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Kindsight - Swedish punk

Kindsight- Swedish punk

Rama Lama
VÖ: 25.03.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Träum weiter

In seiner ebenso zeitlosen wie albernen Michael-Holm-Parodie postuliert es Otto Waalkes seit über 40 Jahren: Dänen lügen nicht. Zumindest dem Etikettenschwindel scheinen unsere nördlichen Nachbarn jedoch nicht ganz abgeneigt zu sein, zumindest, wenn man den Titel des Debütalbums des Kopenhagener Quartetts Kindsight betrachtet: "Swedish punk" ist weder schwedisch, noch Punk, sondern vielmehr verträumter Indierock aus Dänemark, der fuzzy Gitarrensound mit viel Gespür für eingängige Melodien kombiniert. Das ganz besondere Etwas verdanken Kindsight jedoch der betörenden Stimme von Leadsängerin Nina Hyldgaard Rasmussen, die an Dream-Pop-Ikone Hope Sandoval ebenso erinnert wie an Dolores O'Riordan von The Cranberries oder Molly Rankin von Alvvays. Vor allem die beiden Alben der letztgenannten Band sind recht offensichtliche Referenzen für Kindsights Klangkosmos aus Jangle-Pop-Gitarren und leicht kindlichem Gesang mit gleichzeitig fröhlicher, als auch melancholisch anmutender Atmosphäre.

Der Opener "Weekend thieves", in dem eine schwelgerisch-nostalgische Stimmung in der Strophe auf verhaltene Euphorie im Refrain trifft, ist damit durchaus prototypisch für "Swedish punk", wobei das Album an keiner Stelle formelhaft wirkt. Im exaltierten und mitreißenden Song "Hi life" geht es darum, über einen längeren Zeitraum in der eigenen Wohnung isoliert zu sein und das pulsierende Leben nur als Zuschauer aus dem Fenster zu erleben, "Hi life" statt high life eben. Aggressiver rockend als in den weiteren Tracks ergänzen sich in diesem frühen Highlight synkopische Math-Rock-Riffs, Twee-Pop-Gesang und ein treibend punkrockiger Refrain, der an die besten Songs der Spanierinnen von Dover denken lässt, zu einem ebenso chaotischen wie großartigen Gesamtbild.

Den gutgelaunten Power-Poprocker "Party time" würden sicher auch Chrissie Hynde und ihre Pretenders bei einer Feier auflegen, und wenn Rasmussen in diesem Song über flirrende Gitarren die Zeile "I know exactly what I'm doing" singt, ist man durchaus geneigt, ihr zu glauben. Die Tatsache, dass Kindsight allerdings auch die ruhigeren Momente beherrschen, beweisen die spartanisch instrumentierte und mit glockenhellem Gesang vorgetragene Balladenminiatur "Panic juice" oder der säuselnde Folk von "Laughing wood". Der beste Song des Albums ist jedoch der unwiderstehliche Ohrwurm "Sun is always in my eyes", der mit seiner Mischung aus Dream Pop und Shoegaze der Neunzigerjahre sowie dem charmanten Duettgesang mit Gitarrist Søren Svensson in Bridge und Refrain brilliert und dabei bittersüße, nostalgische Erinnerungen an Teenagersommertage evoziert. Ähnlich melancholiegetränkte Liebespfeile schießt "Don't you grow up" ins Herz der Zuhörenden und klingt dabei so, als ob Robert Smith einen Song von The Bangles produziert hätte. Kindsights Debütalbum liefert mit seiner charmant-unverstellten Fröhlichkeit, bei der die Abgründe der Melancholie jedoch immer bereits mitschwingen, einen wunderbaren Soundtrack für den anbrechenden Frühling. Ganz ungelogen.

(Michael Albl)

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Highlights

  • Hi life
  • Sun is always in my eyes
  • Don't you grow up

Tracklist

  1. Weekend thieves
  2. Hi life
  3. Party time
  4. Panic juice
  5. Sun is always in my eyes
  6. Trampoline to me
  7. Laughing wood
  8. Don't you grow up
  9. Queen of cowboys
  10. Terminal daze 2
  11. Swedish punk

Gesamtspielzeit: 40:46 min.

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Armin

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2022-03-23 21:19:51 Uhr - Newsbeitrag
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