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The Cutthroat Brothers And Mike Watt - Devil in Berlin

The Cutthroat Brothers And Mike Watt- Devil in Berlin

Hound Gawd! / Rough Trade
VÖ: 10.12.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die teuflischen Barbiere von der Westküste

Es rumpelt im Karton, und zwar derbe: Jason Cutthroat und Donny Paycheck, Ex-Drummer der Hardcore-Helden Zeke, sind The Cutthroat Brothers. Der Bandname ist durchaus Programm, arbeiten die beiden Freunde doch tatsächlich als Friseure in ihren eigenen Salons und stehen naheliegenderweise noch dazu auf "Sweeney Todd": Wenn die Figaros also nicht gerade ihre wehrlosen und nichtsahnenden Kunden verschwinden lassen und zu "meat pie" verarbeiten, machen sie monströsen, bluesigen Punk'n'Roll mit allen Reglern auf elf. Der ist genauso sexy, verschwitzt, diabolisch und spaßig, wie das Genre es verlangt. Da verwandelt sich der Proberaum direkt in den Titty Twister, Salma Hayek tanzt an der Stange, und gleich vor der Bar kommt es zur Schlägerei.

Für den vergangenen Record Store Day haben The Cutthroat Brothers das erste Mal mit Mike Watt am Bass kollaboriert, und der Promi, der mit Formationen wie Minutemen oder The Stooges selbst eine beeindruckende Biographie über Jahrzehnte hinweg vorzuweisen hat, kehrt für "Devil in Berlin" an die dicken Saiten zurück. Besagtes Album beschwört ein dekadentes, aber romantisches Horror-Bild der deutschen Hauptstadt, in dem Bowie und Reed gemeinsam um die Häuser ziehen, absolut nichts anbrennen lassen und Dosenbiere mit dem – höho – Bowie-Knife aufhacken. Der Moloch wird in dieser Fantasie bevölkert von Gestalten wie "Cherry", die Herzen beziehungsweise Seelen einsammelt und diese beim titelgebenden Teufel höchstpersönlich verscherbelt, während ihr gefräßige Zombies, schießwütige Cowboys und blutverschmierte Burlesque-Tänzerinnen schon auf den Fersen sind.

Die elf dreckigen Songs sind zwar reduziert, dabei aber alles andere als platt: Der garagige Morast kippt zwischendurch gerne mal in schunkeligen Rockabilly ("Been away") oder fuzziges, dunkel-düsteres Midtempo ("Cold dead night"), verlässt sich aber hauptsächlich einfach auf die stets nach vorne gehende Symbiose aus Slidegitarren-Riffing, solidem Drum-Fundament und Watts Wummern im Hintergrund. Neben dessen Beteiligung glänzt ebenfals die Produktionsseite mit Prominenz: Niemand Geringeres als Jack Endino, ohnehin ein alter Bekannter der Band, hat die Platte – in seiner tatsächlich bereits fünften Kooperation mit The Cutthroat Brothers in nur drei Jahren seit Gründung der Combo – in den heiligen Hallen seiner Soundhouse Studios im Grunge-Mekka Seattle aufgenommen. Und sich für "Like a zombie" sogar selbst an die Orgel begeben.

Zeke, The Stooges und jetzt auch noch Endino? Hier werden keine halben Sachen gemacht, sondern vier ausgewiesene Krach-Experten pushen sich gegenseitig und erfreuen sich an unterhaltsamem Schmuddelkram zwischen Midnight Movies, Motelzimmer und Geisterbahn. Erwartungsgemäß ist das Soundbild roh und noisy bis zur Ekstase, ohne jedoch die im Kontrast schon beinahe zärtlichen und maximal poppigen Melodien von Jason Cutthroat zu verschandeln, die dann Smash-Hits wie "Love, drugs, etc." gebären. Schreiben ließe sich bestimmt noch viel über "Devil in Berlin" – um es abschließend in lakonischem Boomer-Slang aber einfach mal auf den Punkt zu bringen: Rockt!

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Been away
  • Love, drugs, etc.
  • Cold dead night

Tracklist

  1. Bad candy girl
  2. Been away
  3. Devil in Berlin
  4. Love, drugs, etc.
  5. Cold dead night
  6. Magic tricks
  7. Out of our cage
  8. Kiss the moon
  9. Cherry
  10. Like a zombie
  11. Wild western

Gesamtspielzeit: 31:46 min.

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Armin

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2022-01-12 20:23:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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