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Pearly Gate Music - Mainly gestalt pornography

Pearly Gate Music- Mainly gestalt pornography

Bella Union / PIAS / Rough Trade
VÖ: 03.12.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kleiner Bruder

Kaum hatte Zachary Tillman als Pearly Gate Music sein Debütalbum veröffentlicht, ging es rauschend bergab. Eigentlich wollte er nach zahlreichen Konzerten direkt wieder ins Studio, um unmittelbar mit dem Zweitwerk zu beginnen, doch ein Nervenzusammenbruch markierte den Auftakt zu einem veritablen Negativstrudel. Songs schreiben? Ein Instrument in die Hand nehmen? Aufnehmen und wieder auf der Bühne stehen? Das alles war nicht mehr möglich für den US-Amerikaner. Hinzu kam: Sein Bruder Josh Tillman startete zu dieser Zeit richtig durch. Zunächst als Solokünstler, dann als Drummer bei Fleet Foxes, in der Folge als Father John Misty. Ein Leben im Schatten des großen Bruders – das gab Zachary den Rest. Die Wende nach Jahren des Abtauchens: Er lernte seine heutige Frau kennen, fasste neuen Mut und machte sich endlich wieder ans Songschreiben. Elf Jahre nach dem Debüt erscheint nun "Mainly gestalt pornography".

Zachary Tillman beherrscht sein Handwerk. Von der ersten bis zur letzten Note wirken die zehn Songs sehr ausgereift. Die Instrumente übernahm er bei der Aufnahme fast ausnahmslos selbst, ein Zeichen auch für seine wiedergewonnene Überzeugung vom eigenen Tun. Dass die Stücke alle eher in ruhigeren Gefilden unterwegs sind, erweist sich im Verlauf der 45 Minuten nicht als Nachteil. Gönnt er der ganzen Angelegenheit doch einmal etwas mehr Tempo, überzeugt das wie in "Can we go off to the distance" ebenso. Tillman erzählt seine Geschichten mit feiner Stimme, stellt oft die Gitarre als souveränen Begleiter in den Mittelpunkt wie im tollen "Ocean's song" und verzichtet weitgehend auf große Ausbrüche. Die Texte widmen sich wichtigen Menschen, auch und gerade jenen, denen Tillman über die Jahre sein Herz schenkte. Ein Herz, das zwischenzeitlich gebrochen wirkte. Heute schlägt es wild entschlossen für seine Liebsten: "Like flowers" ist seiner Ehefrau gewidmet, "Ocean’s song" seiner Tochter. Zachary Tillman hat zu sich selbst gefunden und damit auch zum Kern seiner musikalischen Fähigkeiten.

Um die Qualität des Albums besser einschätzen zu können, empfiehlt sich übrigens ein Rückblick auf das Debüt von 2010. Auf dem selbstbetitelten Erstling mäanderte er noch recht ziellos durch die Songs, fand zu selten die stimmige Note und blieb unter dem Strich trotz unüberhörbarem Potenzial eher blass. Elf Jahre und viele persönliche Krisen später machen sich ein enormer Lerneffekt und der persönliche Veränderungsprozess bemerkbar, dessen Ergebnis das sehr gute "Mainly gestalt pornography" ist. Es könnte die Gelegenheit sein, aus dem Schatten des großen Bruders herauszutreten. Verdient hätte Zachary Tillman das allemal.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • The secret, finally
  • The moon
  • Ocean’s song
  • Stefani
  • Like flowers

Tracklist

  1. Chiron's bow
  2. The secret, finally
  3. If life is a dream
  4. The moon
  5. Ocean’s song
  6. I was a wand'rer
  7. Can we go off to the distance
  8. Old no.22
  9. Stefani
  10. Like flowers

Gesamtspielzeit: 42:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

kiste

Postings: 133

Registriert seit 26.08.2019

2022-01-15 15:25:17 Uhr
Finde ich richtig gut. Nach den ersten 2mal Anhören fehlen mir noch etwas die markanten Stellen aber der Ersteindruck ist durchweg sympathisch. Allein schon die Plattenbeschreibung schafft es, dass mir das Album gefällt. Und nebenbei: Albumcover des Jahres bisher :)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21731

Registriert seit 08.01.2012

2022-01-12 20:24:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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