Listen


Banner, 120 x 600, mit Claim

Taylor Swift - Red (Taylor's version)

Taylor Swift- Red (Taylor's version)

Republic / Universal
VÖ: 12.11.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jung, dynamisch und erfolgreich

"How can a person know everything at 18 and nothing at 22?" Die Lektionen von "Fearless" – auf "Red" bereits vergessen? Schon möglich. Taylor Swift geht es in der eingangs gestellten Frage zwar eher um die öffentliche Wahrnehmung ihrer Person, aber "Red" aus dem Jahr 2012 ist vor allem ein Werk des ständigen Kreisens um aktuelle und vergangene Liebschaften, zwischen Freuden- und Trauer-Tränen. "I don't know about you / But I feel 22." Da ist diese Zahl schon wieder. "Red (Taylor's version)", dem zweiten neu aufgenommenen Werk innerhalb des Swiftschen Mammutprojekts, gelingt das Kunststück, jene Sturm-und-Drang-Phase auch mit einer um fast ein Jahrzehnt gereiften Persönlichkeit und Stimme einzufangen. Nicht umsonst gilt das Original unter den Poptimisten gemeinhin als Swifts beste Platte und dementsprechend hoch sind die Erwartungen an "Red (Taylor's version)". Sie werden erfüllt, teils übertroffen.

Anteil haben daran auch die erneut enthaltenen, bislang unveröffentlichten "From the vault"-Songs, neun an der Zahl. Darunter befindet sich das schöne eingangs zitierte "Nothing new", das fast mehr nach der gastierenden Phoebe Bridgers klingt. Gelungen ist auch "I bet you think about me", das Duett mit Country-Superstar Chris Stapleton. "Mr. Superior Thinking / Do you have all the space that you need?", fragen die beiden unisono zu wiegender Begleitung. Das Unterhaltsame an "Red" ist ja immer, dass man rätseln kann, ob nun Jake Gyllenhaal, Harry Styles oder John Mayer gemeint ist, wenn ein scharfkantiger Diss kommt: "I bet you think about me / When you're out on your cool indie music concerts." Nun gut, seitdem hat Swift mit diesem coolen Indie-Typen selbst zusammengearbeitet. Links liegen lassen kann man dagegen eher die etwas überdrehten "Message in a bottle" und "The very first time" – die besseren rhythmisch nach vorne gehenden Tracks hat das Album selbst.

Zu diesem schlägt die abschließende, mythenumrankte 10-Minuten-Fassung des ohnehin schon tollen "All too well" die Brücke. (Die neue Version trägt den offiziellen Titel "All too well (10 minute version) (Taylor's version) (From the vault)". No shit.) Etwas reduzierter, dafür noch soghafter lässt sich Swift in einen Strudel aus Erinnerungen an vergangene Zeiten fallen: "There we are again on that little town street / You almost ran red 'cause you were looking over at me / Wind in my hair, I was there / I remember it all too well." "All too well" straft auch das Image von "Red" Lügen, es sei die schamlose Hinwendung zu Trendhascherei. Klar, "We are never ever getting back together" war als schwächster Song damals eine blöde Wahl für die erste Single. Und im wenigstens schmissigen "I knew you were trouble" gibt es so etwas wie einen Dubstep-Drop. Remember Dubstep? Wirklich gut gelingt nur "22" die Pop-Sause.

Doch das ist nur die halbe Geschichte. "State of grace" und "Red" eröffnen die Platte äußerst gitarrenlastig, "The last time" mopst sich von Snow Patrols Gary Lightbody dessen Pathos und sowohl "Sad beautiful tragic" als auch "Begin again" sind in ihrer countryesken Schlichtheit bewegend. Ganz abgesehen von den starken ursprünglichen Bonustracks. Besonders "The moment I knew" drückt mit der Dramatik im Refrain fulminant die Enttäuschung über einen versetzenden Lover aus. "Girl at home" ist derweil das einzige Stück, das von Gitarrenpop zu schmissigem Synthsound für die "Taylor's version" hörbar umgekrempelt wurde – erfolgreich. Am tiefsten dringt "Red (Taylor's version)" jedoch bei "Ronan" durch. Swift schrieb diese Charity-Single, als sie den Blog einer Mutter las, deren dreijähriger Sohn an Neuroblastom erkrankte und letztlich starb. Wenn sie "Come on baby, we'll fly away from here / You were my best for years" singt, lässt das keinesfalls kalt.

Für stattliche 30 Tracks in über zwei Stunden ist "Red (Taylor's version)" bemerkenswert konstant. Sicher, die Vorlage konnte bereits die üppige Spielzeit trotz weniger Schwachstellen locker rechtfertigen. Das Zusatzmaterial kann sich derweil nicht nur hören lassen, sondern hält mit der Standardvariante mit und das, obwohl nun gleich zwei Mal Ed Sheeran zu hören ist. 2012 war nicht nur für den die Welt noch mit Sicherheit eine andere. In 2021 einen kleinen Flashback zu haben, sich selbst in die Phase Anfang 20 transportieren zu lassen – sofern man die überhaupt schon überschritten hat –, ist eine willkommen Abwechslung. "Red" beweist derweil, den Test der Zeit bestanden zu haben. Vielleicht besser als manch "indie record that's much cooler than mine".

(Felix Heinecker)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • State of grace (Taylor's version)
  • Red (Taylor's version)
  • Holy ground (Taylor's version)
  • Sad beautiful tragic (Taylor's version)
  • Begin again (Taylor's version)
  • The moment I knew (Taylor's version)
  • Girl at home (Taylor's version)
  • Ronan (Taylor's version)
  • All too well (10 minute version) (Taylor's version) (From the vault)

Tracklist

  1. State of grace (Taylor's version)
  2. Red (Taylor's version)
  3. Treacherous (Taylor's version)
  4. I knew you were trouble (Taylor's version)
  5. All too well (Taylor's version)
  6. 22 (Taylor's version)
  7. I almost do (Taylor's version)
  8. We are never ever getting back together (Taylor's version)
  9. Stay stay stay (Taylor's version)
  10. The last time (Taylor's version) (feat. Gary Lightbody of Snow Patrol)
  11. Holy ground (Taylor's version)
  12. Sad beautiful tragic (Taylor's version)
  13. The lucky one (Taylor's version)
  14. Everything has changed (Taylor's version) (feat. Ed Sheeran)
  15. Starlight (Taylor's version)
  16. Begin again (Taylor's version)
  17. The moment I knew (Taylor's version)
  18. Come back ... be here (Taylor's version)
  19. Girl at home (Taylor's version)
  20. State of grace (Acoustic version) (Taylor's version)
  21. Ronan (Taylor's version)
  22. Better man (Taylor's version) (From the vault)
  23. Nothing new (Taylor's version) (From the vault) (feat. Phoebe Bridgers)
  24. Babe (Taylor's version) (From the vault)
  25. Message in a bottle (Taylor's version) (From the vault)
  26. I bet you think about me (Taylor's version) (From the vault) (feat. Chris Stapleton)
  27. Forever winter (Taylor's version) (From the vault)
  28. Run (Taylor's version) (From the vault) (feat. Ed Sheeran)
  29. The very first night (Taylor's version) (From the vault)
  30. All too well (10 minute version) (Taylor's version) (From the vault)

Gesamtspielzeit: 130:40 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Francois

Postings: 292

Registriert seit 26.11.2019

2021-12-11 08:10:02 Uhr
hach,.... die 10min All too well Version ist eine ihrer zahlreichen besten Songs - und auch des Jahres 2021...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21765

Registriert seit 08.01.2012

2021-12-10 23:17:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify