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Ultha - All that has never been true

Ultha- All that has never been true

Vendetta / Broken Silence
VÖ: 01.04.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwarzbauten

Für viele Vertreter des Black Metal gehört so ein bisschen Geheimniskrämerei zum Gesamtkonzept. Da verstecken sich Musiker bisweilen hinter den abenteuerlichsten Pseudonymen und Abkürzungen, weil es ja absolut untrve ist, wenn schon die Kenntnis der Namen der Bandmitglieder die ach so misanthrophe Botschaft des Kollektivs verwässert. Wobei beispielsweise niemand Gerry Joseph Buhl von der kanadischen Band Blasphemy kennen würde, hätte er sich nicht den wunderbaren Namen "Nocturnal Grave Desecrator and Black Winds" gegeben und das auch noch ernst gemeint. Andere wiederum lassen sich die absonderlichsten Geschichten einfallen, nur um die Entstehung ihrer Texte in ein möglichst mysteriöses Gewand zu hüllen.

Dann gibt es noch Bands wie Ultha. Keine Pseudonyme, kein Brimborium, nur fünf Musiker, die nicht einmal in einem verwunschenen skandinavischen Wald leben, sondern in Köln. Die aber dennoch, so viel Underground muss schon noch sein, ohne jegliche Promotion plötzlich bekannt gaben, ihr neues Album "All that has never been true" soeben veröffentlicht zu haben. Exakt ein Interview für den deutschen Print-Markt, das war's. Nichts soll von der Musik und erst recht von den großartigen Lyrics von Ralph Schmidt ablenken. Großartig deshalb, weil der Frontmann immer wieder sein Innerstes nach außen kehrt, seine Texte und die Stimmung der Songs zu einem karthatischen Ventil für seine eigenen Depressionen werden lässt. Zeilen wie "Dry the marrow from the bones / It gleams as dark as stars are stones / Die into them and leave your breath / This is what you wanted / And thus shall have" sind nicht weniger als der Ausdruck einer zutiefst zerrissenen Seele. Dabei ist dieser lyrische Überbau, der Abschluss eines sich über die letzten drei Alben erstreckenden Zyklus, nur die Spitze des Eisbergs aus klirrend kalter Atmosphäre, die die Kölner hier ausbreiten. Statt stumpfen Geballers bauen Ultha immer wieder neue Schichten auf wie im meisterhaften "Der alte Feind (Jeder Tag reißt Wunden)", weil sie verstanden haben, wie verstörend Langsamkeit sein kann, wie ausdrucksstark Atmosphäre sein kann. Stärker, immer stärker wird der Sog, bis man schließlich den erlösenden Refrain selbst mitschreien will. Nur warum wird diese Erlösung durch ein dissonantes Saxophon wieder zerrissen?

Man kann aber auch Analyse Analyse sein lassen und sich unter dem Kopfhörer von "Bathed in lightning, bathed in heat" fesseln lassen und trotz genretypisch extrem reduzierter Produktion die feine Musikalität bewundern. Oder den unfassbaren Spannungsbogen von "Haloes in reverse" bestaunen – minutenlang wird ein Post-Punk-Riff ausgearbeitet, mit immer neuen Facetten versehen, nur um im Mittelteil mit einer noch wirkungsvolleren Eruption zum Black Metal zurückzukehren. Ein Genre, das allzu oft mit so dämlichen Klischees assoziiert wird, von den brennenden Kirchen in den Neunzigern bis hin zu den widerwärtigen, menschenverachtenden Auswüchsen des NSBM. Black Metal kann aber auch ein Ventil sein, mitunter pure Katharsis, mit der vermeintliche Tabu-Themen wie der Umgang mit der eigentlichen Sterblichkeit zum Ausdruck gebracht werden können. Diese Verbindung zwischen Atmosphäre, Musikalität und herausragenden Texten stellen Ultha auf meisterhafte Art und Weise her und reißen die Hörer mit auf eine Reise, die alles andere als geradlinig verläuft. Und förmlich dazu zwingt, jede Nebenstraße genauestens zu erforschen. Bravo.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Der alte Feind (Jeder Tag reißt Wunden)
  • Bathed in lightning, bathed in heat
  • Haloes in reverse

Tracklist

  1. Dispel
  2. Der alte Feind (Jeder Tag reißt Wunden)
  3. Bathed in lightning, bathed in heat
  4. He knew and did not know
  5. Carrion (To walk among the spiders)
  6. Haloes in reverse
  7. Rats gorged the moon... and all fell silent

Gesamtspielzeit: 58:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

VelvetK

Postings: 12

Registriert seit 13.07.2020

2022-05-18 20:39:14 Uhr
Bis auf Song Nummer fünf ausnahmslos zehn von zehn möglichen Punkten, was auch auf den schon grandiosen Vorgängern oft genug der Fall war. Tolle Band, ganz große Bögen, unfassbare Untiefen und ein Gesang, der im brüchig genauen Klangbild alles zerreißt. So in sich schlüssig war aber dann doch noch kein Album der Band. Eine Stunde wie kaum eine zuvor. Wenn ich All that has never been true einlege, dann kann das wirklich kaum wahr sein, so selten passiert es, höre ich ein ganzes Album mehrfach so gespannt und mitfiebernd ob aller Pfade und Gipfel durch - ganz groß. Der letzte Song übertrifft dann nochmal alles.

Da kann ich allen Vorrednern nur beistimmen. Es wird ein wenig kälter, läuft dieses Ungetüm. Ein wohliger Schauer.

captain kidd

Postings: 3421

Registriert seit 13.06.2013

2022-04-29 18:43:16 Uhr
Sie Streicher bei Haloes in Reverse...

Klaus

Postings: 5364

Registriert seit 22.08.2019

2022-04-29 18:15:14 Uhr
Eben bei strahlendem Sonnenschein erster Durchlauf. Gleich ein wenig kälter geworden draußen. Klischee beiseite : großartige Platte.

Marküs

Postings: 974

Registriert seit 08.02.2018

2022-04-29 14:00:51 Uhr
Rats gorged the moon ist Endstufe, so etwas Perfektes werden wir dieses Jahr voraussichtlich im Black Metal nicht mehr zu hören kriegen! Wahnsinssdingen

captain kidd

Postings: 3421

Registriert seit 13.06.2013

2022-04-28 20:54:20 Uhr
Das Ende von "Der alte Feind"... Grandios. Grandios.
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