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Dälek - Precipice

Dälek- Precipice

Ipecac / PIAS / Rough Trade
VÖ: 29.04.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Anmutiger Abgesang

Dass Dälek nicht nur virtuos mit Musik, sondern auch mit Sprache umgehen, erkennt man schon an ihrem Namen. Der wird nämlich ganz anders betont, als er auf den ersten Blick vermuten lässt, und zwar: "Die-a-leck". Aktiv ist die experimentelle Hip-Hop-Combo seit 1997. Als einziges Gründungsmitglied ist MC Dälek verblieben, der mittlerweile gemeinsam mit dem Soundtüftler Mike Mantega die Band als Duo führt.

2017 sendete die Formation mit dem sehr hörenswerten Endangered philosophies" ihr bisher letztes Lebenszeichen auf Albumlänge. Nun ist der Nachfolger "Precipice" dran. Der hätte eigentlich bereits 2020 herauskommen sollen, wurde jedoch pandemiebedingt in eine Warteschleife versetzt. Diese haben Dälek dafür genutzt, nochmal alles neu zu arrangieren. Und es lässt sich sagen: Die zusätzliche Arbeit hat sich gelohnt.

"Precipice" ist ein raues, eindringliches Album geworden, das genauso vertraut mit zarten Sphären wie mit angriffslustigen Loops spielt. Das Selbstbewusstsein, vor dem der Release so strotzt, ist gleich beim Opener "Lest we forget" voll da. Wer bei dieser Lo-Fi-Soundwand mit Hang zur verschleppten Melodie mehr als fünf Minuten lang dranbleibt, den kann so schnell nichts mehr erschüttern. Auch nicht der nächste Track "Boycott". Denn der bedient sich prompt an dieser rauschenden Soundkulisse und wirkt ein bisschen wie der Versuch, Old-School-Hip-Hop durch eine angeknackste Röhre in die Vergangenheit zu schicken. Spoiler: Funktioniert nicht. Aber für eine Zeitreise der Herzen reicht es immerhin.

Der nächste Track "Decimation (Dis nation)" ist eine düstere und schnörkellose Abrechnung, durch die kleine melodiöse Lichtblicke flackern. Die Lyrics von Dälek zeigen sich davon jedoch unbeeindruckt: "HOW you gonna ask if I've been to prison?? / All you had to DO was listen", wütet der MC mit seiner markanten Stimme, die an die Wu-Tang-Mitglieder RZA und ODB erinnert. Einen ganz eigenwilligen Pop-Appeal entfaltet der nächste Track "Good". In der Anmut des Abgesangs ringt sich MC Dälek ein verzweifeltes Ultimatum an die gute Welt ab: "I'm awaiting that change / Sam Cooke said there ought to be."

Mit "Holistic" und "The Harbingers" folgen zwei kühle, leicht dekonstruierte Nummern mit 90s-Eastcoast-Vibe. Auf "Devotion (When i cry the wind dissapears)" beweisen Dälek dann ihr Talent zum Stilbruch. Der Track ist ein pathetisches Bollwerk aus Synthies und Spoken Word. Mit der Zeile: "If you're anything like HER / You already HAVE my devotion" legt der Song dann sogar ein fast schon hollywoodreifes Finale hin.

Über das epische "A heretic's inheritance" und den psychedelisch ausgebremsten Titeltrack "Precipice" bewegen sich Dälek weiter zum letzten Song "Incite". Der schleicht sich mit fast schon höflich zurückhaltenden Beats in einem großen Rauschen aus dem Album. Eine bescheidene Geste der Erlösung ist das allerdings nicht unbedingt: "Watch it crumble from beneath / What a got-damn shame!" gibt uns MC Dälek mit auf den Weg. Und es spricht für "Precipice", dass man diesen Worten, genau wie den Beats, erstaunlich gerne mit einem Kopfnicken folgt.

(Dominik Steiner)

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Highlights

  • Decimation (Dis nation)
  • Good
  • Devotion (When i cry the wind disappears)

Tracklist

  1. Lest we forget
  2. Boycott
  3. Decimation (Dis nation)
  4. Good
  5. Hollistic
  6. The Harbingers
  7. Devotion (When i cry the wind dissapears)
  8. A heretic's inheritance
  9. Precipice
  10. Incite

Gesamtspielzeit: 46:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

smrr

Postings: 224

Registriert seit 02.09.2019

2022-04-22 00:09:04 Uhr
wollte sagen: freu mich auf das neue Album und merci für die Rezi.

smrr

Postings: 224

Registriert seit 02.09.2019

2022-04-22 00:08:23 Uhr
Guter Typ, zuletzt irgendwann in einem verschissenen Laden (liebevoll gemeint) in Duisburg gesehen. War halt viel Tape als Grundlage, darüber halt gerappt. Atmosphärisch seit 20 Jahren Weltklasse. Alben alle mehr als souverän.

From Filthy Tongue 7.5/10
Absence 7.5/10
Abandoned Language 8/10
Gutter Tactics 7/10
Untitled 7/10
Asphalt For Eden 7/10
Endangered Philosophies 7/10
Precipice ?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-04-20 21:01:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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