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Ghost - Impera

Ghost- Impera

Loma Vista / Spinefarm / Universal
VÖ: 11.03.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf und davon

Das war ja mal eine kurze Karriere. Mit viel Getöse wurde 2018 ein gewisser Cardial Copia als Frontmann von Ghost installiert, doch wie sich zeigte, sollte dieser Einsatz nur von kurzer Dauer sein. In alter Tradition der sinistren Sangespäpste steht nunmehr ein gewisser Papa Emeritus IV jener Band vor, die im Rahmen eines unsäglichen Rechtsstreits von der obskuren Okkult-Rock-Combo zum schwedischen Ein-Mann-Projekt mit wechselnden Begleitmusikern mutierte. Was Frontmann und Spiritus Rector Tobias Forge komplett egal sein konnte, denn auch "Prequelle", die Platte mit jenem Kardinal als Forges Alter Ego, markierte erneut einen Meilenstein der Bandkarriere. Mehr Hooks, mehr Hits, mehr Charts – wohin soll das noch führen? Denn wenn der Weg des Wachstums irgendwann begrenzt ist, bleibt ja eigentlich nur noch die Routine, der Konsolidierungskurs auf Kosten der Innovationsfreude. Oder um es boulevardesk zu formulieren – sind Ghost, ist Tobias Forge im Jahr 2022 noch hungrig?

Glaubt man dem Schrei, mit dem Forge nach kurzem Intro den Opener "Kaisarion" einleitet, dann reden wir nicht von Hunger, sondern von ausgewachsenem Kohldampf. Wie ein Rennpferd aus der Box stürmt der Song voran, nur um umgehend die ersten Hook-Salven abzufeuern. Es sollen nicht die letzten bleiben, und "Spillways" bedient sich an diesem Fundus mit vollen Händen. Es hat mittlerweile fast schon etwas Unverschämtes an sich, wie ausgiebig Forge im Classic-Rock- und Pop-Baukasten wildert, ohne unglaubwürdig zu wirken, und die folgenden Vorab-Singles "Call me little sunshine" und "Hunter's moon", das schon den Soundtrack des Horrorfilms "Halloween kills" veredelte, schlagen in die gleiche Kerbe. Und damit es für alle möglichen Medien auch so richtig schön fett klingt, durfte gerade bei diesen Songs ein gewisser Max Grahn im Studio ran. Was für Ariana Grande und The Weeknd reicht, ist für Ghost gerade gut genug.

Was nicht im Geringsten despektierlich zu verstehen ist. Denn "Impera" klingt unfassbar gut, begeistert durch einen mächtigen Sound, der bei aller Dichte Platz für Feinheiten wie die schönen Keyboard-Läufe bei "Hunter's moon" lässt – und gleichzeitig den Gitarren viel mehr Crunch verpasst als noch auf "Prequelle". Das Ergebnis ist ein Song wie "Watcher in the sky", dessen Riffs breitbeiniger daherstampfen als ein Biker nach einer Tagesreise auf einem schlecht vibrationsgedämpften Chopper. Headbangen zu Ghost hatten wir lange nicht mehr, zumal in den Lyrics alle Flat-Earther und andere Honks breit grinsend ihr Fett wegbekommen. Die größte Überraschung ist jedoch ist das völlig durchgedrehte "Twenties", das zwar auf selbige Dekade dieses Jahrhunderts zielt, aber wie aus dem vorherigen klingt. Oder wie ein komplett enthemmtes Vaudeville-Theater auf Metal-Trip, gegen das die Muppet-Show wie ein militärisch durchstrukturiertes Ensemble wirkt. Wer war noch mal Devin Townsend?

Ghost haben also eine ganze Menge ihrer Kanten wiedergefunden und dem bisweilen gnadenlosen Pop-Fokus von "Prequelle" einige kraftvolle Riffs zur Seite gestellt. Deswegen ist es auch überhaupt nicht ehrenrührig, dass Forge beim Songwriting mit den schwedischen Produzenten Salem Al Fakir und Vincent Pontare zusammenarbeitete, in deren Kundenkartei Namen wie Avicii, Madonna oder Lady Gaga zu finden sind. Im Gegenteil: Am Spannungsfeld zwischen Metal und Pop-Kommerz sind schon ganz andere gescheitert. Forge hingegen scheint nach wie vor alles zu gelingen, und er beweist wieder einmal mehr, dass der Weg auf den Hardrock-Gipfel nur über Ghost führt. Ob nun mit Kardinal oder Papst am Mikro, ist letzten Endes komplett egal.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Hunter's moon
  • Watcher in the sky
  • Twenties

Tracklist

  1. Imperium
  2. Kaisarion
  3. Spillways
  4. Call me little sunshine
  5. Hunter's moon
  6. Watcher in the sky
  7. Dominion
  8. Twenties
  9. Darkness at the heart of my love
  10. Grift wood
  11. Bite of passage
  12. Respite on the spital fields

Gesamtspielzeit: 45:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Euroboy

Postings: 208

Registriert seit 14.06.2013

2022-03-19 08:17:44 Uhr
Klar das ganze ist schon ziemlich over the top und cheesy. Aber die Hitdichte ist schon enorm und die Produktion ist sehr gut. Kann der Rezension hier nur zustimmen, auf keinen Fall schlechter als die Vorgänger. Und das Artwork und Booklet sind auch richtig toll.

nörtz

User und News-Scout

Postings: 10511

Registriert seit 13.06.2013

2022-03-17 17:37:42 Uhr
Fünf Songs angehört und ich schließe mich diesem Urteil an. Auf einen Hit der Marke "Bon Jovi" habe ich vergeblich gehofft.

Das klingt für mich wie Altherren-AOR aus den 80ern.

nörtz

User und News-Scout

Postings: 10511

Registriert seit 13.06.2013

2022-03-17 14:46:27 Uhr
Diese Band hat Verrat am wahren Metal begangen.

Superhelge

Postings: 804

Registriert seit 15.06.2013

2022-03-17 14:33:29 Uhr
@Schwarznick: Inwiefern findest du Kritik an glatter Produktion bei Metal nicht passend?
Und die ersten beiden Alben von Ghost zählen wohl doch noch zum Metalgenre oder? Da hat er angefangen.

Schwarznick

Postings: 1130

Registriert seit 08.07.2016

2022-03-14 18:07:07 Uhr
also, wer hier etwas von metal schreibt und ghost in die ecke stellt und dann die glatte produktion bemängelt, ist sowieso im falschen film gelandet :D
ich finds für zwischendurch ganz okay, nette poppige ohrwürmer wie ihn abba vllt. nach bon jovi-dauerbeschallung produzieren würden. auf albumlänge konnte ich mir das eh nie ganz anhören ;>
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