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Jon Spencer & The Hitmakers - Spencer gets it lit

Jon Spencer & The Hitmakers- Spencer gets it lit

Bronze Rat / PIAS / Rough Trade
VÖ: 01.04.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Folge dem Schrott

Stählerner Blick, drohender Unterton in der Stimme: "Let me finish PLEASE!!!" Wenn Jon Spencer spricht, haben die Krümel Pause. Auch an einem Tag im Sommer 2004, als er in einem Kölner Hotel Interviews zum Blues-Explosion-Album "Damage" gibt – und sich Zwischenfragen meinerseits streng verbittet. Der leidgeprüfte Promoter zuckt jedoch nur mit den Schultern, meint, Spencer sei doch ganz gut drauf und verweist auf einen früheren Termin, bei dem der Frontmann sogar demonstrativ eine Zeitschrift gelesen haben soll, statt den Fragen des bedauernswerten Journalisten Beachtung zu schenken. Hat sich was mit "Talk about the blues". Es sei dem New Yorker verziehen, solange er auf seinen Platten eindrucksvoll die Power des Rock'n'Roll und rabiaten Garage-Punk mit HipHop-Beats und der Urwüchsigkeit von Stax und Northern Soul verschweißt.

Blues Explosion sind mittlerweile zwar offiziell Geschichte, doch den Lauten macht Spencer weiterhin – seit Neuestem zusammen mit The Hitmakers, zu denen neben Sam Coomes von Quasi auch sein alter Pussy-Galore-Mitmusiker Bob Bert gehört. Und dass dieser im Studio bevorzugt auf Schrott-Teilen herumhämmert, erzählt bereits einen Großteil der Geschichte eines Albums mit wohligem Trash-Faktor und einer Extraportion Ego, für die natürlich Spencer als croonender, japsender und wölfisch schmachtender Bandleader höchstpersönlich zuständig ist. Oder wie er es in "Bruise" leicht angeschlagen, aber mit umso mehr Nachdruck formuliert: "All I want is everything." Wir hatten nichts anderes erwartet – erst recht nicht bei einer außer Rand und Band scheppernden und lärmenden Nummernrevue, die so fröhlich im Müll wühlt wie "Spencer gets it lit".

Dass ausgerechnet der "Junk man" das Ganze großmäulig eröffnet und einen elektronisch sprotzenden Stampfer mit wildgewordener Sixties-Orgel überbackt, gehört dabei zum guten, rauen Ton – und illustriert zudem treffend die leicht verschobene Stoßrichtung gegenüber Blues Explosion: weniger The Rolling Stones, mehr Punkrock aus dem Synthie mit Ausdünstungen von No Wave und industriellem Gedengel, wie es Ex-Kollege Russell Simins 2009 auf Men Without Pants' "Naturally" vorgemacht hatte. Was Spencer jedoch nicht von seinen Kernkompetenzen entbindet: Im infektiös schlürfenden "The wrong facts" schiebt er zu spitzen Gitarrenlicks "heebie-jeebies at CBGBs", und fürs geräuschige Anschwärmen des "Primary baby" kommt nur der knarzigste Fuzz in Frage, während Berts Percussions dem Song die Möbel schiefrücken. Kann trotzdem so bleiben.

Muss es sogar, weil man immer damit rechnen sollte, dass "Spencer gets it lit" noch mehr Schräglage entwickelt. Zum Beispiel im funky Groover "Worm town", der wirkt, als würden die Beastie Boys ihren Backkatalog in einer abgeranzten Tanzkaschemme sabotieren – Sirenengeheul und Tempowechsel inklusive. Es dauert bis gegen Ende dieses herrlich grellen Comic-Schlachtfestes, bis sich Spencer wieder mehr seiner früheren Tage erinnert, das lüsterne "My hit parade" nach dem Muster von Heulern wie "She said" oder "Burn it off" funktioniert und "Strike 3" ein ähnliches Stop-and-go-Getöse veranstaltet wie "Fed up and low down". Und wer nach "Get up & do it" noch gute Nerven hat, bekommt auf der CD-Version zwei sleazy Bonus-Tracks obendrauf. Denn nach wie vor gilt: "The blues is no. 1, ladies and gentlemen." Auch wenn er nicht mehr so heißt.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Junk man
  • The worst facts
  • Worm town
  • My hit parade
  • Strike 3

Tracklist

  1. Junk man
  2. Get it right now
  3. Death ray
  4. The worst facts
  5. Primary baby
  6. Worm town
  7. Bruise
  8. Layabout trap
  9. Push comes to shove
  10. My hit parade
  11. Rotting money
  12. Strike 3
  13. Get up & do it
  14. Germ vs. jerk
  15. The devil's ice age

Gesamtspielzeit: 40:52 min.

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Armin

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2022-03-30 21:38:48 Uhr - Newsbeitrag
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