Laika - Wherever I am I am what is missing

Laika- Wherever I am I am what is missing

Beggars / Zomba
VÖ: 20.10.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Lost in space

Auf eines können sich Margaret Fiedler und Guy Fixsen alias Laika verlassen: Kaum jemand, der Augen im Kopf hat, wird es wagen, ihre neue CD zu brennen. Denn das kunstvoll gestaltete Digi-Pack, mit dem "Wherever I am I am what is missing" in die Läden kommt, entpuppt sich als wahrer Blickfang. Mit dem schönen Artwork und dem edel aufgemachten Booklet könnte das Album sogar einen veritablen Wandschmuck abgeben, was bei einem blanken Rohling ja nur bedingt zutrifft. Musikalisch wie lyrisch betreibt das britische Elektro-Duo nach dem opulenten "Good looking blues" auf ihrem vierten Album jedoch extreme Selbstreduktion.

Zwar schwirren Laika in ihrem Raumschiff immer noch zwischen TripHop, Drum'n'Bass und Postrock kreuz und quer durch das All, aber die Songs sind mehr in sich gekehrt. Mit Bass, Keyboard und Percussion nur sparsam instrumentiert, erzeugt "Wherever I am I am what is missing" einen Sound-Kosmos, der nicht gerade leicht zugänglich ist. Neuerdings umspielen zwar auch mal poppige Melodien die monotonen Vocals von Fiedler, aber von Easy Listening sind Laika immer noch Lichtjahre entfernt.

Dafür beherrschen die kleinen und großen Emotionen das Album. Tagträumereien, das Vermissen, das Warten auf Jemanden und nicht zuletzt eine gewisse Klaustrophobie. Zeilen wie "Silence please now I dont want a word / Got deep in trouble and my hands got burnt / Ain't nobody love me that's how I got here / With pockets full of nothing and a headful of fear" sprechen für sich. Vielleicht liegt es an dem allgegenwärtigen Gefühl der Enge, daß die Songs einen nervösen Eindruck machen. Von Ausnahmen wie "Girl without hands" oder dem hübschen "Dirty bird" abgesehen wirken manche Nummern wie gehetzte Hunde, die sich im viel zu kleinen Zwinger unentwegt anspringen. Drummachines und Sequenzer bauen ein nervöses Beat-Gerüst auf, das verzweifelt versucht, mit dem unnahbaren Gesang von Fiedler eine Symbiose einzugehen. Die Laika-Sängerin wirkt dabei wie ein schwebender Ruhepol, der ähnlich einem schwarzen Loch alles aufsaugt, was sich in den Weg stellt. Das klingt zwar streckenweise faszinierend, ist aber auch reichlich anstrengend.

Denn was Fixsen und Fiedler bei dem hypnotischen Sound-Duell verloren geht, ist das Gespür für die Songs, die oftmals irgendwo anfangen und im Nirgendwo wieder enden. Deshalb bleibt "Wherever I am I am what is missing" eine zwiespältige Angelegenheit. Ein Album, das zwar vieles kann, aber zu wenig richtig macht. Das Gefühl vermitteln will, aber zu distanziert wirkt, um wirklich nahe zu gehen. Das nur Halt geben kann, wenn man bereit ist, tief in den Laika-Sog einzutauchen. Dann jedoch offenbaren Laika einen Sound-Kosmos, der so groß wirkt wie das All. Nur nicht so weit entfernt.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • Girl without hands
  • Falling down
  • Dirty bird

Tracklist

  1. Girl without hands
  2. Falling down
  3. Alphabet song
  4. Barefoot blues
  5. Leaf by leaf
  6. Diamonds & stones
  7. Dirty bird
  8. Fish for nails
  9. Oh
  10. King Sleepy

Gesamtspielzeit: 42:02 min.

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