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Black Palms Orchestra - Palm fiction

Black Palms Orchestra- Palm fiction

Seayou / Rough Trade
VÖ: 11.03.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Wild at heart and weird on top

Die zahlreichen Bandprojekte des Christian Fuchs sind in vielen verschiedenen Genres zuhause. 2004 gründete er mit FM4-Radiokollegen die Formation Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune, die nicht nur den vermutlich tollsten Bandnamen der Musikgeschichte hat, sondern auch maßgeblich zur Renaissance des Dialektpop in Österreich beitrug. Mit Bunny Lake frönte Fuchs vier Alben lang dem Elektropop, und "Palm fiction" ist nun auch schon der dritte Longplayer seines Soloprojekts Black Palms Orchestra. Bereits die beiden Vorgänger boten cinematisch arrangierten, abgründigen Noir-Countryrock, der wie die ideale Untermalung eines durch ein dunkles Geheimnis motivierten Roadtrips durch den amerikanischen Westen klang.

Anstatt wie bisher mit Eigenkompositionen die Soundtracks zu nicht existenten Filmen zu liefern, greift Fuchs mit zahlreichen Gastmusikern für "Palm fiction" auf Songs aus eher düsteren und abseitigen Werken der Film- und Fernsehgeschichte zurück. Dies wirkt durchaus folgerichtig: Fuchs betreibt nicht nur einen Film-Podcast, sondern veröffentlichte auch ein Sachbuch über Mörder im Film. Außerdem ist er auch mit der Kunstform der Coverversion bestens vertraut: Neigungsgruppe Sex, Gewalt Und Gute Laune coverten unter anderem Babyshambles ("G'fickt für immer"), und mit der Band Die Buben Im Pelz übertrug der Österreicher einst sogar das gesamte Debütalbum von The Velvet Underground kongenial ins Wienerische. So ist es keine Überraschung, dass die Songs auf "Palm fiction" nahezu allesamt hervorragend funktionieren.

Der Opener "In Heaven", ürsprünglich für David Lynchs Mindfuck-Klassiker "Eraserhead" komponiert, bietet unterkühlten Elektro-Dreampop mit ätherischem Gesang und entfernt sich damit gar nicht so weit vom überraschend modern klingenden Original von 1977. Die abgründige Atmosphäre von Lynchs Filmen und Soundtracks ist insgesamt ein Leitmotiv für den Klangkosmos von "Palm fiction". Zur angejazzten und mit fuzzy Gitarren versehenen Version des Klassikers "Fever" tanzt hier eher der verstörende, kleinwüchsige Mann von einem anderen Ort aus der Serie "Twin Peaks", als dass Elvis Presley die Hüften schwingen würde. Das ebenfalls häufig gecoverte, ungeheuer eingängige Liebesduett "Love is strange" wirkt bei Palm Beach Orchestra in Arrangement und gesanglicher Akzenturierung gewollt immer etwas überzogen und erforscht den fließenden Übergang von Liebe und Besessenheit ähnlich wie Lynch in "Wild at heart". Neben diesen beiden Gassenhauern bedient sich Black Palm Orchestra allerdings auch bei deutlich seltener gehörten Stücken. "World on fire" aus Paul Schraders "Light sleeper" ist hier ein apokalyptischer Marsch mit Industrial-Anleihen, und bei "Blackbird song" aus der Serie "The walking dead" wird aus dem Alternative County des Originals ein Seelen zum Gefrieren bringendes Gothic-Wave-Raunen. Special Agent Dale Cooper aus "Twin Peaks" würde hier ein eindeutiges Urteil fällen: "A damn good album!"

(Michael Albl)

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Highlights

  • In Heaven (feat. DRAMAS)
  • Love is strange (feat. GØRL)
  • Blackbird song (feat. Jay Brown)

Tracklist

  1. In Heaven (feat. DRAMAS)
  2. Nightcall (feat. Monsterheart)
  3. World on fire (feat. Medina Rekic & Ian Ottaway)
  4. Far from any road (feat. GØRL & Wolfgang Frisch)
  5. River of no return
  6. Twin Peaks theme
  7. Love is strange (feat. GØRL)
  8. Fever (feat. The Happy Sun)
  9. Lately (feat. Alex Wunderbar)
  10. Blackbird song (feat. Jay Brown)
  11. In Heaven reprise (feat. Christopher Just)

Gesamtspielzeit: 39:55 min.

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Armin

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2022-03-30 21:36:15 Uhr - Newsbeitrag
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