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Omnibael - Rain soaks the earth where they lie

Omnibael- Rain soaks the earth where they lie

Cruel Nature
VÖ: 04.02.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hornhaut im Ohr

Bange, nur scheinbar zusammenhanglose Frage: Geht es dem Dachs gut? Man muss nämlich wissen, dass Phil Malpass und Jase Kester aus Stoke-on-Trent Ende 2020 auf ihrer "OM"-EP noch unter dem Namen Omni Badger firmierten. Knapp zwei Jahre später heißen die zwei Briten nun Omnibael, und wir wollen einfach mal annehmen, dass bei der Produktion ihres Debütalbums keine possierlichen Mardertiere zu Schaden gekommen sind. Anders dürfte es mit den geschundenen Instrumenten aussehen, von denen auf "Rain soaks the earth where they lie" offensichtlich nur noch rauchende Trümmerberge übrig sind – von Malpass' vermutlich in Fetzen hängenden Stimmbändern ganz zu schweigen. Schon leicht schwirr im Oberstübchen? Zu Recht, denn "Mind is a mess" weiß bereits der Opener und fährt eine durchgeschmorte Drum-Machine, ungehobelte A(r)scheimergitarre und aufgebrachte Brutzeltronics auf. "Lo-fi till we die", wie es das damalige Label Liquid Library ausdrückte .Allzu viel daran geändert hat sich nicht.

Es ist ein hübsch-hässliches Ableben, das der Schönklang in diesen aufreibenden 40 Minuten hinlegt. Für Songs im eigentlichen Sinne bleibt kein Platz, wenn sich in der Folge grobschlächtiger Power-Noise und im Zeitraffer splitterndes Gecrunche so lange mit Tribal-Drumming und roh gezimmerten Sludge-Brocken beharken, bis das Hörfleisch bei Tracklängen von sieben bis acht Minuten mit ersten Verhornungen zu kämpfen hat. Und es dauert eine Weile, bis man begreift, dass das entmenschte Plärren aus der hintersten Ecke dieser ohrenbetäubenden Installation zum Glück nicht von misshandelten Dachsen oder Schabrackentapiren, sondern von Malpass stammt, der ebenso aussichtslos gegen die Lärmwände anbrüllt wie Chip King bei den geistesverwandten The Body. In "The repetition" boxen sich immerhin eine blecherne Schlagzeug-Figur und eine Sequenz mit Gleichlaufschwankungen nach vorne – Omnibael sagen Groove dazu, wir Zerspanungsmechanik am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und beide haben irgendwie Recht.

Denn in gewisser Weise ist der sich tief ins Gemüt stanzende Presslufthammer-Beat zu Beginn der Stakkato-Raserei "Nothing tastes better than deceit" auch ein Rhythmus, wo man mit muss – ob man will oder nicht. Wie ein drohendes Luftholen wirkt danach das Drone-Grundrauschen "Rung keep", ehe man in den stählernen Reverbs von "Flowing backwards" die "Echoes from the beyond" zu hören glaubt, mit denen die Kenianer Duma ihren ähnlich strapaziösen Erstling beschlossen. Doch auch hier trügt der Schein spätestens, sobald Elektronik und heruntergestimmtes Saitenrasseln zornig werden und "Rain soaks the earth where they lie" im Abschluss "Shut out the light" endgültig in von industriellem Getöse gesättigter Finsternis versinkt. Gut möglich, dass die Musikkassette aus Recycling-Material da längst im Abspielfach zu zerbröseln begonnen hat – passenderweise das einzige physikalische Format, in dem diese großartig apokalyptische Musik erhältlich ist. Auf Wunsch inklusive Rasierpinsel mit Dachshaar. Nicht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The repetition
  • Nothing tastes better than deceit
  • Shut out the light

Tracklist

  1. Mind is a mess
  2. Last days
  3. The repetition
  4. Nothing tastes better than deceit
  5. Rung keep
  6. Sound of the WW2 story
  7. Flowing backwards
  8. Lost days
  9. Shut out the light

Gesamtspielzeit: 40:45 min.

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Armin

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2022-01-26 20:55:09 Uhr - Newsbeitrag
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