311 - Evolver

311- Evolver

Jive / BMG
VÖ: 27.10.2003

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zahlendreher

311 wurden vor 13 Jahren gegründet, brachten vor elf Jahren ihren ersten Longplayer raus und werfen uns sechs insgesamt über drei Millionen mal verkaufte Longplayer später ihr neuestes Werk vor die plattgetretenen Füße. Leider haben es 311 während dieser ganzen Zeit nicht geschafft, aus den ausgelatschten Crossoverpfaden von Chilischoten und anderen längst nicht mehr so feurigen Gewächsen zu entkommen. Zeitweise hörte sich das sogar eher wie Sugar Ray für Arme an. Was dem endgültigen Durchbruch im Heimatland vor zwei Jahren mit "From chaos" aber nicht im Weg stand. Im Gegenteil.

Auf den kommerziellen Geschmack gekommen, soll nun mit Ron Saint Germain ein fähiger Mann, der schon Soundgarden und Tool betreuen durfte, dem eingeschlafenen Rapmetal-Sound der Band neue Akzente verleihen. Allerdings stellt sich da irgendwo die Frage, ob man sich nach 13 Jahren Bandgeschichte wirklich einfach so ändern soll. Man ist ja schließlich kein Dinosaurier des Metallica-Kalibers.

Und doch überkommt einen bereits beim Opener "Creatures (for a while)" dieses heimelige 311-Gefühl, welches einem im Laufe des Albums noch öfters begegnen wird, aber erschreckend an Reiz verloren hat. Verliert sich "Reconsider everything" noch in sinnentleerten Phrasen ("The only thing I can prove / That there is no proof") und hohler Drumprügelei, erfreut bei "Crack the code" ein unvermuteter C-64-Klimperkasten das Herz. Der coole Bassvibe dieses Tracks verträgt sich mit den stimmigen Rap-Einlagen recht gut. Was man von den sonstigen Sprechgesangseinlagen nicht wirklich sagen kann. Beim urbanen "Beyond the gray sky" und dessen kräuterberauchter Vorliebe zu jamaikanischer Rhythmik lassen sich aber auch gesangliche Fähigkeiten zumindest erahnen. Das hippieske "Uncertain" versucht auch mit sozialkritischer Einstellung zu punkten, jedoch verliert sich Leadsänger Martinez zu oft in Nichtigkeiten.

Auch der Sound des Albums läßt nicht nur Kreativität vermissen. Oft läßt man einfach nur plumpe Kreuzüber-Riffs wie die Waldbrände Kaliforniens wüten und brandschatzt dabei das eigens bestellte Ackerland. Daran kann dann auch kein sechseinhalbminütiges Minuten Epos mit softem Singsang und bedeutungsschwangerem Titel "Sometimes Jacks rule the realm" etwas ändern. Denn selbst dieser abschliessende Versuch, Abwechslung zu erzwingen, entpuppt sich als ziemlich zwecklos. "I want you to stay in hell." Selber.

(Markus Söllner)

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Highlights

  • Crack the code

Tracklist

  1. Creatures (for a while)
  2. Reconsider everything
  3. Crack the code
  4. Same mistake twice
  5. Beyond the gray sky
  6. Seems uncertain
  7. Still dreaming
  8. Give me a call
  9. Don't dwell
  10. Other side of things
  11. Sometimes Jacks rule the realm

Gesamtspielzeit: 44:26 min.

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