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Cascadeur - Revenant

Cascadeur- Revenant

Decca / Universal
VÖ: 11.03.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mit Bravour bestanden

Ein Stuntman hält sich zumindest in der Filmbranche naturgemäß im Hintergrund. Im Optimalfall ist er so gut gecastet, dass man der Wechsel zwischen der schauspielenden Person und dem tollkühnen Cascadeur, wie ein Stuntman auf Französisch genannt wird, gar nicht bemerkt. Und doch: Ohne ihn würde so mancher Film schon in der Entstehung abgesägt werden, denn es braucht die Risikobereitschaft eines professionellen Doubles, um manche Dinge umzusetzen. Beim Franzosen Alexandre Longo, der für seinen musikalischen Output den Namen Cascadeur gewählt hat und im Retro-Outfit samt Helm auftritt, sieht Risiko ganz anders aus. Er springt nicht aus brennenden Häusern und ist trotzdem ziemlich aufregend.

Kennen könnte man Longo hierzulande vom Soundtrack zur Netflix-Serie "Lupin", zu der er den Song "Meaning (Choral version)" beisteuerte. Kennen sollte man ihn aber auf jeden Fall nach seinem neuesten Album "Revenant". Denn darauf geht es zwischen bezaubernden Piano-Melodien, choralem Gesang und einer leisen Liebe zum Synthesizer immer wieder in transzendente Sphären. Will heißen: traumwandlerische Rhythmen, vielschichtige, aber unaufdringliche Spielereien und vor allem Longos androgyner Gesang. Der entzieht sich in vielen Momenten jeglicher Körperlichkeit und existiert in schillernden Räumen. Das wächst sich wie in "Les ombres" zu fast schon Trance-artigem Hall aus oder erinnert bei "La promesse" harmonisch pfeifend an Air.

Zwar klingen auf "Revenant" auch einige englische Zeilen aus den Boxen, wie es bis jetzt in Cascadeurs Karriere fast ausschließlich der Fall war, aber sein vermutlich größter Stunt ist die Hinwendung zur Muttersprache. Ein Risiko, das sich auszahlt, denn es sind englischsprachige Momente wie das hyperkitschige "Back to life" oder "Young" mit Kinderchor, die zu den etwas schwächeren zählen. Das kreischende "Silence" hingegen steigert sich auf Französisch zur Synthie-Space-Oper und endet dann abrupt in Stille, das wankelmütige "Rapaces" tastet sich langsam raus, nur um im Refrain seine pfauenhaften Paradiesvogel-Federn aufzustellen.

Viele Elemente von "Revenant" spazieren also gefährlich nahe an der Grenze zum Kitsch entlang und würden liebend gern auf der falschen Seite herunterspringen, nur um dann doch wieder die Balance zu finden. Ein glitzernder Traum, auf den man sich jedoch einlassen muss: Wer seine Geister lieber düster mag, dem könnte "Revenant" zu hell sein, zu optimistisch, zu naiv. Doch auch dieses Risiko ist Alexandre Longo bereit einzugehen und steht den Trick am Ende lächelnd. Für diesen Stuntman gibt es keinen Grund, sich im Hintergrund zu halten.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • La promesse
  • Rapaces
  • Silence

Tracklist

  1. Les ombres
  2. La promesse
  3. Young
  4. Back to life
  5. Respirator
  6. Rapaces
  7. Joker
  8. Nuit
  9. In a dream
  10. Silence
  11. Wanted
  12. Revenant
  13. Young (with The 4 French Girls)

Gesamtspielzeit: 46:42 min.

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Armin

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2022-03-09 19:46:24 Uhr - Newsbeitrag
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