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Swutscher - Swutscher

Swutscher- Swutscher

La Pochette Surprise / Membran / The Orchard
VÖ: 25.02.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Spätnachts an der Ba-ba-ba-ba-ba-Bar

"Swutscher" ist das zweite Album der gleichnamigen Kapelle, deren Debütalbum auf den Namen "Wilde deutsche Prärie" hörte und bereits mit famosen Songs wie "Karussell" und "Bierstübchen" – "Im Bierstübchen bei Nacht / Zerplatzen Männerträume am zerbrochenen Glas / Im Bierstübchen bei Nacht / Ja da ist nie Schicht im Schacht" – begeistern konnte. Zum Beispiel Tobias Bamborschke von der Gruppe Isolation Berlin, der "Bierstübchen" gleich mit anstimmte und auch im dazugehörigen Video auftauchte. Oder Jan Müller. Der Tocotronic-Bassist sprach mit Swutscher-Sänger Sascha Utech in seinem Podcast "Reflektor" und gibt sich auch sonst als großer Fan zu erkennen. Aber auch für sich genommen haben Swutscher einige Argumente auf ihrer Seite. Allem voran ihr Liedgut, das sich zwischen aufbrausender Tresenromantik, schrägem Chanson und norddeutsch getönter Melancholie eine kleine, feine Nische geschaffen hat. Vergleiche drängen sich da auf: eine versoffene Version von Element Of Crime? Wanda von hinterm Deich? Die heimlichen Erben von Superpunk? Alles nicht ganz falsch, aber eben auch nicht voll ins Schwarze getroffen.

Swutscher nennen das, was sie machen, schlicht "Rock'n'Roll und Pub-Rock". Das trifft es schon darum ganz gut, weil ihre Songs auf der großen, luftigen Festivalbühne wohl weitaus weniger charmant rüberkommen würden als in schummrigen Kellerlöchern und verrauchten Spelunken. Aber auch, weil Swutscher partout keine Distanz zulassen mögen. Musik wie eine Umarmung, irgendwann zu spät nachts, wenn der Alkohol die Hemmungen weggespült hat und die Zukunft für einen Moment so golden leuchtet wie der Boden vom Bierglas. Dabei betreiben die Hamburger ihre Sache mit Ernst und Eifer. Natürlich ist da zunächst die markant-heisere Stimme von Utech, der schreit, grölt, zetert und wimmert. Doch auch der Rest der fünfköpfigen Truppe, die Mitmusiker Velvet Bein, Mike Krumhorn, Sebastian Genzink und Martin Herberg, wissen, was sie zu tun haben. Rumpelnde Gitarren, eine treibende Orgel, auch ungewohnte Percussions und eine Drumbox, viel Rock'n'Roll, dazu Country und Chanson – Swutscher wildern querbeet durch Stile und Genres, bedienen sich hier und da und finden am Ende doch zu einem sehr eigenen Ausdruck.

"Als ich Dich das erste Mal vergaß" ist hymnischer Post-Punk mit einem 1A-Refrain, im darauf folgenden "Im Suhlenkamp" wird die "bittersüße Lebenslust" von einem Saxophon umgarnt. Dann folgt Hit auf Hit: Das bierselige "Palm Royal", "Ü30" und das selbstironische "Rocker" sind allesamt mitreißende Indie-Rock-Kracher. "Mystische Nächte" und das versöhnliche "Tohuwabohu", das all dem Chaos einen trotzigen Optimismus abtrotzt – "Wir werden gewinnen / Irgendwann, irgendwann" – sind dagegen eher auf der zurückhaltend-melancholischen Seite angesiedelt. Und kurz bevor das Licht angeht und der Wirt für die gleich eintreffende morgendliche Stammkundschaft einmal feucht durchwischt, erklingt "Bodo". In der Neueinspielung des frühen Bandklassikers begegnen sich Hoffnung und Zärtlichkeit, um dann Hand in Hand nach Hause zu wanken. "Bodo" erzählt von einem, der ganz unten angekommen ist, und dennoch oder gerade deshalb aus dem und zum Herzen spricht. "Ich bin Bodo, manisch-depressiv / Ich suche nach Geborgenheit / Wenn es die denn gibt / Ich bin Bodo, manisch-depressiv / Ich suche nach Wärme / Wenn es die denn gibt." Wir alle. Wir alle.

(Markus Huber)

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Highlights

  • Als ich Dich das erste Mal vergaß
  • Palm Royal
  • Bodo

Tracklist

  1. Daheim
  2. Tabak
  3. Als ich Dich das erste Mal vergaß
  4. Im Suhlenkamp
  5. Palm Royal
  6. Ü30
  7. Mystische Nächte
  8. Rocker
  9. Tohuwabohu
  10. Bodo

Gesamtspielzeit: 41:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Deaf

Postings: 1738

Registriert seit 14.06.2013

2022-04-27 15:31:36 Uhr
"Palm Royal" ist ein grossartiger Song! Das Konzert letztes Wochenende in Basel war leider sehr schlecht besucht (13 Personen, davon fast mehr Deutsche als Schweizer). Hat trotzdem Spass gemacht. :-)

MasterOfDisaster69

Postings: 781

Registriert seit 19.05.2014

2022-03-09 16:03:26 Uhr
Also Bodo ist nochmal besser geworden.
Das Video war ja damals schon German Tristesse-like und wunderschoen.

https://www.youtube.com/watch?v=Px_-0_8tlJI

Danke.

Thomas

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 70

Registriert seit 12.06.2013

2022-03-03 13:33:59 Uhr
Beides gefixt, danke.

Autotomate

Postings: 4385

Registriert seit 25.10.2014

2022-03-03 11:10:53 Uhr
Der Link auf das "Bierstübchen"-Video funktioniert nicht, die Adresse hat vorne ein r zu viel.

Samstag Nacht

Postings: 5

Registriert seit 14.10.2018

2022-03-03 10:52:52 Uhr
Super Platte, großartige Liveband mit viel Wucht und Groove. Achtung: Utrecht mag eine schöne Stadt ein, aber der Sänger heißt Utech. 🙂
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