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GGGOLDDD - This shame should not be mine

GGGOLDDD- This shame should not be mine

Artoffact / Cargo
VÖ: 01.04.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Vergangenheitsbewältigung

Getreu dem Motto "Das Beste aus der Situation machen" fand die Institution Roadburn-Festival in 2021 als digitale "Redux"-Version statt. So bot sich zwar nicht einem Publikum vor Ort, dafür aber umso breiter die Möglichkeit, das reduzierte, aber dennoch hochkarätig besetzte Event zu begleiten. Eines der, wenn nicht sogar "das" Highlight jener Ausgabe war das, was die niederländische Band GGGOLDDD (ehemals GOLD) auf der Bühne präsentierte. Es war kein normaler Auftritt, denn "This shame should not be mine" wurde als "comissioned work" extra für dieses Event geschrieben. Ebenfalls keine Normalität: der Inhalt, welcher sicher hier schon im Titel andeutet. In der Zeit des Lockdowns wurde Sängerin Milena Eva von einem einige Jahre zurückliegenden Trauma eingeholt: einer Vergewaltigung, welche nun hier mit künstlerischen Mitteln verarbeitet wird. Es bleibt ihr daher, unabhängig von der musikalischen Wertung dieser Platte, nur zu wünschen, dass diese Aufarbeitung, dieses Überwinden der Vergangenheit gelingt.

Ein anderer Aspekt, der die Studioversion "This shame should not be mine" noch vor den ersten Tönen begleitet, ist das dazugehörige fantastische Artwork des Künstlers Szilveszter Makó, welcher Eva teils in schwerer Rüstung, teils im Umfeld historischer Malerei zeigt. Eine wahnsinnig ästhetische Bebilderung. Schwer blechern präsentiert sich auch der musikalische Einstieg zu diesem Werk: dunkel wabernde Synths, dazu verzerrte Streicher, ehe Eva diese unruhige Szenerie mit einem kurzen Sprechgesang begleitet. Eine Atmosphäre, die auf "Strawberry supper" zunächst bestehen bleibt, ehe zu einem dröhnenden Basslauf Tempo und Lärmlevel massiv ansteigen. Eva hält stimmlich dabei den Kontakt zu dem sich unter ihr ausbreitenden Post-Rock-Ausbruch. Ein Schema, welches "This shame should not be mine" durchzieht: Es ist nicht nur einerseits das klassische Wechselspiel der instrumentellen Elemente von GGGOLDDD, sondern auch eines ihrer Sängerin. Eva schwankt zwischen Verletzlichkeit und kraftvollem Einsatz, beides jedoch auf einem kühl-distanzierten, Sprechgesang-ähnlichen Niveau.

Noch stärker als auf den bisherigen vier Alben der Niederländer stehen elektronische Elemente im musikalischen Fokus. Das düstere Wabern wird bisweilen, wie in "Invisible", "Beat by beat" und dem Albumhighlight "Notes on how to trust", zu einem sägenden, treibenden Groove. Die bisher immer mal gewagten metallischen Ausreißer bis hin zum Blackgaze, etwa in "Take by storm" finden hier keinen Platz. Was GGGOLDDD hier präsentieren, lässt sich in etwa mit der Formel "gitarrenlastige Portishead treffen auf The Gathering" umschreiben, beziehungsweise mit einem aktuellen Vergleich: Die Berliner Band Hope arbeitet in ähnlichem Soundgewand. Das atmosphärische Gegenstück zu "Notes on how to trust" ist der vorhergehende Siebenminüter "I won't let you down". Es ist der Moment des Stillstandes, in dessen Dichte die Luft zum Durchschneiden wirkt. Trotz all dieser emotionalen Aufgeladenheit und dem dazugehörigen Soundgewand ist "This shame should not be mine" kein Vergleich etwa zu Lingua Ignotas "Sinner get ready", welches in 2021 mit gleicher Thematik sämtliche Hörgewohnheiten in den Abgrund riss, sondern ein vermeintlich zugängliches Werk. Doch der furchtbare Hintergrund verleiht dem Album einen doppelten Boden.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Notes on how to trust
  • This shame should not be mine
  • Beat by beat

Tracklist

  1. I wish I was a wild thing with a simple heart
  2. Strawberry supper
  3. Like magic
  4. Spring
  5. Invisible
  6. I won't let you down
  7. Notes on how to trust
  8. This shame should not be mine
  9. On you
  10. Beat by beat

Gesamtspielzeit: 42:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Klaus

Postings: 5354

Registriert seit 22.08.2019

2022-04-13 10:29:21 Uhr
Die letzten beiden.

peter73

Postings: 962

Registriert seit 14.09.2020

2022-04-13 10:24:38 Uhr
ehrlich gesagt hab ich noch gar nichts von der band gehört bis heute, aber die referenzen klingen interessant...
welches album kann man empfehlen?

Warenmensch

Postings: 1

Registriert seit 13.04.2022

2022-04-13 10:17:31 Uhr
Dieser Kommentar

Marküs

Postings: 969

Registriert seit 08.02.2018

2022-03-25 14:00:12 Uhr
Der Vorgänger Why aren't you laughing? ist tatsächlich eine der langweiligsten Platten meiner CD-Sammlung (>2500). Keine Ahnung, was alle daran so toll finden. Selten so gegähnt.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-23 21:19:01 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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