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Franz Ferdinand - Hits to the head

Franz Ferdinand- Hits to the head

Domino / GoodToGo
VÖ: 11.03.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Im Vergnügungszentrum

Wenn man in den eingehenden 2000er-Jahren mit etwas nicht rechnen konnte, dann mit einem Britpop-Revival-Revival. Wie auch? Suede oder Pulp waren gegessen, Coldplay, Starsailor oder die späten Supergrass oszillierten zwischen Hymne und wehem Stadionrock, und an englischen Vorbildern wie Gang Of Four oder The Clash orientierten sich allenfalls Radio 4 und The Rapture aus New York. Aber dann diese Platte. Oder erst einmal dieses Stück. "Darts of pleasure", ein Gitarren-Clubhit aus dem Lehrbuch mit Dada-Schlussakkord auf Deutsch, elegant und scharfkantig zugleich. Da vergaß man ob der heftigen Zuckungen, in die einen diese unwiderstehliche Musik versetzte, sogar das Kopfschütteln über den ziemlich bescheuerten Namen Franz Ferdinand. Und nach der tosenden zweiten Single "Take me out" war so gut wie alles klar. Stars geboren.

"Franz Ferdinand" verdeutlichte dann endgültig: Dieser Band gelang 2004 von Indie-Pop über Post-Punk bis Disco-Rock einfach alles. Gemäß dem Wunsch der vier Schotten fingen Mädchen an zu tanzen, wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, Edwyn Collins, Andy Partridge und Paul Haig bestellten eilig ein Sammeltaxi zur nächsten Entknitterungsklinik. Und auch auf den Baustellen nebenan ruckelten Maximo Park, Arctic Monkeys und Art Brut bereits ihre Instrumente zurecht. Aber wir schweifen ab: Auf ein Album voller Kracher folgte mit "You could have it so much better" eins mit fast genauso vielen, ehe Franz Ferdinand ihren Sound elektronisch variierten und irgendwann den Weg aller Bedeutungslosigkeit einschlugen – am deutlichsten wohl 2018 auf "Always ascending". Da hilft nur eine Best Of, um den guten Ruf halbwegs wiederherzustellen.

Aber was heißt hier halbwegs? Mit ihren ersten beiden Longplayern langten Franz Ferdinand schließlich so zielsicher ins Vergnügungszentrum, dass auf "Hits to the head" im Grunde gar nichts schiefgehen kann. Auch nicht nach dem spektakulären Auftakt. Das frenetische Sägezahn-Riff von "Michael", der jubilierende Technicolor-Popper "Do you want to", der Wüsten-Boogie "Walk away" oder das sumpfige Pumpen von "Outsiders" – Songs, mit denen es sich auch 15 bis 20 Jahre später trumpfen lässt, wenn man über das Fehlen des wundersamen "Eleanor put your boots on" hinwegsieht. Und obwohl auf "Tonight: Franz Ferdinand" und "Right thoughts, right words, right action" die Bäume nicht mehr in den Himmel wuchsen, schmälern das schleifend groovende "No you girls" oder der verquer tempowechselnde Stampfer "Evil eye" den Wert dieser Zusammenstellung nicht im Geringsten.

Natürlich stehen am Ende von "Hits to the head" mit "Curious" und "Billy goodbye" zwei neue Tracks, wie sie nun einmal zum Leistungsumfang einer solchen Compilation gehören – und reihen sich dank Singalong-Qualitäten und leichtgängigem Bums-Klatsch leidlich ins Schaffen von Franz Ferdinand ein. Ablesen lässt sich an diesen Dreingaben jedoch lediglich die Tatsache, dass die Glasgower es auch in Zukunft schwer haben werden, an ihre Meisterwerke anzuknüpfen, zumal mit Sänger Alex Kapranos und Bassist Robert Hardy nur noch zwei Mitglieder der Urbesetzung übrig sind. Wenigstens dieser Umstand eint sie mit ansonsten kaum vergleichbaren Bloc Party, die zuletzt auf "Hymns" eher alt aussahen. Immerhin: Mit diesem knapp 70-minütigen "Hach, war das schön!" kommen Franz Ferdinand ewiger Jugend verdammt nahe.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Darts of pleasure
  • Take me out
  • Michael
  • Do you want to
  • Walk away (HTTH edit)
  • Evil eye

Tracklist

  1. Darts of pleasure
  2. Take me out
  3. The dark of the matinée
  4. Michael
  5. This fire
  6. Do you want to
  7. Walk away (HTTH edit)
  8. The fallen (HTTH edit)
  9. Outsiders
  10. Lucid dreams
  11. Ulysses
  12. No you girls
  13. Right action
  14. Evil eye
  15. Love illumination
  16. Stand on the horizon
  17. Always ascending
  18. Glimpse of love
  19. Curious
  20. Billy goodbye

Gesamtspielzeit: 69:21 min.

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User Beitrag

nörtz

User und News-Scout

Postings: 10511

Registriert seit 13.06.2013

2022-04-27 22:42:37 Uhr
Die ersten beiden Alben besorgen und man hat ein Doppelalbum voller Hits.

Deaf

Postings: 1737

Registriert seit 14.06.2013

2022-04-27 15:37:43 Uhr
Habe die seit 2004 auch kaum mehr gehört, aber das Debut macht immer noch Laune und deren Hits sind nach wie vor unzerstörbar. Und das spontan besuchte Konzert in Zürich letzten Samstag war auch sympathisch und kurzweilig.

Den neuen Song "Billy Goodbye" fand ich aber richtig furchtbar.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 28108

Registriert seit 07.06.2013

2022-03-16 09:36:52 Uhr
Oder dass auch die ersten Alben von den Bands heute nicht mehr taugen?

Das eher. Aber das liegt auch eher daran, dass es nicht voll meine Musik ist/war und ich einfach dieser "Indiedisko"-Zeit damals entwachsen bin. Und selbst die Alben von FF und BP hab ich mir damals halt gekauft, aber so wirklich geliebt hab ich siw wohl nicht.

Francois

Postings: 437

Registriert seit 26.11.2019

2022-03-16 09:18:20 Uhr
Ehrlich gesagt ist keine der drei Bands für mcih gut gealtert, obwohl ich z.B. die Libertines sehr geliebt habe.

Meinst du das im Sinne, dass die Bands heute nix gutes mehr produzieren? Oder dass auch die ersten Alben von den Bands heute nicht mehr taugen?

Letzteres kann ich irgendwie nicht bestätigen... Gerade die ersten beiden FF oder Bloc Party Alben sind so überragend gut, dass ich sie heute noch höre und gerne an die Zeit zurückdenke

painkilla

Postings: 16

Registriert seit 23.10.2017

2022-03-14 08:59:23 Uhr
Best-Of Album?

"Ja ist denn scho Weihnachten?!"

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