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HVOB - Too

HVOB- Too

PIAS / Rough Trade
VÖ: 08.04.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Summe der einzelnen Teile

Als diese Rezension online ging, also ein paar Tage vor der VÖ von "Too", kannte die Öffentlichkeit bereits sieben der acht Songs des neuen HVOB-Albums. Mit seinem Erscheinen endet diese recht spezielle, mehrmonatige Veröffentlichungsstrategie. Nun ist die Überraschung bezüglich des Album-Releases für diejenigen, die den Prozess seit einiger Zeit verfolgen, also eher gering, schließlich liegt quasi alles Relevante vor. Höchstens die Art und Weise, wie diese Einzelteile zu einem großen Ganzen gemischt werden – Flow, Übergänge, Abstimmung spielt noch eine Rolle ist an dieser Stelle. Auf der anderen Seite mag es genug Menschen geben, die "Too" erst zu diesem Datum oder später in seiner Gänze kennenlernen. Alle haben dabei eines gemein: Sie erleben ein nun komplettes, spannendes Werk ohne jegliche Ausfälle.

Am Anfang steht das "Utz": Ohne jegliche Vorwarnung werfen Anna Müller und Paul Wallner die Hörer*innen hier ins kalte Wasser. "Bruise" bürstet erst einmal alles Weg, donnert ab der ersten Sekunde sehr stumpf los, aber gerade so viel, dass Müllers Stimme nicht im technoiden Geballer untergeht. Am Grundrezept der bisherigen vier Studioalben hat das österreichische Duo keine Sekunde gedreht, sie spielen es nur kompromissloser aus. Einerseits ist das schade, da die Flüsterstimme Müllers schon recht monoton ist, andererseits auch gut, dass man sich auf vertraute Elemente verlassen kann. Der Zwiespalt, dass zu diesem heftigen Sound eigentlich eine kraftvolle stimmliche Begleitung mal schön wäre, der puren Eskalation wegen, ist einer der wenigen Kritikpunkte, die HVOB generell und so auch "Too" begleiten. Allerdings bringt das Album das bislang bekannte Wechselspiel auf einen, beziehungsweise mehrere neuen Höhepunkte: Das Verträumte, wie im Klavierintro von "Capture casa", wo es sich Müller trotz düsterer Lyrics auf einem sphärischen Teppich an Schönklang bequem macht. Wenig später eben der krasse Wechsel, der die beiden in einen sich immer weiter auftürmenden Technotrack begleitet. Das Zwiebelprinzip, Schicht für Schicht offenzulegen und zu einem großen Finale zu mischen – einfach und doch immer wieder funktionierend. Dabei nehmen HVOB sich die Zeit, die sie brauchen. Wie genannt sind es acht neue Songs, dennoch kommen sie locker auf eine LP-Länge an neuem Material.

"2:16" zum Beispiel braucht weit mehr als zwei Minuten und 16 Sekunden, um sich zu entfalten. Hier und da ein Lichtlein von einem flackernden Beat über dem flächigen Synthie, bis sich das Stück nach fünf Minuten bequemt, mal eine Richtung einzuschlagen, welche dann recht unerwartet Lo-Fi-Schlagzeug und repetitive Lyrics bedeutet. Das große Finale, der große Knall: passiert nicht. Auch der Bruch zu "Eyes alive" ist marginal, vielmehr scheinen hier Moderat Pate zu stehen. Die Abrissbirne ist dann Kid anthem vorbehalten: Snare-Geschepper, Industrialbeats aus dem leerstehenden Plattenbau, Sirenengeheule. Die Stärke von "Too" ist definitiv die Vielfältigkeit, die hier präsentiert wird. Beachtlich, wie es den beiden gelingt, lupenreine Popballaden wie "The lack of you" neben der Abrissbirne "Gluttony" zu platzieren – ohne dass diese komplett komplementären Stile sich aneinander zerreiben. In gewisser Weise ist das eben die Stärke von Müllers Monotonie: Sie wirkt als Kitt zwischen den Brüchen dieser Songs – innerhalb und untereinander – egal, ob es pumpt oder fließt.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Bruise
  • Capture Casa
  • Gluttony

Tracklist

  1. Bruise
  2. Capture casa
  3. 2:16
  4. Eyes alive
  5. Kid anthem
  6. The lack of you
  7. Gluttony
  8. A piece of me

Gesamtspielzeit: 47:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Arne L.

Postings: 251

Registriert seit 27.09.2021

2022-04-14 15:12:51 Uhr
Bin sonst eher nicht in dem Genre unterwegs, aber das hat mich ordentlich weggefetzt. Was für Drums!

peter73

Postings: 962

Registriert seit 14.09.2020

2022-04-14 08:22:40 Uhr
Bruise 9/10
Capture casa 9/10
2:16 6/10
Eyes alive 8/10
Kid anthem 8,5/10
The lack of you 8/10
Gluttony 8/10
A piece of me 7,5/10

eric

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2625

Registriert seit 14.06.2013

2022-04-08 09:40:15 Uhr
Bei dem Sound der beiden denke ich oft, dass hier The Xx mit mehr Elektro-Wumms am Werk sind. Gut klingt's natürlich trotzdem. Vor allem "Bruise".

Klaus

Postings: 5354

Registriert seit 22.08.2019

2022-04-08 08:56:04 Uhr
Sollte es wohl. ;)

Merci, lasse das mal korrigieren...

Autotomate

Postings: 4382

Registriert seit 25.10.2014

2022-04-08 08:51:51 Uhr
"Bruise" bürstet er einmal alles Weg...

"Bruise bürstet erst einmal alles weg...", nehme ich an, soll da in der Rezi stehen. Der Song ist wirklich geil.
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