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Unkle - Never never land

Unkle- Never never land

MoWax / Island / Universal
VÖ: 06.10.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schlafstörung

Dunkle Schlaufen, erschreckende Klänge, panische Melodien und Beats wie Herzstillstände. Als James Lavelle und Stückelweltmeister DJ Shadow vor fünf Jahren mit ihrem Projekt Unkle die gruseligen Psychoanalysen von "Psyence fiction" auf unvorbereitete Tanzflächen losließen, war das Staunen groß. Und die Ehrfurcht vor unglaublichen Tracks wie "Lonely soul", "Celestial annihilation" oder dem von Thom Yorke veredelten "Rabbit in your headlights" bald noch größer. Selten waren Angstzustände und Depressionen so intensiv in Schall umgewandelt worden. Die Alpträume verängstigter Laptops.

Kann schon sein, daß es DJ Shadows Händchen für klangliche Psychosen war, das zwischen all den Effekten, Loops und Samples die Abgründe der Seele zu Tage brachte. Denn ohne ihn geht "Never never land" nicht halb so sehr unter die Haut wie noch der Vorgänger. Solches Ungemach ahnend hat sich MoWax-Gründer Lavelle Drum'n'Bass-Fummler Richard File und Songbastler Ant Genn als Schatten-Ersatz an Bord geholt. Mit vereinten Kräften versucht der Dreier nun, Schicht um Schicht und Photon für Photon das Licht aus den elf Tracks zu vertreiben. Und manchmal gelingt ihnen das auch ganz vortrefflich. Wenn Steinzeit-Queen Josh Homme in "Safe in mind" zum bedrohlichen Tanz bittet. Oder wenn Massive Attacks 3D die "Invasion" der Schaltkreise heraufbeschwört. Oder wenn Ian Brown eiskalte Händchen über die Geigen streichen läßt.

Dennoch hinterläßt "Never never land" das erwartet mulmige Gefühl auf ganz andere Art als eigentlich erhofft. Die Paranoia, die sich in Songtiteln wie "Panic attack" widerspiegelt, wirkt konstruiert und entlarvt so die Künstlichkeit der Ängste. Die kaleidoskopartig aufgetürmten Breakbeats verstören nicht, sondern verkommen zur bloßen Kulisse. So verkümmert "I need something stronger" beispielhaft trotz der Unterstützung von Jarvis Cocker und Brian Eno im wabernden Einerlei. Was auf dem Debüt eiskalt aus der Tiefe heraufschillerte, ist auf dem Unkle-Zweitling oft zu dicht an der Oberfläche angesiedelt. Dabei entbehrt selbst das bemühteste Blitzen und Blinken hier nur selten der Faszination. Für unruhigen Schlaf sorgen aber längst andere.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • In a state
  • Safe in mind
  • Invasion
  • Reign

Tracklist

  1. Back & forth
  2. Eye 4 an eye
  3. In a state
  4. Safe in mind
  5. I need something stronger
  6. What are you to me?
  7. Panic attack
  8. Invasion
  9. Reign
  10. Glow
  11. Inside

Gesamtspielzeit: 59:21 min.

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