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Bakar - Nobody's home

Bakar- Nobody's home

Black Butter / Epic
VÖ: 25.02.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Immer schön rausspaziert

Früher galt es für Musiker*innen aus Großbritannien als Ritterschlag, wenn die Songs es aus Europa über den Atlantik schafften und dort eine ähnliche Euphorie auslösen konnten wie in der alten Welt. Im deutschen Wikipedia-Artikel zu Robbie Williams gibt es sogar einen Absatz eigens zu seinem "Erfolg in den USA", der in zwei Sätzen darauf hinweist, dass Robbie in den USA nie durchstarten konnte. Diese Trennung ergibt in der globalisierten Musikwelt von heute natürlich keinen Sinn mehr und gerade im Rap scheint in den letzten Jahren sogar eher das Gegenteil der Fall zu sein. US-Superstars wie A$AP Rocky oder Drake featuren – ja, schmücken sich fast nerdhaft – mit ihren europäischen Kolleg*innen wie beispielsweise Skepta. Und mittlerweile kann ein Song in den USA ein Hit werden, ohne in der Heimat jemals durchzustarten – wie "Hell n back" von Bakar.

Dieser Sleeper-Hit des Londoners, also ein Song, der über längere Zeit eine eigene Dynamik in der kommerziellen und kulturellen Verwertung entwickelt, konnte über fast ein Jahr lang immer weiter und am Ende sogar bis an die Spitze der Adult Alternative Airplay Charts kriechen. Und funktioniert damit als tolle Analogie zu allen Songs auf Bakars Debütalbum "Nobody's home". Denn die 14 Stücke, die je nach Laune ein bisschen mehr nach Indie-Rap, mal ein bisschen mehr nach Indie-Pop klingen, sind nicht frei von Hit-Potenzial, brauchen aber ein paar Durchläufe, bis sie es sich im Ohr bequem gemacht haben.

Das mag daran liegen, dass Schubladen für Bakar augenscheinlich non-existent sind und selbstverständlich zusammengeworfen wird, was ihn inspiriert. Man hört Damon Albarn genauso raus wie King Krule oder Kele Okereke von Bloc Party. Die Gitarre ist am prominentesten, aber macht auch mal Platz fürs Klavier. Da sind HipHop-Beats ("Alone again") genauso wie treibende Synthie-Stücke, die auf den "Drive"-Soundtrack passen könnten ("The mission"). "Ginger pubes" wiederum wird mit seinem wütenden Gepöbel über die eigenen Unfähigkeit sogar zur soften Punk-Nummer, die sich abkämpft und am Ende entkräftet mit sanften Gitarrenanschlägen verabschiedet.

Inhaltlich bleibt es bei Bakar oft kryptisch. Doch mit aufmerksamen Ohren hört man fein beobachtete Situationen aus dem Leben eines jemenitisch-tansanischen Migranten in erster Generation, auch wenn die Beobachtungen eher gesellschaftlich als politisch sind. "There's nothin' that they need more than our silence", weiß Bakar auf "Riot". Und so britisch die Musik im Kern ist, sucht sie doch immer auch nach einer größeren Identität, wenn es heißt: "No, I'm just an immigrant, been around the world, tryna find my way back". Dementsprechend ist es vielleicht nur logisch, dass Bakar sein Publikum nicht nur, aber auch in den USA und Australien gefunden hat. Schließlich ist "Nobody's home" nicht einfach irgendein Haus in Camden, sondern steht überall und nirgendwo.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Youthenasia
  • The mission
  • Riot

Tracklist

  1. Noun
  2. Youthenasia
  3. The mission
  4. Reclaim!
  5. Not from here
  6. Ginger pubes
  7. Alone again
  8. Runaway
  9. Riot
  10. Free
  11. Change of heart
  12. NW3
  13. Gotham
  14. Build me a way

Gesamtspielzeit: 47:40 min.

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User Beitrag

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 18757

Registriert seit 10.09.2013

2022-04-12 18:18:28 Uhr
Ich möchte die Beitragszahl für dieses wunderbare Album wenigstens verdoppeln. Ein stilistisch freigeistiger Mix von Pop-, Indie-Rock-, HipHop- und Singer-Songwriter-Ästhetiken mit einer Stimme zwischen Kele und King Krule. Alles sehr introvertiert und unaufdringlich und abwechslungsreich und toll.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-16 20:19:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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