fans der jeweils anderen Musik sind.
Für Bring Me The Horizon war sofort klar, dass Sigrid nicht nur musikalisch das perfekte Match ist, sondern auch um die Message von „Bad Life“ zu transportieren, denn auch bei einem so schwierigen Thema wie Mental Health, schafft es Sigrid, Optimismus zu versprühen.

Hier könnt ihr euch das offizielle Musikvideo zu „Bad Life“ anschauen:

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