Listen


Banner, 120 x 600, mit Claim

Explosions In The Sky - Big Bend (An original soundtrack for public television)

Explosions In The Sky- Big Bend (An original soundtrack for public television)

Temporary Residence / Cargo
VÖ: 01.10.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In Schönheit erstarrt

Sehnsuchtsort USA? Schwierig. Nicht erst seit Bleichmittel schlürfenden Ex-Präsidenten und verstärkt in den Fokus gerückter rassistischer Polizeigewalt lässt sich das "land of the free" nicht mehr guten Gewissens idealisieren. Doch in manchen Aspekten sind die Vereinigten Staaten durchaus noch zu beneiden. Für ihre traumhaft schönen Prärie- und Wüstenlandschaften etwa, oder für die Tatsache, dass sie für die Scores ihrer öffentlich-rechtlich produzierten Naturdokus mal eben eine international anerkannte Post-Rock-Koryphäe engagieren können. "Big Bend: The wild frontier of Texas" heißt ein PBS-Film über die Flora und Fauna des gleichnamigen Nationalparks an der texanisch-mexikanischen Grenze und niemand Geringeres als Explosions In The Sky haben den Soundtrack dazu beigesteuert. Wer sowieso schon Albumtitel wie "The Earth is not a cold dead place" und "The wilderness" im Repertoire hat, ist auch prädestiniert dafür, das Jagdverhalten nordamerikanischer Eulen zu vertonen, doch auch ohne Begleitbilder funktioniert "Big Bend (An original soundtrack for public television)" wunderbar.

"Chisos" – benannt nach einer Gebirgskette im Park – etabliert gleich zu Beginn die unaufgeregte Stimmung der Platte. Sanfte Gitarren formen sich mit Piano und Glockenspiel-Synths zum folkigen Wohlklangsdestillat, das selbst nach Einsetzen der Drums nicht auf einen allzu offensichtlichen Höhepunkt zusteuert, sondern in Schönheit erstarrt. Die Texaner bewegen sich fast ausschließlich im softeren Spektrum ihres Schaffens und zollen damit einem ungetrübten Naturidyll Tribut. Zwischen fließenden akustischen Saiten und dem Windhauch gemächlicher Beats lässt sich in "Climbing bear" und "Woodpecker" das vom menschlichen Blick ungerührte Treiben der titelgebenden Tiere lebhaft vorstellen. Die tapsige Violine von "Swimming" fügt sich ebenso perfekt in die Landschaft und auch "Cubs" kanalisiert mehr Euphorie als Wut, wenn es mit unerwarteter Schlagzeug-Wucht zum Gipfelsturm ansetzt.

Was sich nach Post-Rock-Easy-Listening liest, ist genau das auch teilweise. Doch das ist überhaupt nicht schlimm – schließlich würde es dem Soundtrack-Charakter von "Big Bend" widersprechen, wenn es stets die volle Aufmerksamkeit beanspruchen würde. Als Meister ihres Fachs verstehen es Explosions In The Sky zudem, sich auch in der Subtilität dynamisch zu präsentieren: Sei es in einem einzelnen Song wie dem Bierdeckel-Epos "Sunrise" oder in der Dramaturgie des ganzen Albums, das in seiner Progression alle vier Jahreszeiten mitnimmt. Auf das neugierig blinzelnde "Spring" folgen kurze Zeit später die in der Mittagssonne dösenden Ambient-Texturen von "Summer", ehe "Autumn" und "Winter" der weniger gemütlichen Wetterlagen entsprechend auch beunruhigenderen Tönen Raum geben.

Letztgenannte Tracks stehen damit sinnbildlich für eine zweite Albumhälfte, in der wiederholt dunkle Wolken über den Park ziehen. Die wundervolle Piano-Melodie von "Nightfall" brandet an Drones und Tribal-artigen, aggressiven Drums, die in gedämpfterer Form auch das leicht noisige "Owl hunting" anpeitschen. "Pallid bats" steigt in die Reverb-Höhle hinab, während "Bird family" wahrlich ein perkussives Vogelkonzert anstimmt. Sind die Störgeräusche hier noch relativ zu verstehen, klingt der sechsminütige Closer so, als würde er das in der vorigen knappen Stunde akustisch modellierte Leben zu Grabe tragen. Dass Explosions In The Sky diesen Song "Human history" nennen, setzt ein klares und vielleicht bitter nötiges Statement. Doch wer das Unheil angerichtet hat, hält dessen Umkehr ganz in der eigenen Hand.

(Marvin Tyczkowski)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Chisos
  • Nightfall
  • Human history

Tracklist

  1. Chisos
  2. Climbing bear
  3. Woodpecker
  4. Spring
  5. Flying
  6. Camouflage
  7. Swimming
  8. Stories in stone
  9. Summer
  10. Nightfall
  11. Owl hunting
  12. Sunrise
  13. Big horns
  14. Autumn
  15. Cubs
  16. Pallid bats
  17. Rains legacy
  18. Bird family
  19. Winter
  20. Human history

Gesamtspielzeit: 56:44 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

keenan

Postings: 4103

Registriert seit 14.06.2013

2022-01-25 10:18:02 Uhr
*lol* im abspann wird die band mit "explosions in the CITY" genannt

eigentlich total peinlich sowas und respektlos!!!

Akim

Postings: 159

Registriert seit 17.04.2016

2022-01-25 09:12:19 Uhr
Bitte bitte.

keenan

Postings: 4103

Registriert seit 14.06.2013

2022-01-25 07:37:56 Uhr
DANKE :-))!!!

sizeofanocean

Postings: 865

Registriert seit 27.01.2020

2022-01-24 21:58:44 Uhr
sehr cool, danke für den Link

Akim

Postings: 159

Registriert seit 17.04.2016

2022-01-24 21:20:28 Uhr
Für irgendwas müssen die Öffentlich-rechtlichen ja gut sein ;)

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/erlebnis-erde/videos/big-bend-amerikas-wildeste-grenze-video-102.html
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify