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Kae Tempest - The line is a curve

Kae Tempest- The line is a curve

Virgin / Universal
VÖ: 08.04.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Okae

Wohin mit all der Kreativität? Kae Tempest kennt dieses Problem seit vielen Jahren. Zahlreiche Bühnenstücke, Lyrik- und Erzählbände und musikalische Werke zeugen von großer Schaffenskraft. Musikalisch erinnert "The line is a curve", Tempests viertes Album, in vielerlei Hinsicht an die Großtat "Let them eat chaos". Elektronische Klänge stehen im Vordergrund, wobei die Beats sich diesmal mit den ganz großen Effekten angenehm zurückhalten. Dafür gehen die einzelnen Tracks fließend ineinander über, was das Album wie aus einem Guss wirken lässt. Im Fokus steht der Vortrag Tempests. Und wie immer gibt es viel zu erzählen.

Worum es geht, lässt sich schwerer greifen als früher. Die Wut ist immer noch da, auch die Verzweiflung schimmert immer wieder durch. Doch der Zeigefinger bleibt diesmal größtenteils angewinkelt. Auffällig ist, dass Tempests unvergleichlicher Singsang viel mehr in der Musik verschwindet. Nachzuhören ist dies beispielsweise im fantastischen "Nothing to prove". Auch "Don't you ever" schlägt in diese Kerbe. Zu jazziger Begleitung richtet Tempest den Blick auf sich selbst. Der Glaube an das Gute ist immer noch da, wenngleich es schwer geworden ist, an ihm festzuhalten. "These are the days" führt diese Gedanken fort und berichtet vom Verlorensein im Dickicht der Zivilisation. Die Musik steigert sich dabei fast unmerklich und weckt Erinnerungen an Portishead, was hervorragend zu Tempests Versen passt.

Sogar einen Hit gibt es zu bestaunen, wenngleich er einer der unaufgeregten Sorte ist. "No prizes" widmet sich der kritischen Selbstreflexion und besitzt einen wunderschönen gesungenen Refrain, für den sich Lianne La Havas verantwortlich zeichnet. Nicht minder eindrucksvoll gerät "Salt coast", dessen melancholischer Beat schon jetzt zu den Höhepunkten des Musikjahres 2022 gezählt werden kann. Tempest sucht Heil im Allegorischen, ohne dabei die kleinen und großen Leiden des Alltags aus dem Blick zu verlieren. Just dieser Alltag ist es, durch den die Menschen schlingern. Noch immer gefällt sich Tempest in der Rolle des Beobachters, allerdings wird auf Urteile größtenteils verzichtet. Die Frage lautet: Was sollen wir tun?

Antworten kann und will Tempest nicht mehr geben. Es geht vielmehr darum, den Ist-Zustand begreiflich zu machen. Dies führt bisweilen in die Dunkelheit. "Move" erzeugt durch seine monotone Synthesizer-Begleitung eine bedrohliche Atmosphäre. "More pressure, more release", lautet Tempests nüchternes Zwischenfazit, welches "More pressure" zu erklären versucht. Hier offenbart sich auch die autobiographische Ebene, die "The line is a curve" zugrundeliegt. Eindeutiges gibt es freilich nicht zu hören, vielmehr betont Tempest, wie wichtig es sei, das Gegebene zu akzeptieren und das zu verändern, was Veränderung zulässt. Das Leben ist schön, trotz und wegen allem. Am Ende bleibt die Botschaft versöhnlich. Es darf, es muss dann doch die Liebe sein, die das alles irgendwie erträglich macht.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • No prizes (feat. Lianne La Havas)
  • Salt coast
  • These are the days
  • Move

Tracklist

  1. Priority bedroom
  2. I saw light (feat. Grian Chatten)
  3. Nothing to prove
  4. No prizes (feat. Lianne La Havas)
  5. Salt coast
  6. Don't you ever
  7. These are the days
  8. Smoking (feat. Confucius MC)
  9. Water in the rain (feat. Ássia)
  10. Move
  11. More pressure (feat. Kevin Abstract)
  12. Grace

Gesamtspielzeit: 44:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1124

Registriert seit 31.10.2013

2022-04-17 22:36:48 Uhr
Die letzte war mir zu viel Sound und zu wenig Songs, hier scheint mir das aber wieder sehr viel besser zu funktionieren. Denk mal, hier gibts die Platte.

Kevin

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 962

Registriert seit 14.05.2013

2022-04-17 22:23:26 Uhr
Album gefällt mir ausgesprochen gut.

fakeboy

Postings: 2487

Registriert seit 21.08.2019

2022-04-12 09:41:11 Uhr
Hatte mal vor Jahren einen Beitrag über Kate Tempest bei Arte Tracks gesehen, aber mich dann nicht weiter damit beschäftigt. Jetzt grad ziemlich begeistert. Bin fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Musik sehr viel jazziger sei. Gefällt mir richtig gut.

Vraet

Postings: 32

Registriert seit 22.03.2021

2022-04-12 00:04:35 Uhr
Super Stimmung auf dem Album mir gefällts auch sehr. Bin total begeistert!

smrr

Postings: 224

Registriert seit 02.09.2019

2022-04-11 22:51:08 Uhr
Top-Wochenende: Kae Tempest, Vince Staples, Billy Woods. Drei ganz unterschiedliche Rap-Alben, alle ganz großartig.
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