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Xeno & Oaklander - Vi/deo

Xeno & Oaklander- Vi/deo

Dais / Cargo
VÖ: 22.10.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Bonsoir tristesse

Was riecht denn hier so interessant? Ach so, es gibt etwas Neues von Xeno & Oaklander. Na dann ist ja alles klar. Bereits die Vinyl-Version des 2014er-Longplayers "Par avion" verströmte Rosenaroma, und auch der akustischen Landschaftsgärtnerei von "Topiary" haftete zwei Jahre später zumindest gefühlt dezentes Düfteln an. Liz Wendelbo, die französisch-norwegische Hälfte der zwei Brooklyner, kreiert nämlich auch Parfums und arbeitet als multidisziplinäre Konzeptkünstlerin mit Schwerpunkt Synästhesie. Es steckt also viel drin im Titel des siebten Studioalbums "Vi/deo": die Vermischung sensorischer Eindrücke, geruchsneutralisierendes Körperpflegemittel hinter dem Schrägstrich und nach digitalen Maßstäben vorsintflutliche Technologie zur Wiedergabe bewegter Bilder. Da verwundert es nicht, dass von jeher die Ausdünstungen der Achtziger durch den klinisch sauberen Minimal-Elektro des Duos wehen und zauberhafte Stücke wie "Sheen" oder "Marble" vor allem durch die unwahrscheinliche Eleganz der Sterilität überzeugten.

Eine Versuchsanordnung, angesichts derer man schnell mit dem Begriff Cold Wave bei der Hand ist – das Eisige hat Wendelbos musikalischer Partner Sean McBride jedoch in sein Soloprojekt Martial Canterel ausgelagert. Von Xeno & Oaklanders streng analogen Vierminütern hingegen geht auch auf "Vi/deo" eine mysteriöse Wärme aus – was vor allem an Wendelbo liegt, die gesanglich zwischen ätherischem Rauschgoldengel und androider Flüstertüte changiert, während die Maschinen dezent pumpen und ständig kleine Sequenzen und Melodietupfer durch die Songs hüpfen. Klingt verspielt und knuffig-naiv, ist aber im Grunde seines synthetisch flimmernden Herzens immer von der "Infinite sadness" durchdrungen, die dem Opener seinen Titel gibt. Und wer hier oder beim sanft französelnden "Afar" von den Achtzigern redet, sollte nicht nur New Wave, sondern auch dünnstimmige Chart-Pop-Sternchen wie Valerie Dore oder Stéphanie von Monaco auf dem Schirm haben. Bonsoir tristesse – trotzdem ziemlich "irresistible".

Genau wie der Rest dieses Albums, das sich mit hochgefahrener Saftigkeit wohltuend vom mitunter etwas körperlosen Geklöppel seiner Vorgänger abhebt und bei "Technicolor" oder "Television" einen so charmanten Stauneblick pflegt, als wären diese Errungenschaften des Fortschritts erst gestern auf die Menschheit losgelassen worden. Oder wenigstens zeitgleich mit dem dick auftrumpfenden Synthie-Bass, der "Poison" zu einem gleichzeitig flauschigen und extrem kickenden Monster-Track aus der neondurchfluteten Hexenküche aufbläst. Auch "Gain" lässt die Elektronik heißlaufen und setzt einen reizvoll zischigen Widerpart zu den beständig morphenden Sound-Wölkchen, aus denen in den meisten Songs spitzfindige Harmonieperlen tropfen – wie der Niederschlag im mit flinken Fingern gespielten Prachtstück "Raingarden", bei dem zum Schluss noch einmal alle Sinne überzulaufen drohen. Und verduftet "Vi/deo" schon nach einer guten halben Stunde, ist längst klar: Wendelbo und McBride hatten mal wieder den richtigen Riecher.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Poison
  • Afar
  • Raingarden

Tracklist

  1. Infinite sadness
  2. Poison
  3. Afar
  4. Technicolor
  5. Television
  6. Gain
  7. Movie star
  8. Raingarden

Gesamtspielzeit: 33:18 min.

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Armin

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2021-12-20 20:25:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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