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Cat Power - Covers

Cat Power- Covers

Domino / GoodToGo
VÖ: 14.01.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Un-Covers

Rund 20 Jahre ist es her, dass Chan Marshall erstmals demonstrierte, mit welcher Intensität sie sich Songs aus fremden Federn zu eigen machen kann. Auf "The covers record" prägte anno 2000 noch der karge, ominöse Indie-Blues ihrer Frühphase die Neuinterpretationen, denen meist wenig mehr als eine zurückhaltende Gitarre oder ein leises Klavier für durchschlagende Effekte ausreichte. Ob sie die Verzweiflung hinter der rebellischen Attitüde im Stones-Klassiker "(I can't get no) Satisfaction" ans Licht holte oder The Velvet Undergrounds "I found a reason" so weit reduzierte, dass es durch Mark und Bein ging: Cover haben bei Cat Power immer etwas mit Offenlegen zu tun, kehren das mithin unbewusste Innere der Songs nach außen. Das nun ähnlich schlicht betitelte "Covers" schreibt diese Bewegung fort und macht doch manches anders. Schließlich hat Marshall in der Zwischenzeit einige Wandlungen durchlaufen, noch stärker die Wurzeln und Traditionen der amerikanischen Musikgeschichte erkundet. Band-Arrangements prägen die ersten Stücke des Albums, dessen Songauswahl von der erwarteten Geschmackssicherheit gekennzeichnet ist – und doch die eine oder andere Überraschung birgt.

"Unhate" wagt das Selbst-Cover eines der düstersten Songs auf "The greatest" – dort noch "Hate" genannt – und beantwortet dessen Klaustrophobie mit weiten Keyboard-Akkorden. Paradigmatisch fürs Album? Zunächst scheint es so, denn auch die Version von Frank Oceans "Bad religion" kleidet die dramatische Anspannung und vertrackte Phrasierung des Originals in ein deutlich luftigeres, lässigeres Gewand. Lana Del Rey, längst auf ihre Art eine der besten Schülerinnen Marshalls, bekommt eine Fassung von "White Mustang" spendiert, die kalifornische Luftschlösser gegen staubige Seitenstraßen und die Sümpfe des Deltas austauscht. Bis hierhin fließt "Covers" angenehm dahin, scheint aber den emotionalen Verwüstungen seiner Ausgangsorte eine abgeklärtere Note entgegenzusetzen, ihnen ein Stück weit noch ausweichen zu wollen. "A pair of brown eyes" setzt diesem Eindruck dann ordentlich zu.

Im Auge des Sturms und im Zentrum der Kneipe ist es ganz still. Aus Shane McGowans (The Pogues) Sehnsucht macht Marshall ein Duett mit der eigenen hochgepitchten Stimme, während nostalgische Synthies das Mellotron evozieren – meisterlich gesellt sich ihre Fassung neben das Original, weit entfernt davon, kopieren zu wollen. À propos Kneipe: Auch "Here comes a regular", Paul Westerbergs (The Replacements) bewegende Erzählung über das fehlende Zuhause und den quälenden Durst, wird radikal transformiert. Marshall nimmt ihr die Rauheit und akzentuiert die zerbrechliche Seite der Selbstaufgabe in einer Klavierballade mit zarten Akustiktupfern und dem erneut gedoppelten Gesang. Dazwischen reiht sich ein gelungener Moment an den anderen. Ob Bob Segers "Against the wind" als melancholischer Dream-Pop, das wiederholt beschworene Unheil von Nick Caves "I had a dream, Joe", Jackson Brownes geschmeidiger Westküsten-Rock als intimes Folk-Stück ("These days") oder "Endless sea" als monoton-stampfender Blues, in dem Marshall mit einsilbiger Leadgitarre beweist, dass sie genauso cool wie Iggy Pop ist – bei aller Vielseitigkeit macht "Covers" mit der Zeit einen bemerkenswert geschlossenen Eindruck, führt behutsam über einen leichtfüßigen Einstieg in die Abgründe seines Materials.

Im Grunde ist der Titel also missverständlich: Coverversionen von Cat Power decken auf, sind eher "Un-Covers", respektvoll ihrem Ursprung verpflichtet und doch freimütig im Umgang. In Marshalls tief-charismatischer Stimme finden sie eine neue Artikulation, die auch dem von Billie Holiday bekannt gemachten "I'll be seeing you" so viel Wärme mitgibt. Das Gespräch endet nie: Überrascht es da irgendjemanden, dass "Covers" abschließend eine Brücke über den Abschied baut?

(Viktor Fritzenkötter)

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Highlights

  • A pair of brown eyes
  • Against the wind
  • Here comes a regular

Tracklist

  1. Bad religion
  2. Unhate
  3. Pa pa power
  4. White Mustang
  5. A pair of brown eyes
  6. Against the wind
  7. Endless sea
  8. These days
  9. It wasn't God who made honky tonk angels
  10. I had a dream, Joe
  11. Here comes a regular
  12. I'll be seeing you

Gesamtspielzeit: 43:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

captain kidd

Postings: 3381

Registriert seit 13.06.2013

2022-01-16 17:49:38 Uhr
Das Frank-Ocean-Cover ist gruselig.

