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Stromae - Multitude

Stromae- Multitude

Mosaert / Universal
VÖ: 04.03.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwere Kost, leicht verpackt

Ein musikalisches Interview zu einem neuen Album in den 20-Uhr-Nachrichten der Tagesschau. Hierzulande kaum denkbar, in Frankreich aber möglich. In der Sendung Anfang Januar zu Gast: der belgische Künstler Stromae, der nach einigen Jahren abseits der Bildfläche ein wenig über sein kommendes Werk "Multitude" plaudert. Er geht ein wenig auf die weltumspannenden Reisen, dort gesammelte Einflüsse und Instrumente ein, die eine kleinere oder größere Rolle spielen sollen. Und dann öffnet sich die Hölle. Von einer Sekunde auf die andere schlägt die Szenerie um, eine leichte Klaviermelodie aus dem Off setzt ein und Paul van Haver, wie Stromae bürgerlich heißt, besingt quasi a cappella die zurückliegende Leidenszeit. Uff. Was für ein Moment. Die letzten Jahre haben ihm ziemlich zugesetzt, nachdem ein Medikament zu dauerhaften Panikattacken führte. "L'enfer", die Hölle, handelt von den Folgen davon, den Gedanken, bis hin zum Selbstmord.

Von Havers Wahrnehmung ist hierzulande nach wie vor hauptsächlich dem einen unkaputtbaren internationalen Hit "Alors on danse" geschuldet, den er 2009 mit schiefen Tröten in die Welt entließ. Schon damals täuschte der fröhliche Tanzcharakter des Songs darüber hinweg, dass die Lyrics dazu in einem ziemlichen Gegensatz stehen. Auf dem Debüt "Cheese" und dem Nachfolger "Racine carrée" mit der großartigen Leadsingle "Papaoutai" wimmelt es nur so vor schwermütigen Themen. Dazu widmet sich der Belgier auch der kleinen Person, jenen Menschen, deren Existenz und Arbeit gern einmal von oben herab behandelt wird. Sinnbildlich dafür ist "Santé", das als erste Single noch vor "L'enfer" veröffentlicht wurde. Ein Trinkspruch auf alle, die servieren, putzen, aufräumen. Die unangenehmen Arbeiten machen. Auch hier wieder: fröhliches Pfeifen, ein leicht rumpelnder Beat, Handclaps. Alles ein wenig schief, ein wenig versetzt, neben der Spur. Was gewichen ist: die große Geste.

Waren "Cheese" und "Racine carrée" immer wieder von Ausflügen in Big Beat oder gar EDM durchzogen, ist "Multitude" nun deutlich zurückgenommener. Bestes Beispiel: "La solassitude" – ein Wort, das es im Französischen nicht gibt und das sich mit "Einsamüdigkeit" übersetzen lässt. Zu Klanghölzern und seichten Synthesizern besingt van Haver in wunderschönsten stimmlichen Melodiebögen Probleme mit dem Alleinsein nach jahrelanger Trennung. Das folgende "Fils de joie" dreht sich zu klassischen Streichern und einem Cembalo, deftigen Worten und einem größenwahnsinnigen Video um das Thema Prostitution. Das im Interview gesungene "L'enfer" ist in der Albumversion deutlich aufgebauschter, verliert aber dennoch nicht seine Intimität.

Insbesondere die erste Hälfte von "Multitude" bietet abgesehen vom Intro "Invaincu" einen dichten Hit nach dem anderen, von denen sich aber keiner aufs erste Hören erschließt – und von denen keiner die Clubtauglichkeit von "Alors on danse" mitbringt. Demzufolge reicht eine kurze Begegnung mit "Multitude" nicht einmal im Ansatz aus, um dieses Werk unter der Oberfläche zu fassen. Bisweilen kann es auch ein Vorteil sein, die teils herben Lyrics nicht zu verstehen – etwa in den Closern "Mauvais journée" und "Bonne journée", die das mal furchtbare, mal schöne Leben ab 35 beschreiben. Aber selbst wer nicht in die tiefe Gedankenwelt des Paul van Haver eintauchen möchte, wird im anspruchsvollen Schönklang von "Multitude" viel zu entdecken haben.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • La solassitude
  • L'enfer
  • Pas vraiment

Tracklist

  1. Invaincu
  2. Santé
  3. La solassitude
  4. Fils de joie
  5. L'enfer
  6. C'est que du bonheur
  7. Pas vraiment
  8. Riez
  9. Mon amour
  10. Déclaration
  11. Mauvaise journée
  12. Bonne journée

Gesamtspielzeit: 35:46 min.

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User Beitrag

Hierkannmanparken

Postings: 2901

Registriert seit 22.10.2021

2025-11-02 00:17:51 Uhr
Würde gerne Gehaltsvolleres schreiben, aber hörte es vorhin mit Freunden, l'enfer ist so göttlich.:D

Hierkannmanparken

Postings: 2901

Registriert seit 22.10.2021

2025-11-01 23:08:27 Uhr
Was für ein Brett einfach.

Francois

Postings: 1546

Registriert seit 26.11.2019

2024-12-17 11:57:03 Uhr
oh, zusammen mit Pomme, die ich auch sehr schätze! Die macht auch tolle Sachen...

wtf: 3 wochen draußen und 143mio streams... na servas.
Aber ja, nette Nummer!

Klaus

Postings: 12780

Registriert seit 22.08.2019

2024-12-16 19:05:33 Uhr
Es gibt einen neuen Song:
https://www.youtube.com/watch?v=1F3OGIFnW1k

Und einen Blick auf das, was durch die Absagen hier verpasst wurde:
https://www.youtube.com/watch?v=l5WgAr4B8Vo

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 11195

Registriert seit 26.02.2016

2023-05-10 14:18:17 Uhr
Gute Besserung und bitte einen besser lesbaren Font nächstes Mal...
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