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Neonschwarz - Morgengrauen

Neonschwarz- Morgengrauen

Audiolith / Broken Silence
VÖ: 25.02.2022

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Großstadthelden

Achtung, Nostalgie-Alarm! Das Albumcover mit seinem markanten Schriftzug und seiner düsteren Skyline weckt kurzzeitig alte Erinnerungen und versetzt einen zurück in eine Zeit, in der Superhelden vor allem durch Comic-Hefte und nicht in Form von Hollywood-Blockbustern wahrgenommen wurden. Vielleicht ist Neonschwarz aber auch einfach nur ein passenderes Cover für ihr 2016er "Metropolis" eingefallen, das unbedingt noch nachgereicht werden musste. Wie dem auch sei, wir werden es vermutlich nie erfahren. Superhelden-Taten oder gar Weltrettungen gibt es auf "Morgengrauen" zwar nicht zu bestaunen, wenngleich Anlässe dafür in der Zeit, in der wir momentan leben, in Hülle und Fülle vorhanden wären. Aber den Finger in aktuelle Wunden zu legen und Klartext zu sprechen, ohne dabei den Moralapostel zu mimen, beherrscht das Hamburger Quartett immer noch bestens.

Natürlich spielen Corona und die unschönen Begleiterscheinungen der Pandemie eine Rolle. Der eröffnende Kopfnicker "War was" ist pure Gesellschaftskritik zwischen düsterem Beat und Scratching. "Milliardäre mit Geld beglückt und Pfleger*innen mit Applaus", singt Marie Curry und weist auf das in diesen Zeiten bloß noch verstärkte Ungleichgewicht unserer Gesellschaft hin. Knapp zwei Jahre nach ihrer selbstgewählten Schaffenspause melden sich Neonschwarz hochpolitisch zurück und verpacken selbst Themen wie Rassismus und Fremdenhass in eine gewisse spielerische Leichtigkeit, wie auch "Einzelfall" beweist: "Was immer Ihr erzählt, nein, es hat noch nie gestimmt / Nordkreuz, NSU, Ihr steckt da so tief mit drin / Staatsanwälte, Cops, Richter, ich vertraue Euch keinen Meter / Fuck, was wollt Ihr uns erzählen? (Hunderttausend Einzeltäter?)." Purer Sarkasmus. Inhaltlich mindestens genauso gehaltvoll, wichtig und vor Ironie nur so triefend kommt "Hitzefrei", eine der Singleauskopplungen, daher. Selten wurden Themen wie Klimawandel und Erderwärmung so catchy zum Mitwippen rübergebracht: "Schatz, pack die Koffer, pack' die Badehose ein / Wir ham's nicht weit, an der Nordsee wachsen Palmen / Supernice, fast wie früher bei der Kreuzfahrt auf dem Nil / Aber schon 'n bisschen schade, dass es Holland nicht mehr gibt." Wenn es nicht so traurig wäre, man würde aus dem Schmunzeln gar nicht mehr herauskommen.

Und sonst so? Mit "Salto mortale" feiern Curry, Johnny Mauser, Captain Gips und DJ Spion Y wortgewandt und Laune machend sich selbst und den "neonschwarzen Blockpartysound in der Stadt". Ein Partysong in bekannter Neonschwarz-Manier. Insgesamt wirkt die Band hier und da nicht mehr ganz so unbekümmert wie früher einmal. Das ist keinesfalls schlecht, aber insofern etwas ungewohnt, als dass einige Songs erst nach und nach und nicht sofort auf Anhieb wirken. "Gimma" und "Flugmodus" kommen bei sattem Beat sehr melancholisch daher. Noch eine Spur ruhiger geht es auf "Alles groß", einem Curry-Solotrack, zur Sache. Kein Wunder, hält sie doch ein Plädoyer für mehr Gelassenheit in der Welt. Während zwei, drei andere Songs des Albums für Neonschwarz-Verhältnisse eher wie Füllmaterial wirken und wenig bleibenden Eindruck hinterlassen, lassen die Nordlichter mit "Meteor", einem treibend-poppigen Rausschmeißer, die Gedanken und Gefühle schweifen. Sollen doch andere die Welt retten!

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Salto mortale
  • Flugmodus
  • Meteor

Tracklist

  1. War was
  2. Salto mortale
  3. Einzelfall
  4. Gimma
  5. Flugmodus
  6. Features
  7. Nix
  8. Hitzefrei
  9. Alles groß
  10. Wolkenkratzer
  11. Meteor

Gesamtspielzeit: 37:49 min.

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Armin

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2022-02-23 22:50:53 Uhr - Newsbeitrag
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