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Blaudzun - Lonely city exit wounds

Blaudzun- Lonely city exit wounds

V2 / Bertus
VÖ: 21.01.2022

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ausgereift

Drei Jahre lang blieb es außergewöhnlich ruhig um Blaudzun. Zwischen 2016 und 2018 waren in kurzem Abstand die drei Alben "Jupiter", "Jupiter (Part II)" und ""_Up_"" erschienen, die sich zu einer stimmigen und abwechslungsreichen Trilogie zusammenfügten. 30 Stücke hatten der Singer-Songwriter, der bürgerlich Johannes Sigmond heißt, und seine vielen Mitstreiter eingespielt und auf ausgiebigen Tourneen live präsentiert. Dass sich bei aller Qualität des Materials gelegentlich auch ein gewisser Sättigungsfaktor einstellte, war nicht nur der schieren Vielzahl an Songs geschuldet, sondern auch dem Umstand, dass sie im Einzelfall noch einen Moment des Reifens hätten vertragen können.

Die Zeit, die sich Blaudzun nun für "Lonely city exit wounds" genommen hat, tut dem neuesten Werk hörbar gut. Die zwölf Titel zeigen den Niederländer zunächst einmal stimmlich in gewohnt sehr guter Verfassung, zudem wirken die Songs vom ersten bis zum letzten Ton durchweg ausgereift und zu Ende gedacht. Mit feinem Spannungsbogen versieht Sigmond zum Auftakt den Titeltrack, der mit den Worten "This lonely city is not the same without you" den Umgang mit einem Verlust anspricht. "Seventeen weeks ago" liegt die Ursache in der Vergangenheit und hat "forty exit wounds" gerissen. Auffallend: Die Ausflüge ins Falsett untermalen nicht nur die ersten Takte, sondern ziehen sich auch durch "Closer" und noch deutlicher durch "Jettison".

Es ist durchaus vorstellbar, dass sich die Geister an eben diesen dezidiert hohen Stimmlagen scheiden, doch in der Folge senkt Sigmond das Timbre schrittweise und begeistert gleichermaßen im ruhig-melancholischen "Save me" und im schwungvollen "Real hero", das sich munter hüftschwingend in die Riege der typischen Blaudzun-Hymnen einreiht, die gerade live für ansteckende Euphorie sorgen. An dieser Stelle sei ohnehin einmal explizit auf Sigmonds Bühnenqualitäten hingewiesen: Was er und seine Mitmusiker verlässlich live abliefern, wenn sie sich regelmäßig fast zu zehnt um die Mikrofone und Instrumente scharen, verdient höchsten Respekt. "Lonely city exit wounds" liefert auf alle Fälle ausreichend Nachschub für weitere Auftritte, was in der zweiten Hälfte insbesondere Highlights wie "Dontfuckitup" oder "End times kissing in the daytimer" zu verdanken ist.

Fast zehn Jahre nach dem prickelnden "Heavy flowers", das gemeinsam mit "Promises of no man's land" den bisherigen Höhepunkt seines Schaffens darstellt, hat sich Blaudzun als große Nummer im europäischen Independent-Kosmos etabliert, wenngleich seine Bekanntheit noch immer nicht mit der Güteklasse korreliert. Übrigens: Die klangliche Nähe zu Arcade Fire, die dem Musiker aus dem Nachbarland gelegentlich nicht ganz vorwurfsfrei attestiert wird, schimmert auch auf dem achten Studioalbum durch – man höre sich beispielsweise "May" an. Darüber aber legt Johannes Sigmond eine höchst charakteristische eigene Note, die ihre Besonderheit längst bewiesen hat.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Real hero
  • Running to meet the sundown
  • Dontfuckitup
  • End times kissing in the daytimer

Tracklist

  1. Lonely city exit wounds
  2. Closer
  3. Jettison
  4. Save me
  5. Real hero
  6. Running to meet the sundown
  7. Wide open
  8. Dontfuckitup
  9. May
  10. June
  11. End times kissing in the daytimer
  12. NY Rio Berlin

Gesamtspielzeit: 43:49 min.

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Armin

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2022-01-19 20:51:58 Uhr - Newsbeitrag
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