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A Place To Bury Strangers - See through you

A Place To Bury Strangers- See through you

Dedstrange / Bertus
VÖ: 11.03.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Runter kommen sie immer

Na, ist Ihnen von A Place To Bury Strangers auch schon ganz krümelig im Kopf? Nein, nicht wegen der Musik. Na ja, zugegeben, wegen der auch. Aber wer sich seinerzeit die "Brainwashing machine edition" des 2018er-Albums "Pinned" besorgt und sie gemäß der beiliegenden Instruktionen gehört hat – volle Lautstärke und dabei nonstop aufs psychedelisch verschwurbelte LP-Label schauen –, dem dürften die Sinne schon einigermaßen entglitten sein. Da kriegt man fast nicht mehr mit, dass das gern als lauteste Band New Yorks gerühmte Trio für "See through you" schon wieder zwei Drittel des Personals ausgetauscht hat. Doch halb so schlimm: A Place To Bury Strangers sind ohnehin in der Hauptsache Oliver Ackermann, der mit den Effektpedalen aus der eigenen Manufaktur Death By Audio stets geräuschvoll am offenen Hörnerv seines Publikums operiert.

Zu ihm gesellen sich Sandra und John Fedovitz von den benachbarten Shoegazern Ceremony, die man nicht mit den gleichnamigen Hardcore-Kaliforniern durcheinanderwerfen sollte. Weitere Verwechslungsgefahr besteht nicht, denn "Nice of you to be there for me" lässt direkt zu Beginn keinen Zweifel daran, wer hier am Werk ist: Eine abgesägte Drum-Machine heizt vor, der angezerrte Bass hält wütend dagegen, und trotz unwirschem Gitarren-Overdrive und Schlagzeug-Wucht nach Rotationsprinzip steht am Ende auch dank Ackermanns im Hall ersaufendem Gesang so etwas wie ein ramponierter Popsong. Gewagter Begriff, aber an irgendetwas muss man sich schließlich festhalten. A Place To Bury Strangers wissen das – und treiben auch auf ihrem sechsten Longplayer ihr perfides Spiel mit Krach und Melodie, Kreisch und Fiep, hell und dunkel.

Auf angedeutete Glücksgefühle folgen hier nämlich regelmäßig emotionale Tiefpunkte – etwa im elektronisch schlurfenden No-Waver "I'm hurt", der wirkt, als hätten sich Big Black auf ihrer 1982er-EP "Lungs" mit Suicide rumgeärgert und sie zu guter Letzt mit einem ohrenbetäubenden Schwall Feedback verjagt. Neben "I disappear (when you're near)" der einzige Track, der desillusioniert am Rande einer Industriebrache herumlungert: A Place To Bury Strangers' Kernkompetenz liegt unverändert bei aufgeworfenen Lärmkratern, die das Frühwerk von The Jesus And Mary Chain oder My Bloody Valentine bis ins Extrem vorantreiben. "So low" oder "Dragged in a hole" drohen vor Uptempo und Distortion schier zu zerbersten, "Anyone but you" rast wie ein defekter Aufzug samt Jukebox voller Surf-Hits unaufhaltsam ins Bodenlose. Runter kommen sie immer.

Selbst Ackermann und Kolleg*innen irgendwann. Natürlich nicht, ohne mit "Broken" einen groben Batzen verschlankten Noise-Rocks dazulassen, der zu plärrenden Licks eine verrottete Beziehung zu Grabe trägt – wobei Zahnschmelzsprengung und Bubblegum auf eigentümliche Weise näher beieinanderliegen, als man zunächst glaubt. Zum Glück wird zum Schluss alles gut: Der Closer verspricht nicht nur "Love reaches out", sondern zwirbelt sich harmonisch in den gleichen verspielten Loop wie das letzte Joy-Division-Stück "Ceremony", das wenig später die erste Single von New Order wurde. Womöglich ein interner Jokus als Verweis auf die Hauptband des Ehepaars Fedovitz – und vielleicht der unbeschwerteste Song, den A Place To Bury Strangers je aufgenommen haben. Vor allem aber ein wunderbares Finale eines Albums, das sicher zu ihren stärkeren zählt.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Nice of you to be there for me
  • I'm hurt
  • Broken
  • Love reaches out

Tracklist

  1. Nice of you to be there for me
  2. I'm hurt
  3. Let's see each other
  4. So low
  5. Dragged in a hole
  6. Ringing bells
  7. I disappear (when you're near)
  8. Anyone but you
  9. My head is bleeding
  10. Broken
  11. Hold on tight
  12. I don't know how you do it
  13. Love reaches out

Gesamtspielzeit: 52:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

ExplodingHead

Postings: 1193

Registriert seit 18.09.2018

2022-04-12 17:29:47 Uhr
Geile Platte, geiles Konzert.

Oliver bringt die neuen Songs ja nicht nur auf die Bühne, sondern (wie schon von der letzten Tour gewohnt) auch mitten ins Publikum...

Abstand?
Kenn wa nicht!

fluppeaufex

Postings: 38

Registriert seit 29.10.2019

2022-03-07 20:35:09 Uhr
Gewohnt super Album, hörbar anders, aber immer noch APTBS genug.

Show in Muc wird mein erstes Konzert (Sitzkonzerte im Oly mal ausgenommen) seit DIIV am 11.3.2020. Ich kann es kaum erwarten wie Ackermann die neuen Songs mit der neuen Besetzung auf die Bühne bringt & freue mich wie ein kleines Kind!

ExplodingHead

Postings: 1193

Registriert seit 18.09.2018

2022-03-03 00:20:40 Uhr
CD werde ich mir erst auf dem Konzert kaufen (so es stattfinden wird) - aber die "Kernkompetenz" von APTBS sehe ich ohnehin in ihren Live-Auftritten, wo sich die infernalisch laute Musik mit der aus Flashern und grellen Lichtfingern aus Beamern bestehenden Lightshow, die mehr als einen fetten Warnhinweis für Epileptiker tragen müsste, beim ersten Erleben durchaus als Grenzerfahrung darstellen kann.

Die Alben lege ich daheim kaum auf, weil sich bei mir die Lautstärke, der es bedürfte, und das Licht ohnehin nicht reproduzieren liesse. Und derart gezähmt wirkt es auf mich dann immer etwas entäuschend, und ich freu mich dann wieder umso mehr auf die nächste Tour.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22694

Registriert seit 08.01.2012

2022-03-02 21:44:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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