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Cody Frost - Teeth

Cody Frost- Teeth

The Truth / The Orchard
VÖ: 06.05.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Der Elefant im Raum

An einer Casting-Show teilzunehmen, kann Fluch und Segen zugleich sein. Neben viralen Hits auf TikTok kann es, wenn es gut läuft, einer der schnellsten Wege in die öffentliche Wahrnehmung sein. Allerdings ist damit zumindest in manchen Kreisen auch von der ersten Sekunde an ein Malus verbunden, den man kaum mehr abgestreift bekommt. Ein gutes Beispiel dafür ist hierzulande Elif, die sich soundtechnisch und menschlich längst von ihren Popstars-Auftritten 2009 (!) emanzipiert hat und trotzdem immer noch in so gut wie jedem neuen Artikel daran erinnert wird, dass sie wahrscheinlich für immer untrennlich mit dem Casting-Stigma verbunden sein wird. Ähnlich und noch etwas frischer ist es bei der britischen Künstlerin Cody Frost.

Allerdings versucht Frost ihren Auftritt als damals 17-Jährige bei "The Voice" nicht krampfhaft aus den Geschichtsbüchern zu streichen. Im Gegenteil akzeptiert sie die Zeit in Boy Georges Team als Teil ihres Lebens und sagt, es wäre albern, so zu tun, als sei es nie passiert. Und im Gegensatz zu ihren umjubelten Auftritten, während die Show ausgestrahlt wurde, ist es danach erstmal wieder still um die junge Frau aus Burnley geworden. Und das scheint der mittlerweile 24-Jährigen im Hinblick auf ihr neues Mixtape "Teeth" gut getan zu haben. Denn das kurze Vergnügen ballert einem sieben eingängige Hyperpop-Songs voller Distortion um die Ohren, die so gar nicht nach Retorte klingen. Im Gegenteil reihen sie sich mit einer rockigen Attitüde im Herzen irgendwo zwischen etablierten Krawallmacherinnen wie Ashnikko und schrillen Newcomerinnen wie Cassyette in eine UK-Szene ein, die aufgeregt vibriert und laut das Innere nach außen kehrt.

Die Single "Berlin" eröffnet direkt zu Beginn Frosts Ängste: "You've been avoiding this for years / Tell me about your biggest fears / Said that you are afraid of heights / I am afraid of lonely nights." Hier wird keine Zeit mit Geplänkel verloren, hier wird nichts versteckt. "DWYSSWM" stampft direkt weiter und duldet keine erdrückende, fragile Männlichkeit mehr. In der Bridge könnte einem kurz der wirre Gedanke kommen, dass Eurodance und Hyperpop eventuell Überschneidungen haben, doch der anschließende Breakdown zerschmettert diesen Gedanken mit seinem verzerrten Schläger wieder. Es ist diese spannende Kombination, die mit Enter Shikari und Bring Me The Horizon genauso viel anfangen kann, wie mit A. G. Cook oder Charli XCX, die in den letzten Jahren für nervenaufreibenden Pop gesorgt hat und von Cody Frost quickfidel als Spielball aufgenommen wird.

Auch in diesen Spielarten gibt es natürlich Variationen, wenn "No admission" trotz Drum-and-Bass-Elementen die vermutlich geradlinigste Single in die Runde und der anschließende Titelsongs uns mit einer angedeuteten Gitarrenballade dann endgültig raus schmeißt. Dass das alles noch nicht zu den ganz Großen aufschließt, liegt vor allem daran, dass sich die langfristig memorablen Momente bis jetzt nur andeuten. Spaß macht diese laute Fragilität trotzdem zu jeder Sekunde und es ist absolut klar, warum Boy George schon vor einigen Jahren großes Potenzial in der Britin sah. Deshalb wäre es geradezu frech, wenn man nach "Teeth" noch mal den Bogen zu ihren Castingauftritten schlägt. Lassen wir ab jetzt dann auch bleiben – versprochen!

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Berlin
  • DWYSSWM
  • Teeth

Tracklist

  1. Berlin
  2. DWYSSWM
  3. Chaos
  4. Redundant
  5. Mea culpa
  6. No admission
  7. Teeth

Gesamtspielzeit: 22:27 min.

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Armin

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2022-05-05 20:19:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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