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Glass Museum - Reflet

Glass Museum- Reflet

Sdban / N.E.W.S.
VÖ: 29.04.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Kopfkino

Zur richtigen Zeit am richtigen Platz gestanden und den Geist für neue Impulse geöffnet zu haben: Das könnte das Ausgangsszenario der Formation Glass Museum gewesen sein. Der Keyboarder Antoine Flipo und der Schlagzeuger Martin Grégoire jedenfalls trafen vor einigen Jahren aufeinander und beschlossen eine musikalische Zusammenarbeit, die seit 2016 kreativ voranschreitet. Das Duo ließ auf eine EP den ersten Longplayer "Reykjavik" folgen und werkelt fortwährend an der Perfektion des eigenen Klanguniversums. Mit Erfolg: "Reflet" ist ein neuer Höhepunkt des Schaffens.

Flipo und Grégoire bewegen sich in einem faszinierenden Spannungsfeld, das grob zwischen elektronischen Beats, klassischen Pianoklängen und Jazz verortet ist. Bevor die falschen Bilder im Kopf entstehen: anhören! Denn die beiden gehen mit herausragendem Gespür für große Momente zu Werke, wechseln spielerisch zwischen Klangbombast und minimalistischen Augenblicken. "Caillebotis" markiert den Auftakt zu einer höchst experimentellen Tour, die bei aller intelligenten Verspieltheit nie an Hörbarkeit einbüßt. Die Stücke schleichen sich ins Hirn, zwischendurch auch in die Beine, die unmittelbar tanzen wollen. Downbeat, Minimal Techno, House – das Genredropping könnte hier noch ein bisschen weitergehen, doch zu würdigen ist insbesondere der Umstand, dass echte Songs entstanden sind.

Die Besonderheit von Glass Museum lässt sich unter anderem in den furiosen Höhepunkten des Titelstücks "Reflet" und später im nicht minder grandiosen "Opal sequences" heraushören. Wie Flipo und Grégoire hier als Einheit agieren, ihre jeweiligen musikalischen Qualitäten einbringen und das alles atmosphärisch verdichten, ist ein Hochgenuss. Und wie zuletzt beispielsweise bei einer Band wie Portico Quartet stellt sich rasch die Frage, wie man diese Belgier bisher hat übersehen können; so man sie nicht längst kennen und schätzen gelernt hat. Die Kunst besteht übrigens auch darin, nicht nur in den – nennen wir sie ruhig so – Hitmomenten zu überzeugen, sondern auch in reduziert komponierten Passagen in einem Stück wie "Swimming trees". Kopfkino deluxe.

Zugegeben: Es ist nicht ganz einfach, das in Worte zu fassen, was in seinen etwas mehr als 40 Minuten ganz ohne Worte auskommt. Glass Museum gelingt es, nicht nur das Beste aus zwei Welten zusammenzumischen, sondern das Ganze mit vielen weiteren Elementen auszukleiden. Und der Hörerschaft kommt die überaus spannende Aufgabe zu, das alles Schritt für Schritt und Note für Note für sich selbst zu erkunden. Eben diese Arbeit eröffnet dann immer wieder neue Hörräume, denn nachdem man einen Durchgang mit voller Konzentration auf die Tastentöne erlebt hat, kann man sich beim nächsten Mal darauf fokussieren, das Perkussive herauszuschälen. Und dann das rein Elektronische. Und dann … geht es immer wieder von vorne los.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Caillebotis
  • Ellipse
  • Reflet
  • Opal sequences

Tracklist

  1. Caillebotis
  2. Shiitake
  3. Ellipse
  4. Reflet
  5. Swimming trees
  6. Auburn
  7. Opal sequences
  8. Kendama

Gesamtspielzeit: 41:32 min.

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User Beitrag

Antaeus

Postings: 20

Registriert seit 24.09.2014

2022-04-30 11:12:12 Uhr
Wie eine elektronisch aufgepeppte Variante von den alten Hauschka-Sachen wie prepared piano und salon des amateurs. schön luftig produziert. Danke für die Entdeckung!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-04-27 20:46:58 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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