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Nullmillimeter - Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd

Nullmillimeter- Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd

Fressmann / Indigo
VÖ: 01.04.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Stimmiger Aufgalopp

Zunächst einmal müssen wir die Band Nullmillimeter kurz bitten, ein Stück beiseitezutreten. Natürlich soll es hier vornehmlich um sie gehen, aber vorab ist ein Mensch zu würdigen, ohne den diese Musik vielleicht nicht diese Beachtung finden würde. Daher: Danke, Wolfang Müller. Der Wahl-Hamburger, der zuletzt mit seinem wundervollen Album "Die Nacht ist vorbei" begeisterte, hat nämlich Nullmillimeter für sein eigenes Label Fressmann unter Vertrag genommen. Und das ist eine gute Entscheidung, denn die Formation legt mit "Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd" ein starkes Debüt vor.

Nun aber genug der Lobpreisung des Förderers, Bühne frei für Nullmillimeter. Die Band aus Hamburg und Berlin besteht neben Sängerin Naëma Faika noch aus dem Bassisten Frenzy Suhr, den beiden Gitarristen Marcus Schneider und Gunnar Ennen sowie Drummer Lennart Wohlt. Bei den Namen könnte es bei dem einen oder anderen durchaus klingeln, denn Schneider beispielsweise war schon für Tim Bendzko oder Jochen Distelmeyer aktiv, die Herren Suhr und Ennen spielten in der Band von Gisbert zu Knyphausen. Bevor das Namedropping aber den Blick vernebelt, sei festgehalten: Nullmillimeter finden bei allen hörbaren Einflüssen einen sehr eigenen Ton. Das liegt vor allem an Sängerin Faika, die sich mit viel Leidenschaft den alles andere als gewöhnlichen Texten hingibt.

Auch sie ist keine Newcomerin, stand beispielsweise schon mit Olli Schulz auf der Bühne. In den Songs, die fast ausnahmslos die Fünf-Minuten-Grenze überschreiten, widmet sie sich Gefühlslagen wie in "Drehen und wenden", wenn sie feststellt: "Und ich dachte immer, es ist total wichtig auf das eigene Gefühl zu hören / Und jetzt denk ich manchmal, es ist besser, genau das zu ignorieren." Bei Nullmillimeter geht es gelegentlich sehr ruhig, aber oft genug auch entschlossen rockig zur Sache. "Unstet" mag als Beispiel genannt werden, in dem Blumfeld nicht nur rauszuhören, sondern sogar aus dem Text herauszulesen sind: "Die Geschichte von zwei Menschen, schöner Anfang", heißt es da, bevor die Hoffnungen gesprengt werden: "Doch am Ende ist es immer der Instinkt, der gegen uns gewinnt." Im höchst intimen "Zwillingsschwester" dreht sich später alles um eben jene, die "nur ein paar Stunden hier" war. Ein beklemmender Moment auf einem außergewöhnlichen Album.

Faika gönnt sich zwischendurch Ausflüge in die englische Sprache. Eine Entscheidung, die stimmig wirkt und keinen Bruch darstellt. Famos auch das Stück "Wenn ich für einen Tag …", in dem sie singt: "Und vor uns liegt eine Treppe so hoch wie ein Berg / Und ganz oben steht Niels geduldig und lächelnd angelehnt." Niels? Genau der, wie das Ende aufklärt: "Ich hätte diesen Song geschrieben, wenn ich für einen Tag Niels Frevert wär." Nullmillimeter verneigen sich vor ihren Einflüssen und dürfen doch mit viel Selbstbewusstsein auf ihre eigenen Stärken schauen, denn davon haben sie eine große Menge. Ein Debüt, das Spuren hinterlässt.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Unstet
  • Zwillingsschwester
  • Long nights
  • Wenn ich für einen Tag …

Tracklist

  1. Wind Prelude
  2. Drehen und wenden
  3. Unstet
  4. Nö du
  5. Zwillingsschwester
  6. Slowme
  7. Long nights
  8. Das strenge Herz
  9. Selbstermächtigung
  10. Graue Schimmel
  11. Wenn ich für einen Tag ...
  12. Open doors
  13. Jettschwarz

Gesamtspielzeit: 67:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Outrun

Postings: 58

Registriert seit 31.12.2020

2022-04-12 21:00:19 Uhr
"Zwillingsschwester" ist sehr berührend.

nörtz

User und News-Scout

Postings: 10512

Registriert seit 13.06.2013

2022-04-03 22:06:24 Uhr
Wen die Tocos dieses Mal nicht so wirklich überzeugt haben, der kann ja mal hier reinhören. Stimmlich irgendwo zwischen Holofernes und Louisan und die Songs sind echt gut und einen Ausfall konnte ich in 67 Minuten Spielzeit nicht ausmachen.

Hört doch mal hier rein:

https://soundcloud.com/user-864337436/tracks

Insbesondere von "Ein strenges Herz" bin ich sehr angetan. Wer spotify hat, sollte sich auch mal "O.pen Door.s" anhören. Eines der Highlights des Albums. Vom melancholischen Gitarrenintro bis zum treibenden Schlussteil - herrlich!

Ein Dankeschön an die Redaktion für die Rezension dieses Albums, das ich sonst wohl nie gefunden hätte. :D

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-23 21:20:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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