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Toechter - Zephyr

Toechter- Zephyr

KulturManufaktur / Zebralution
VÖ: 18.03.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Unheimliche Saiten

Es gibt Momente auf diesem Album, da schaut man sich erschrocken um. Momente, in denen man dringend überprüfen möchte, ob das Geräusch da eben noch zur Musik gehörte oder die Musik aus sich selbst herausgekommen und leibhaftig ins Zimmer getreten ist. Wundern würde einen selbst das dann nicht. "Zephyr" heißt das Werk, das solche besonderen Empfindungen auslöst, und während seiner etwas mehr als halbstündigen Laufzeit überaus intensiv auf einen einwirkt, geradezu in einen hineinkriecht und so schnell nicht wieder loslässt. Kaum zu glauben, dass es ein Debüt ist.

Das Trio Toechter, bestehend aus Marie-Claire Schlameus, Lisa Marie Vogel und Katrine Grarup Elbo, entlockt den eingesetzten Streichinstrumenten alles, was vorstellbar ist. Und das reicht weit über die bloßen Grundtöne hinaus, die naturgemäß aus Violine, Viola und Violoncello erklingen, wenn sie akkurat verwendet werden. Die drei verstehen ihr Handwerk, das lässt sich mühelos heraushören, und paaren diese Fertigkeiten mit überbordender Kreativität. Und sie trauen sich was, man nehme als Beispiel das verwunschene "Tectonics": Wie es Toechter hier gelingt, die ohnehin schon irritierende Atmosphäre auf den Gipfel zu treiben, ist meisterhaft.

Zu den Streichinstrumenten gesellen sich ein Effektpedal, das die Formation als viertes Instrument versteht, und die mal nur als Schnipsel, dann wieder als – wenngleich höchst seltene – Gesangsparts eingesetzte Stimme. Gebannt verfolgt man die Spielereien in "Verbal errors", die in ihrer Rätselhaftigkeit begeistern, oder die wie hingetupft wirkenden Sounds in "Pendulum". Noch weitaus experimenteller geht es in "Rêve" zu, das in seiner Anordnung auch als "Rave" hätte bezeichnet werden können. In jeder Sekunde ist hier die Begeisterung für das eigene Tun herauszuhören. Fein auf das Vorangegangene abgestimmt und unter den zwölf Stücken am klassischsten geraten, setzt schließlich der tragende Abschlusstrack "Epilogue" den Schlusspunkt.

Es steckt eine ungeheure Liebe zum Detail in "Zephyr", für das auch beim Aufnahmeprozess verschiedene Wege eingeschlagen wurden. So nutzte das Trio einen Saal im Funkhaus Berlin, um beispielsweise die Chöre einzuspielen, und setzte in der Produktion auf die Expertise von Apparat-Bandmitglied Philipp Johann Thimm, selbst als Cellist mit Streicherarrangements bestens vertraut. Der wiederum veredelte das Album im Studio von Apparat, der als Freund außergewöhnlicher Klanglandschaften gewissermaßen einen musikalischen Bruder der Toechter im Geiste darstellt. Herausgekommen ist eine atmosphärisch dichte Reise durch ein Universum zwischen Klassik und Elektro.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Tectonics
  • Bliss

Tracklist

  1. Wish
  2. Charms
  3. Tectonics
  4. White flower's point
  5. Zephyr
  6. Bliss
  7. Verbal error
  8. Pendulum
  9. Fall
  10. Rêve
  11. Light through leaves
  12. Epilogue

Gesamtspielzeit: 35:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Jonas

Postings: 7

Registriert seit 31.08.2021

2022-04-03 19:07:56 Uhr
Ein Ohrenschmaus zur Abendrunde. Vielen Dank für den Hinweis!

Was die Sinnestäuschung betrifft, auf die der Rezensent anspielt: Der Blick gen Himmel zeigte, dass sich ein vorbeiknatternder Helikopter wunderbar ins Klangbild fügte.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-30 21:39:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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