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The Ocean - Phanerozoic live

The Ocean- Phanerozoic live

Pelagic / Metal Blade / Sony
VÖ: 26.11.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Energiewende

Wenn man es ganz genau nimmt, ist alleine schon die Idee völlig bescheuert. Okay, über die Gründe für und wider Streaming-Konzerte muss nun wahrlich nicht mehr diskutiert werden, jede Band, die in der Pandemie diese Möglichkeit nutzt, dürfte ihre validen Gründe dafür haben. Und für sich genommen ist es eigentlich auch ganz okay, ganze Alben am Stück während einer Show zu spielen, um eben jenes Gesamtkunstwerk darzustellen. Haben ja schließlich schon Pink Floyd mit "The dark side of the moon" gemacht. Aber gleich zwei Alben, auch wenn sie ein zusammenhängendes Konzept bilden, als Streaming-Show zu spielen, ohne eben die Zuschauer-Reaktionen einfangen zu können – das ist schon gewagt. Denn im Grunde genommen kann man sich dann auch die zwei Studioplatten am Stück anhören, oder?

Naja, es sei denn, die Band heißt The Ocean, deren letzte als Studioalbum getarnte Geologie-Facharbeiten "Phanerozoic I: Paleozoic" und "Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic" geradezu meisterhaft die große Bandbreite des Berliner Post-Metal-Kollektivs demonstrierten – auch ohne einschlägiges Studium. Und genau diesen Facettenreichtum bilden The Ocean mit "Phanerozoic live" ab. Denn die erste Hälfte, also die Zeitspanne des Paläozoikum, wurde im Pier 2 in Bremen im Zuge der dortigen "Club 100"-Serie aufgenommen, in der der Clubs Bands die Möglichkeit bot, ihre Shows dort zu streamen. Das heißt natürlich große Bühne, große Pose, volles Licht – eine Umgebung, in der die Wucht, die Dynamik von Songs wie dem üppigen "Silurian: Age of sea scorpions" oder dem apokalyptischen "Permian: The great dying" voll zum Tragen kommt.

Szenenwechsel, sowohl in der beschriebenen Erdgeschichte als auch in der Konzertlocation. Kurz nach dem Auftritt in Bremen zog sich die Band in ein Studio zurück, welches in einer alten Mühle in einem kleinen Kaff unweit von Bremen untergebracht ist. Und hier demonstrieren The Ocean Zusammenhalt – keine große Bühne, sondern zusammenrücken im Proberaum. Ganz klassisch im Kreis aufgestellt, lassen die Berliner das Kollektiv als Organismus funktionieren, der förmlich atmet, der sich aber auch wie im Fall von "Triassic" oder auch "Jurassic | Cretaceous" an seiner eigenen Energie förmlich berauscht, scheinbar mühelos die Klangwände aufbaut, während Frontmann Loïc Rossetti noch beeindruckender zwischen Klargesang und geradezu verzweifelt herausgebrüllten Passagen wechselt.

Genau das ist der Moment, an dem die Begeisterung über diese Platte zunächst einen Dämpfer bekommt. Denn was hätte man darum gegeben, diese Energie, diese dichte Atmosphäre, diese Magie auf einer Bühne erleben zu dürfen. Doch gerade die Intimität der Aufnahmen des zweiten Teils lässt uns daran teilhaben, lässt uns diesen pulsierenden Klangkörper spüren. Und plötzlich ergibt alles einen Sinn. Das Kollektiv von The Ocean funktioniert eben sowohl auf großer Bühne als auch in der engen Umgebung des Studios. Und wird so zum Teil des Gesamtkunstwerks der beiden Studioalben, die mit "Phanerozoic live" kongenial umgesetzt werden. Näher ist man der Band wohl noch nie gekommen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Silurian: Age of sea scorpions (Live in Bremen)
  • Permian: The great dying (Live in Bremen)
  • Triassic (Live at Roadburn Redux)
  • Jurassic – Cretaceous (Live at Roadburn Redux)

Tracklist

  • Part 1
    1. The Cambrian explosion (Live in Bremen)
    2. Cambrian II: Eternal recurrence (Live in Bremen)
    3. Ordovicium: The glaciation of Gondwana (Live in Bremen)
    4. Silurian: Age of sea scorpions (Live in Bremen)
    5. Devonian: Nascent (Live in Bremen)
    6. The Carboniferous rainforest collapse (Live in Bremen)
    7. Permian: The great dying (Live in Bremen)
  • Part 2
    1. Triassic (Live at Roadburn Redux)
    2. Jurassic – Cretaceous (Live at Roadburn Redux)
    3. Palaeocene (Live at Roadburn Redux)
    4. Eocene (Live at Roadburn Redux)
    5. Oligocene (Live at Roadburn Redux)
    6. Miocene – Pliocene (Live at Roadburn Redux)
    7. Pleistocene (Live at Roadburn Redux)
    8. Holocene (Live at Roadburn Redux)

Gesamtspielzeit: 103:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Sheesh

Postings: 277

Registriert seit 27.09.2021

2021-12-10 23:19:42 Uhr
Ein Punkt zu wenig.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21765

Registriert seit 08.01.2012

2021-12-10 23:16:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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