Alex Cameron - Oxy music
Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 11.03.2022
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Dermatologisch getestet
Im November 2020 heiratete unser liebster Quatschkopf Alex Cameron in einer privaten Zeremonie die Schauspielerin Jemima Kirke, die unter anderem in den Serien "Girls", "Maniac" und zuletzt "Sex education" zu sehen war. Dass diese Beziehung den sonst zu albernen Neckereien neigenden australischen Musiker reifen ließ, zeigte er bereits mit "Stepdad", dem Opener seines letzten Albums "Miami memory". Im Video zur Single "Best life" sieht man Cameron nun, wie er sich liebevoll um eine von Hautpusteln und Ausschlägen geplagte Kirke kümmert und kühlende, wenn nicht gar heilende Salben auf ihre nässenden Wunden aufträgt. That's life. Und auch wenn es freilich nicht ohne Augenzwinkern abläuft, so merkt man schon, dass Cameron etwas mehr Ernsthaftigkeit in seiner enigmatischen Persona zu integrieren versucht. Die gesellschaftlich brisanten Themen gab es bei ihm ja schon lange, wurden von ihm eben nur zu gerne aufs Korn genommen. Ganz ohne Schmarrn geht es aber auch auf "Oxy music" natürlich wieder nicht.
Da wäre alleine schon der Albumtitel, halb Wortwitz, halb Referenz an den New Wave und Artrock der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre. Und irgendwie passt das ja auch: Camerons Sound orientiert sich am flamboyanten 80s-Pop, angenehm käsige Synthieflächen bereiten das Feld, auf dem der Australier seine von Wahn und Witz durchzogenen Lyrics darbieten kann. Auch wieder dabei: Sein guter Freund und erklärter "Business Partner" Roy Molloy, der an den richtigen Stellen zum Saxofon greift, um dem ohnehin schon schillernden Soundkostüm noch etwas mehr halbseidene Dringlichkeit zu verleihen. Wichtig aber: Bei aller ironischen Schluffigkeit, die seit jeher Camerons Werk auszeichnet, müssen am Ende doch die Songs zünden. Das taten sie auf dem Vorgänger "Miami memory" hervorragend. Und auch wenn "Oxy music" da nicht ganz mithalten kann, so gibt es sie auch hier, die großen Momente, geboren aus Melodie und Pathos. Die Grenze zum Schlager wird mitunter bedrohlich gestreift. Alles wie immer.
Der bereits angesprochene Opener "Best life" jongliert mit Synthiestreichern und einer Melodie, die man sich schon mit dem Eispickel aus dem Hirn hämmern muss, um sie wieder loszuwerden. Cameron mimt dabei den Crooner, der er auch ganz unironisch gerne wäre, würde ihm nicht immer irgendein Blödsinn dazwischenkommen. Die Nummer sticht positiv heraus, weil der Australier im weiteren Verlauf kleinere Brötchen backt und ein bisserl auf der Stelle tritt. "Breadown" oder "Prescription refill" zählen, so ehrlich muss man halt auch mal sein, nicht gerade zum Spannendsten, was uns der Maestro bislang so aufgetischt hat: Hier regiert bedächtig schwofender Indie-Pop mit Konfetti im pomadigen Haar und, klar, offenem Hosenstall. Möglicherweise ist dies aber auch nur die Ruhe vor dem Sturm, denn gegen Ende dreht Cameron nochmal richtig auf. Nicht alleine: Für die beiden Abschlusstracks hat er sich jeweils Hilfe geholt. Und so orgelt sich "Cancel culture" mit freundlicher Unterstützung des noch nicht sonderlich bekannten Rappers Lloyd Vines durch dreieinhalb Minuten astreinen Yacht-Pop mit Soul-Schmelz. Hier ist Cameron wieder ganz bei sich und seiner thematischen Kernkompetenz angekommen. Irrer noch: Im Titelsong mischt auf einmal Sleaford Mod und Kodderschnauze Jason Williamson mit, und die Kombination aus britischem Straßenschmutz und australischer Großspurigkeit ist mithin wahnsinnig unterhaltsam. Zu ulkig? Vielleicht ist "Oxy music" genau die Salbe, die unsere wunde Seele gerade so dringend benötigt.
Highlights
- Best life
- Cancel culture (feat. Lloyd Vines)
- Oxy music (feat. Jason Williamson)
Tracklist
- Best life
- Sara Jo
- Prescription refill
- Hold the line
- Breakdown
- K hole
- Dead eyes
- Cancel culture (feat. Lloyd Vines)
- Oxy music (feat. Jason Williamson)
Gesamtspielzeit: 34:06 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 8537 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-10-13 17:58:35 Uhr
Erster neuer Song seit dem Album!"Short King" https://youtu.be/aG_zURd5rOE?si=xNqCDx40p9k6Q2l7 |
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Sick Postings: 327 Registriert seit 14.06.2013 |
2022-06-06 03:17:05 Uhr
Ich hör hier "Sara Jo" in Dauerschleife. Was für ein Ohrwurm... |
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AliBlaBla Postings: 10391 Registriert seit 28.06.2020 |
2022-03-30 10:16:21 Uhr
So:Best life 8 Sara Jo 8 Prescription refill 5,5 Hold the line 6 Breakdown 6,5 K hole 7,5 Dead eyes 7,5 Cancel culture 7 Oxy music 8 Es hat einige harsche Kritiken gegeben, - zugegeben, konzeptionell war das letzte Album erheblich besser, aber Alex hat ein paar nette Moves drauf,er sieht auch halbseiden schicker aus als die meisten anderen POPlieferanten da draußen! Er hat sich nur etwas..vertanzt. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 29665 Registriert seit 08.01.2012 |
2022-03-02 21:44:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.Meinungen? |
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AliBlaBla Postings: 10391 Registriert seit 28.06.2020 |
2022-01-20 20:09:07 Uhr
YEAH, BABY, YEAH !!! ,spätestens seit "Miami memory" ein Dauerbrenner bei mir, auch live (wenn CORONA das erlaubt) verspreche ich mir viel..ein schillerndes Chamäleon.. |
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Referenzen
Kirin J Callinan; Mac DeMarco; Father John Misty; Elton John; Tom Petty; Steely Dan; Billy Joel; Seekae; The Killers; Brandon Flowers; Angel Olsen; Gabriel Bruce; Bruce Springsteen; Tom Petty; Pet Shop Boys; Fred Abbott; Suicide; The The; The Chameleons; XTC; Gary Numan; Joy Divison; The Cure; New Order; The Sisters Of Mercy; Echo & The Bunnymen; Nick Cave & The Bad Seeds; The Beatles; Tears For Fears; Talking Heads; Editors; Interpol; The Last Shadow Puppets; EL VY; Fat White Family; Kevin Morby; Angels Of Light; Bauhaus; Peter Murphy; Ariel Pink; Ty Segall; Cass McCombs; Jenny Hval; Arcade Fire; Alexander Marcus
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