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The Specials - Protest songs 1926-2012

The Specials- Protest songs 1926-2012

Island / Universal
VÖ: 01.10.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Nur unter Protest

The Specials, hierzulande hauptsächlich für ihre zweite Single "A message to you Rudy" bekannt, bildeten in ihrer britischen Heimat Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre gemeinsam mit Madness die Speerspitze der in dieser Zeit sehr populären Ska-Szene. Der mit einem Hauch von Punk und New Wave versehene Sound mit stark politischen Texten, die sich mit Polizeigewalt, Massenarbeitslosigkeit und Rassismus beschäftigen, war seinerzeit so populär, dass The Specials innerhalb von nur zwei Jahren sieben Top-Ten-Hits verbuchen konnten. Auch diverse Pausen und personelle Wechsel über die nächsten vierzig Jahre hinweg taten dem Kultstatus der Band im Vereinigen Königreich keinen Abbruch, sodass das Comeback-Album "Encore" 2019 an die Spitze der Charts schoss.

Betroffen vom Mord an George Floyd, inspiriert durch die anschließenden Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung und eh an einer Schreibblockade leidend, beschlossen die drei verbliebenen Mitglieder des klassischen Line-ups, sich an einer Kompilation von Protestsongs aus den letzten knapp 100 Jahren zu versuchen. Allzu offensichtliche Kandidaten für eine solche Zusammenstellung wie Lennons "Give peace a chance" oder Dylans "The times they are a-changin'" bleiben auf "Protest songs 1926-2012" jedoch außen vor. Ebenso ergeht es dem Ska-Sound als prototypischem Genre, mit dem die Band bekannt wurde. Stattdessen schöpfen The Specials bei ihren Quellen aus dem Fundus der Popmusik quer über alle Genregrenzen hinweg und bedienen sich bei Gospel und Folk ebenso wie bei Rock und New Wave.

Der Opener "Freedom highway", den die Staple Singers für den Marsch der Bürgerrechtsbewegung von Selma nach Montgomery geschrieben hatten, behält mit trockenem Groove und Mundharmonika den souligen Rhythmus des Originals bei und enthält die erste von vielen für das Album programmatischen Zeilen: "There is just one thing / That I don't understand / Why some folks think that freedom / Is not for everyone". Leonard Cohens Apokalypse-Schunkler "Everybody knows" kommt dann sehr erfrischend als lässiges Dub-Piano-Stück daher, bevor das folkige "I don't mind failing in this world", eine erfrischende Hymne auf Nonkonformität und gegen Selbstoptimierung, ein erstes Highlight des Albums darstellt. Das älteste hier vertretene Stück ist das häufig gecoverte "Ain’t gonna let nobody turn us around", welches hier a cappella mit Handclaps beginnt, bevor eine wütend verzerrte Gitarre und ein Orgelsolo der kämpferischen Aussage den obligatorischen Punch verleihen.

In der Neuauflage von Frank Zappas "Trouble every day" brilliert Steve Craddock, den manche vielleicht noch von den Britpop-Zweitligisten Ocean Colour Scene kennen, mit sattem Gitarrensound. Und auch Sängerin Hannah Hu bestätigt mit ihrem unter die Haut gehenden Vortrag des hypnotischen "Listening wind" den sehr gelungenen Einsatz diverser Gastmusiker. Zum Abschluss dekonstruieren The Specials das wohl bekannteste Stück des Albums, nämlich Bob Marleys "Get up, stand up" zu einem nur ganz spartanisch akustisch begleiteten Sprechgesang vom aus Jamaika stammenden Specials-Gitarrist Lynval Golding, der die nach wie vor an so vielen Stellen unverändert relevante Aussage des Songs und tatsächlich des gesamten Albums in den Vordergrund rückt: "Don't give up the fight".

(Michael Albl)

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Highlights

  • I don't mind failing in this world
  • Ain’t gonna let nobody turn us around
  • Listening wind
  • Get up, stand up

Tracklist

  1. Freedom Highway
  2. Everybody knows
  3. I don't mind failing in this world
  4. Black, brown and white
  5. Ain't gonna let nobody turn us around
  6. Fuck all the perfect people
  7. My next door neighbor
  8. Trouble every day
  9. Listening wind
  10. I live in a city
  11. Soldiers who want to be heroes
  12. Get up, stand up

Gesamtspielzeit: 45:21 min.

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Armin

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2021-12-20 20:22:57 Uhr - Newsbeitrag
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