Hierkannmanparken

Postings: 97

Registriert seit 22.10.2021

2022-01-16 17:20:45 Uhr
Gefällt mir sehr gut, das Ganze ist wie aus einem Guss. Und da ich die Lieder vorher nicht kannte, bleibt Cat Power als Musikerin und Vermittlerin im Mittelpunkt.

Schön finde ich, was ich bisher durch die Songauswahl gelernt hab, zb wie Iggy Pop mit bürgerlichem Namen heißt oder dass Ryan Gosling ein gar nicht so schlechtes Musikprojekt hatte. :)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22458

Registriert seit 08.01.2012

2022-01-12 20:22:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22458

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-07 18:31:25 Uhr - Newsbeitrag
CAT POWER
KÜNDIGT NEUES ALBUM ‚COVERS‘ FÜR DEN 14.JANUAR 2022
ERSTE SINGLE IST FRANK OCEANS ‚BAD RELIGION'


Cat Power, die Sängerin, Songwriterin, Musikerin und Produzentin Chan Marshall, wird ihr neues Album Covers am 14. Januar 2022 über Domino veröffentlichen. Gestern Abend stellte Cat Power die erste Single, eine Neuinterpretation von Frank Oceans Bad Religion, in der The Late Late Show mit James Corden vor.





Chans persönliches Lieblingsstück des Albums ist eine Coverversion von A Pair Of Brown Eyes von den Pogues.

Hört den Track HIER



Coversongs haben schon immer eine wichtige Rolle in Chan Marshalls Kanon gespielt und Covers vervollständigt eine Art Trilogie, die den beliebten früheren Cat Power-Sammlungen Jukebox (2008) und The Covers Record (2000) folgt. Während sie mit den Songs, die sie covert, immer wieder für Überraschungen sorgt, ist es Marshalls totale Hingabe an die Performance - die den Songs eine kreative Einzigartigkeit verleiht, die mit ihren Originalen konkurriert -, die Cat Power-Cover so besonders macht. Laut Pitchfork kann Marshall "einen Song neu arrangieren, indem sie ihn einfach anschaut".

Covers wurde komplett von Marshall produziert und enthält völlig neu interpretierte Songs von Frank Ocean, Bob Seger, Lana Del Rey, Jackson Browne, Iggy Pop, The Pogues, Nick Cave und The Replacements und anderen, sowie eine aktualisierte Version ihres eigenen Songs Hate von The Greatest (2006), der für dieses Album in Unhate umbenannt wurde.

Marshalls Interpretation von Bad Religion entstand, nachdem sie das hasserfüllte Original In Your Face aus dem 2018 erschienenen Album Wanderer auf Tournee gespielt hatte: “That song was bringing me down,” gesteht sie. “So I started pulling out lyrics from ‘Bad Religion’ and singing those instead of getting super depressed. Performing covers is a very enjoyable way to do something that feels natural to me when it comes to making music.”

Covers schließt mit einer ausdrucksstarken Interpretation des von Billie Holiday interpretierten Standards I'll Be Seeing You, die von den jüngsten Verlusten in Marshalls kreativem innerem Kreis inspiriert wurde. 2019 verstarb Phillippe Zdar, der an ihrem 20213er Album Sun mitgewirkt hatte, auf tragische Weise. “When people who you love have been taken from you, there’s always a song that holds their memory in your mind,” sagt Marshall . “It’s a conversation with those on the other side, and it’s really important for me to reach out to people that way.”

Covers ist das erste Album von Cat Power seit Wanderer, ihrem vielbeachteten Domino-Debüt von 2018, das begeisterte Kritiken und Beiträge in der New York Times, The Guardian, The Cut, einem NPR Tiny Desk und ein Duett mit Lana Del Rey auf Woman einbrachte, das The New Yorker ein "zitterndes Manifest" nannte. Marshalls Arbeit als Cat Power hat sich über Genres und Konventionen hinweggesetzt, und ihr Vermächtnis zieht sich durch die Arbeit einer Vielzahl zeitgenössischer musikalischer Koryphäen. Einst war sie das Gesicht von Chanel, und über ihre Musik "wird man eines Tages so sprechen, wie man über die Musik von Bob Dylan oder Neil Young spricht, aber bis dahin befindet sie sich im Grenzbereich zwischen Kultliebling und weithin anerkanntem Genie" (Vulture).




Covers - Tracklistig

1. Bad Religion - Frank Ocean
2. Unhate - Cat Power - Chan Marshall
3. Pa Pa Power - Dead Man’s Bones
4. A Pair of Brown Eyes - The Pogues
5. Against the Wind - Bob Seger
6. Endless Sea - Iggy Pop
7. These Days – Jackson Browne
8. It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels - Kitty Wells
9. I Had a Dream Joe - Nick Cave
10. Here Comes a Regular - The Replacements
11. I’ll Be Seeing You - Billie Holiday

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