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Bodega - Broken equipment

Bodega- Broken equipment

What's Your Rupture? / Rough Trade
VÖ: 11.03.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schmeißt die Rechner aus den Fenstern

Als Bodega bezeichnet man im Big Apple das Äquivalent zu den hierzulande allseits bekannten Spätis. Die gleichnamigen tanzwütigen Art-Punks aus Brooklyn verbringen ihre Nächte auf jeden Fall lieber in solchen vorm Schnapsregal anstatt brav zu Hause im Bett, um sich auf den nächsten kräftezehrenden Bürotag vorzubereiten. Dieser wird ihnen zwar vielleicht genügend bunt bedrucktes Papier bescheren, um im Anschluss weiter Konsumgüter erwerben zu können. Aber vielleicht auch nicht. Und überhaupt, das ist doch kein Leben! Für kreative Freigeister wie Bodega schon gar nicht. Denn "New York was founded by a corporation", weiß das Quintett und ruft mittels reduziert-zackigem und auch gerne mal funkigem Post-Punk zur Revolution auf. Viele der Songs, wie schon das maschinelle "Thrown" zum Einstieg, brauchen nicht viel mehr als markanten, ausgelassenen Bass und geradlinigen Beat, damit Ben Hozie und Nikki Belfiglio, auch im echten Leben miteinander verbandelt, über dieses Gerüst Gift und Galle spucken können. Das Front-Duo und seine Mitmusiker sind "surrounded by bureaucrats", aber halten tapfer dagegen – zur Not mit Baseballschlägern, um die Computer der Anzugträger, die die Geschicke der Welt lenken, in das namensgebende "Broken equipment" zu verwandeln.

Das zweite Langspiel-Album der New Yorker groovt einmal quer durch den Zeitgeist und zurück und identifiziert, was in unserer rundum regulierten Gesellschaft so alles schiefläuft. Allein das hitverdächtige "Doers" stellt sich gegen Leistungsdruck, Selbstoptimierung und den Drang, dazuzugehören, und lässt die Gitarre am Ende ordentlich rauschen. "It's making me bitter, harder, better, stressed out!" Also getreu dem Motto: Burn-out won't tear us apart again. "My need for critique is lost in my body", moniert Belfiglio dann in "Territorial call of the female" auf einem Joy-Division-Gedächtnis-Track und begleitet von den Balzgeräuschen gefiederten Urwaldgetiers – denn sich nur für den "male gaze" in Schale zu schmeißen, war in Retrospektive nicht gerade die klügste Entscheidung. In diesem Sinne sind es auch persönliche und oft selbstkritische Themen, die Bodega mit entsprechenden Songs adeln. Liebesschwüre wie "I wanna be a pillar on the bridge of you", selbst wenn das auf den Rücken geht, klingen romantisch und sind es auch. Die zugrunde liegenden Konzepte haben die Musiker ohnehin schon zur Genüge analysiert: "There are different kinds of love / But there's no selfish way of love / 'Cause then it wouldn't be love!" Es ist so logisch, wenn man nur mal genauer darüber nachdenkt.

Ab und an, wie in "Statuette of the console" oder dem ohrwurmigen "All past lovers", driften die New Yorker mehr in Richtung vollmundigen Indie-Rocks ab, was gerade bei Belfiglios Gesang dann ein bisschen nach The Breeders oder anderem eher zurückhaltenden Riot Grrrl klingt. Oder aber die Beat-Maschine ballert noch ein gutes Stück fieser wie in "No blade of grass", passend zu dessen zickigem Text. Dass nach all dem Gezeter mit "After Jane" ein folkig-versöhnliches Akustik-Finale stattfindet, das auch zu einer gänzlich anders gelagerten Platte gehören könnte, kann man sowohl als das Bedienen gängiger Konventionen als auch einen letzten Stinkefinger betrachten. Aber ist das nicht sowieso egal? Es sitzen doch alle im selben Boot: "How can I help ya?" äußert den Wunsch, statt Protagonist*in einfach nur mal Statist*in im eigenen Leben sein zu dürfen und nicht immer die volle Verantwortung übernehmen zu müssen. Denn 2022 erwachsen und im Hamsterrad gefangen zu sein, ist geachtet der aktuellen Umstände definitiv kein Zuckerschlecken. Nicht nur für die New Yorker Künstlerszene, sondern überall.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Thrown
  • Doers
  • NYC (disambiguation)
  • Pillar on the bridge of you

Tracklist

  1. Thrown
  2. Doers
  3. Territorial call of the female
  4. NYC (disambiguation)
  5. Statuette on the console
  6. C.I.R.P.
  7. Pillar on the bridge of you
  8. How can I help ya?
  9. No blade of grass
  10. All past lovers
  11. Seneca the stoic
  12. After Jane

Gesamtspielzeit: 42:06 min.

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User Beitrag

Yndi

Postings: 158

Registriert seit 23.01.2017

2022-03-12 21:25:54 Uhr
Gefällt mir ziemlich gut, klingt ein bisschen wie das Album, das Yard Act gerne gemacht hätten.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22687

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-09 19:46:14 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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