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Yaenniver - Nackt

Yaenniver- Nackt

Sony
VÖ: 18.02.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Klare Kante

Ein Solo-Projekt, das sich gewaschen hat. Yaenniver (gesprochen Jen-Eiwer) kennt man als Sängerin von Jennifer Rostock. Jetzt macht sie ihr eigenes Ding und hat dafür auch glatt das Genre gewechselt. Aus Poprock wurde Rap, einige Songs gehen aber auch einfach als Pop durch. Andere sollen offensichtlich provozieren, wie Titel wie "Ich ficke jeden" andeuten. Es ist auf jeden Fall ein Album, das vielen neuen Zuhörer*innen den Horizont erweitert.

Die Sängerin, die mit bürgerlichen Namen Jennifer Weist heißt und schon immer für eine klare Meinung bekannt war, wird ihrem Ruf auch hier absolut gerecht. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund. Das zeigt sie schon im "Intro", in dem sie allen möglichen Kritiker*innen den Wind aus den Segeln nimmt, indem sie die Nachrede bereits vorhersagt. Neben Medien und ihre Macht werden auf dem Album noch freie Liebe, Kiffen und Sexismus angesprochen, außerdem Online-Dating, weiblicher Sex und politische Gerechtigkeit. Es sind Themen, die der Sängerin und Songwriterin offensichtlich sehr wichtig sind und sie persönlich betreffen. Dieses Album wurde mit Blut, Schweiß und Tränen geschrieben. Die Energie, die die Sängerin auch schon bei vergangenen Projekten in ihre Stimme gelegt hat, ist hier vielleicht noch größer als zuvor, und Yaenniver probiert sich in neuen Sphären wie Sprechgesang, Rap und Adlibs.

Der Spannungsbogen des Albums ist so, wie die Inzidenzzahlen hätten aussehen sollen: Am Anfang ist ordentlich Dampf, und ab Mitte des Albums nehmen das Tempo und der Druck ab. Das bedeutet nicht, dass die späteren Songs langweilig sind, ganz im Gegenteil. Aber manchmal muss man erst schreien, bevor man sprechen kann. Während Yaenniver bis "Energie" erstmal herausfordert, kritisiert und sich ihren Raum erkämpft, zeigt sie sich auf der zweiten Hälfte des Albums sehr nah und sehr verletzlich. Harte Schale, weicher Kern, in dieser Reihenfolge. Produktionstechnisch scheint das Album auf den ersten Blick vielleicht weniger abwechslungsreich. Man kann auch sagen, dass das Album aus einem, und einem qualitativ sehr guten (wie bei einer bekannten Künstlerin nicht anders zu erwarten) Guss ist.

Yaenniver jongliert mit Rollenbildern und Vorurteilen, Schuldgefühlen und Bauchkribbeln, Selbstzweifeln und Narzissmus und schafft dabei auf elektronischen Beats und flächigen Synthies ein unglaublichen vielseitiges Album. Während Songs wie "Halb so ich" oder "Ich setz Dir ein Zeichen" beinahe zu sehr nach Mainstream-Pop klingen, werden es "Kifferin" oder "Finger auf die Lippen" wohl nicht in die A-Rotationen schaffen. Dafür sind sie auch nicht gemacht. Eine weitere Empfehlung: Track 11 namens "Seebrücke". Halb Poetry Slam, halb Gesang, auf jeden Fall ein großartiger Song.

(Alyssia Schröder)

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Highlights

  • Intro
  • Mädchen Mädchen (feat. Luci van Org)
  • Seebrücke

Tracklist

  1. Intro
  2. Halb so ich
  3. Allergisch
  4. Ich ficke jeden
  5. Mädchen Mädchen (feat. Luci van Org)
  6. Kifferin
  7. Energie
  8. For real (feat. Sway Clarke)
  9. Finger auf die Lippen
  10. Sag Deiner Freundin
  11. Seebrücke
  12. Ich setze Dir ein Zeichen
  13. Outro

Gesamtspielzeit: 42:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

jo

Postings: 3857

Registriert seit 13.06.2013

2022-02-24 21:08:28 Uhr
Die bringt doch schon ewig, nach meiner Wahrnehmung seit Jahrzehnten, Sexismuskritik. Das ist bei der also jetzt kein Gegenwartsphänomen, mit dem sie auf irgendeinen Zug aufspringen will, sondern gehört zu ihrer künstlerischen Grundausrichtung. Die Umsetzung kann man schlecht finden, finde ich ja auch, aber kalkuliert finde ich das nicht.

Genau das. Danke, Obrac.

Ich war auch nie Fan der Umsetzung, aber ich habe sie, was die Themen angeht, nie als nicht aufrichtig angesehen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22694

Registriert seit 08.01.2012

2022-02-24 20:57:07 Uhr
oder ob hier ne Menge gelöscht wurde

Nicht "ne Menge", aber mindestens ein Posting ging definitiv zu weit.

Mr Oh so

Postings: 2155

Registriert seit 13.06.2013

2022-02-24 20:04:53 Uhr
Obrac

Die bringt doch schon ewig, nach meiner Wahrnehmung seit Jahrzehnten, Sexismuskritik. Das ist bei der also jetzt kein Gegenwartsphänomen, mit dem sie auf irgendeinen Zug aufspringen will, sondern gehört zu ihrer künstlerischen Grundausrichtung.



Wenn dem so ist, lasse ich mich gerne belehren. Hab mich nie näher mit ihr bzw. Jennifer Rostock beschäftigt. Dachte immer, das schielt auf Provokation, hier mal ein bisschen nackte Haut, da mal ein paar Kraftausdrücke ...

Ihre Attitüde spricht mich trotzdem nicht an.

nörtz

User und News-Scout

Postings: 10542

Registriert seit 13.06.2013

2022-02-24 19:05:28 Uhr
Das Album ist politisch und gesellschaftlich wichtig. Von daher ist Form egal, nur der Inhalt zählt.

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1124

Registriert seit 31.10.2013

2022-02-24 19:02:51 Uhr
@Kai:

Tatsächlich wurde das fragliche Posting offensichtlich gelöscht. Stand aber eh nur Schund drin, von dem her nicht schade drum. Inhalt kannste dir ja anhand der Reaktionen vorstellen.
Zum kompletten Thread

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