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Various Artists - Ocean child: Songs of Yoko Ono

Various Artists- Ocean child: Songs of Yoko Ono

Atlantic / Warner
VÖ: 18.02.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Hut ab

Irgendwie kann Yoko Ono einem schon ein wenig leid tun. Seit den Sechzigerjahren, als ihre Beziehung zu John Lennon begann, ist sie ein menschlicher Sandsack, über den man sich in allen Regionen lustig machen darf als sei es die feine englische Art. An allem war sie schuld, nicht zuletzt natürlich an der Trennung der Beatles, und ihre oft sicher zwischen Genie und Wahnsinn wandelnde Kunst immer wieder auch das Ziel von mal mehr, mal weniger bösartigem Spott. Dass Ono aber auch eine Ikone ist, die mit ihrem Stil reihenweise Künstler inspiriert hat – den 1980 ermordeten Lennon natürlich mit als erstes –, wird dabei immer wieder unter den Teppich gekehrt. Auch Ben Gibbard zeigt sich beeindruckt vom Schaffen der gebürtigen Japanerin und hat aus diesem Grund "Ocean child: Songs of Yoko Ono" kuratiert. Diese Compilation, auf der 14 Ono-Songs von einer Reihe von Indie-Acts hochspannend neu interpretiert werden, erscheint dementsprechend würdigend am 18. Februar 2022: Onos 89. Geburtstag.

Den Anfang macht Sharon Van Etten mit ihrer Version von "Toyboat", das seinerzeit im Original auf Onos 1981er-Album "Season of glass" veröffentlicht wurde – jenem Album, auf dessen Artwork die blutverschmierte Brille Lennons abgebildet war. Mit Van Etten macht man freilich nie etwas falsch, und so sorgt die Sanftheit ihrer Stimme für einen nicht nur schönen, sondern auch respektvollen Einstieg in die Songsammlung. Es folgt mit "Who has seen the wind?" eine zurückhaltende Kollaboration von David Byrne und Yo La Tengo, ehe Sudan Archives alias Brittney Parks "Dogtown" ihren verspielt-kunstvollen Stempel aufdrückt. Die gleichzeitige Leichtigkeit und Düsternis, die Parks hier schafft, geht tief unter die Haut und passt wohl nur zu gut zu den Umständen, unter denen das Stück einst für "A story" von 1974 aufgenommen wurde: während der berühmt-berüchtigten Ono-Lennon-Trennung, die als "Lost weekend" popkulturelle Bekanntheit erlangte.

Japanese Breakfasts Interpretation von "Nobody sees me like you do" ist nicht nur dank Frontfrau Michelle Zauners glasklarem Gesang ein echtes Highlight, sondern vor allem auch aufgrund seines fragilen und zugleich bodenständigen Charmes. Derweil fackeln The Flaming Lips mit "Mrs. Lennon" standesgemäß ein kunterbuntes Klang-Feuerwerk ab, das so auch auf jedem ihrer eigenen letzten Studioalben hätte auftauchen können, und U.S. Girls bieten "Born in a prison" als spannendes Kammerspiel in drei Akten dar. Natürlich darf Gibbards eigene Band hier nicht fehlen, wenngleich deren Version von "Waiting for the sunrise" tatsächlich zu den schwächeren Songs zählt und als Einzelstück besser ankommt als im Albumkontext, im welchem es etwas deplatziert wirkt. Kurz vor Schluss gibt es glücklicherweise aber ein tolles Wiedersehen, pardon, -hören mit Yo La Tengo und deren mystischem Cover von "There's no goodbye between us". Wenn "Run run run" von Amber Coffman diese offensichtlich mit viel Liebe zusammengestellte Auswahl beschließt, muss man Yoko Ono sicher nicht plötzlich lieben. Aber möglicherweise versteht man sie nun etwas besser und lässt die Frau auch mal mitlachen. Genug Humor bringt sie auf jeden Fall mit.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Toyboat (Sharon Van Etten)
  • Dogtown (Sudan Archives)
  • Mrs. Lennon (The Flaming Lips)
  • Nobody sees me like you do (Japanese Breakfast)
  • There's no goodbye between us (Yo La Tengo)

Tracklist

  1. Toyboat (Sharon Van Etten)
  2. Who has seen the wind? (David Byrne & Yo La Tengo)
  3. Dogtown (Sudan Archives)
  4. Waiting for the sunrise (Death Cab For Cutie)
  5. Yellow girl (Stand by for life) (Thao)
  6. Born in a prison (U.S. Girls)
  7. Growing pain (Jay Som)
  8. Listen, the snow is falling (Stephin Merritt)
  9. No, no, no (Deerhoof)
  10. Don't be scared (We Are King)
  11. Mrs. Lennon (The Flaming Lips)
  12. Nobody sees me like you do (Japanese Breakfast)
  13. There's no goodbye between us (Yo La Tengo)
  14. Run run run (Amber Coffman)

Gesamtspielzeit: 45:39 min.

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User Beitrag

Telecaster

Postings: 1138

Registriert seit 14.06.2013

2022-03-17 00:01:03 Uhr
Nett zu hören auf jeden Fall.

@octoberswimmer: Hast du dir jemals Approximate Infinite Universe angehört?

octoberswimmer

Postings: 17

Registriert seit 20.01.2022

2022-03-16 22:58:58 Uhr
Hört sich in Gänze deutlich angenehmer als jedes Album von Yoko selbst.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-16 20:23:05 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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