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Midlake - For the sake of Bethel Woods

Midlake- For the sake of Bethel Woods

Bella Union / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 18.03.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hermetische Magie

Der Ort Bethel im US-Bundesstaat New York hat knapp 4000 Einwohner. Trotzdem wird er in der popkulturellen Ahnengalerie wohl für immer prominent platziert sein, denn 1969 fand dort das legendäre Woodstock-Festival statt. Noch heute gibt es nahe der damaligen Stage mit dem "Museum at Bethel Woods" und dem "Bethel Woods Center of Arts" Pilgerstätten, die den Mythos der Hippiebewegung konservieren. In dieser symbolträchtigen Gegend verorten Midlake ihr neues Album "For the sake of Bethel Woods".

Rund achteinhalb Jahre sind mittlerweile seit "Antiphon", dem bisher letzten Album der texanischen Band, vergangen. Überhaupt ist der Output von Midlake sehr überschaubar. "For the sake of Bethel Woods" ist erst der fünfte Longplayer seit Bandgründung 2001. Da die Vorgänger aber alle als Meisterwerke bezeichnet werden dürfen, ist die Erwartungshaltung dementsprechend hoch.

Die Vorabsingle "Bethel Woods" deutete bereits an, dass diese Erwartungen auch diesmal erfüllt werden könnten. Der Quasi-Titeltrack, der das Album nach dem kurzen, aber intensiven Opener "Commune" mit eröffnet, positioniert sich mit schlafwandlerischer Sicherheit mitten in den Midlake-Kosmos. Dort herrscht eine mikroskopisch austarierte Balance zwischen kühlem Realismus und psychedelischer Verspieltheit. Kurz gesagt: Das Album startet hellsichtig und hat dazu keinerlei Droge nötig. Das zeigt sich musikalisch, aber auch textlich: "I could get rid of it all for the sake of the Bethel Woods / To a time and a place where peacefulness once stood." Zeilen wie diese wirken wie gemacht für diese Tage, in denen die Friedensforderungen der Hippiebewegung zu ganz neuer, schmerzhafter Relevanz gelangen.

Midlake haben es bisher geschafft, eine Albumband zu sein, die trotzdem immer mindestens zwei, drei Übersongs auf ihren Releases platzieren konnten. Das gelingt den ehemaligen Jazzstudenten auch auf "For the sake of Bethel Woods". Mit "Glistening" und "Exile" bahnen sich Midlake einen verschlungenen, aber dringlichen Weg frei, der sich im Mittelteil des Albums zu seinem Höhepunkt steigert. Den Auftakt dazu macht "Feast of carrion". In dem Song laufen naive Melodiebegeisterung und Tiefgang auf ganz wunderbare Weise zusammen. Das darauffolgende "Noble" klingt, als würde die Band nicht nur alle musikalischen Geheimnisse der 1980er kennen, sondern auch der 2080er und dann eine Ballade daraus machen, die in keins dieser Jahrzehnte passt, sondern viel eher in die Gegenwart, egal welches Jahr gerade ist. Diese Stimmung passt auch zur zeitlosen Pophymne "Dawning", die hermetisch abgeriegelt und trotzdem auf magische Weise eingängig ist. Finales Highlight des Albums ist schließlich "Of desire". Das ist feinfühligster Lo-Fi, der sich nicht mal in die Überlänge schrammeln muss, um episch zu enden.

Auf "For the sake of Bethel Woods" beweisen Midlake erneut, dass sie als Band mehr als die Summe der einzelnen Teile sind. Nicht zuletzt deshalb, weil seit ihrem 2013er Album "Antiphon" nun Eric Pulido singt, der diesen Part nach dem Ausstieg des früheren Sängers Tim Smith übernommen hat. Der Wiederkennungswert der Songs leidet dadurch in keinster Weise. So liefern Midlake ein Album, das bereits beim ersten Hören begeistern kann, dadurch aber lange noch nicht ausgeschöpft ist. Ob dieser Grower fast ein ganzes Jahrzehnt hält, muss sich allerdings erst noch herausstellen. Alternative: Midlake lassen sich bis zum nächsten Album nicht mehr ganz so viel Zeit.

(Dominik Steiner)

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Highlights

  • Feast of carrion
  • Noble
  • Dawning

Tracklist

  1. Commune
  2. Bethel Woods
  3. Glistening
  4. Exile
  5. Feast of carrion
  6. Noble
  7. Gone
  8. Meanwhile
  9. Dawning
  10. The end
  11. Of desire

Gesamtspielzeit: 44:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Chrisb

Postings: 30

Registriert seit 08.04.2021

2022-03-28 14:43:40 Uhr
Das ist sicher nicht so schlecht.Für mich ist die spezielle"Magie" aber leider nicht mehr vorhanden.

myx

Postings: 3474

Registriert seit 16.10.2016

2022-03-23 07:50:40 Uhr
Freut mich, dass du ebenfalls am Debüt Gefallen gefunden hast, Autotomate. :)

In die EP höre ich sehr gerne rein, danke @Chris Mars.

Chris Mars

Postings: 98

Registriert seit 13.04.2021

2022-03-23 07:04:01 Uhr
Es gibt sogar noch eine weitere, ältere Platte von Midlake: die „ Milkmaid Grand Army EP“ mit 7 Songs, mit deutlichen Einflüssen von Radiohead.

Peacetrail

Postings: 3160

Registriert seit 21.07.2019

2022-03-22 22:09:26 Uhr
Ich bin freudig erregt, weil ich heute gelernt habe, dass es vor Van Occupantor noch ein Album gab. Das wusste ich noch gar nicht.
Hab bisher nur die ersten beiden Songs hören können, Ballon Maker ist ne wuchtige Synthie-Hymne, doll.

Autotomate

Postings: 4382

Registriert seit 25.10.2014

2022-03-22 20:45:22 Uhr
Ich liebe Midlake ja hauptsächlich für das minimalistische "The Courage of Others", aber auch das schräge Debüt weiß ich dank myx inzwischen sehr zu schätzen. Mit den anderen Alben, wie auch mit dem neuen, fremdel ich doch etwas mehr, auch wenn es wieder sehr nett ist, es durchzuhören.
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