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Yvonne Catterfeld - Change

Yvonne Catterfeld- Change

Veritable / Rough Trade
VÖ: 03.12.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nicht einfach

"Bum – so knallt Liebe rein / Bum – der Countdown auf 10 / Und die Welt hört auf, sich zu drehn." Das sang Yvonne Catterfeld auf ihrer ersten Single "Bum", die 2001 erschien. Stilistisch erinnert der Song stark an Destiny's Child – und war ein kommerzieller Flop. Dennoch wirkt "Bum" bis heute nach, denn das Lied hat eine Gemeinsamkeit mit Yvonne Catterfelds neuem Album "Change": In beiden Releases hört man, wie nahe sich Catterfelds Musikstil an dem von Beyoncé bewegen kann. Ist die titelgebende Veränderung auf "Change" also nur eine Kopie? Nein. Denn im direkten Vergleich zu ihren ersten Versuchen als Sängerin zeigt das Album, wie viel musikalische Meisterschaft sich die heute 41-Jährige in den letzten beiden Jahrzehnten angeeignet hat.

Gleich im Opener "Change" macht Catterfeld deutlich, dass sie nicht nur musikalisch ihren Horizont erweitert hat, sondern sich auch mit der gesellschaftlichen Situation auseinandersetzt. "The world has forgotten how to stop", singt sie im Titeltrack, mit dem sie im März 2020 den ersten Lockdown verarbeitet hat. Seitdem hat "Change" nichts an Aktualität eingebüßt. Was nicht unbedingt an der noch immer akuten Corona-Situation liegt, sondern weil es ein gelungener Pop-Song ist, der keine Krise nötig hat, um ins Ohr zu gehen.

Mit "Patience" und "Back in July" kommen dann gleich zwei weitere Nummern, die als Single ausgekoppelt wurden, und man kann sich fragen, ob das Album bereits zum Auftakt seine Highlights verschießt. Aus Chartsicht ist das definitiv so. "Patience" und "Back in July" wären um die Jahrtausendwende unvermeidliche Hit-Singles gewesen. Heute sind sie das eher nicht, aber sie zeigen, wie frisch einige R'n'B-Elemente der frühen Nullerjahre auch in der Gegenwart noch sein können.

Als Sängerin muss sich Yvonne Catterfeld vor keiner Popstimme verstecken. Bei einigen Tracks kann man sich aber trotzdem nach dem Tiefgang sehnen, den andere Interpretinnen oder Bands da hineingelitten hätten. Das ganze Arrangement von "Wake up" wäre etwa eine schmerzhaft perfekte Vorlage für Amy Winehouse. Doch auch Catterfeld beschwört darin mit Hilfe eines Gospelchors einen energetischen Groove herauf. Viel introvertierter tritt sie in "Tip toe" auf. Der Song klingt ein bisschen, als hätten ihn The xx im Starbucks auf eine Serviette skizziert und dort vergessen. Die Powerballade "Broken", gegen Ende des Albums, strahlt gar halohaft vor sich hin.

Dass diese Anspielungen möglich, aber nicht zwingend sind, zeigt, wie hoch die musikalische Qualität auf "Change" ist. Die Produzenten Bene Schöller und Timothy Auld bauen gemeinsam mit Yvonne Catterfeld eine charmante Popwelt, die glücklicherweise weit weg von Hits ist wie "Du hast mein Herz gebrochen" oder "Für Dich", die Dieter Bohlen mit der Erfurterin produzierte. Das Martyrium, Lebenszeit an Musik von Dieter Bohlen zu verschwenden, bleibt einem auf "Change" also erspart.

Ob das Album nun durch die Decke geht oder doch als RTL-Hintergrundgedudel endet, wird sich zeigen. Ganz so vereinfacht wie auf "Bum" lässt sich die Welt ja doch nicht erklären. Aber vielleicht ist das auch eine schöne Veränderung, die "Change" deutlich macht: Yvonne Catterfelds Album ist auf angenehme Weise simpel geworden, ohne der Versuchung zu erliegen, alles zu sehr zu vereinfachen. Eine positive Überraschung von einer Künstlerin, die zu Unrecht lange als musikalisches Leichtgewicht behandelt wurde.

(Dominik Steiner)

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Highlights

  • Change
  • Wake up
  • Broken

Tracklist

  1. Change
  2. Patience
  3. Back in July
  4. Wake up
  5. Bullshit
  6. Cold water
  7. Words
  8. Tip toe
  9. Let you go
  10. I think i love you
  11. Broken
  12. Home
  13. Let you go (acoustic)

Gesamtspielzeit: 36:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Edrol

Postings: 306

Registriert seit 19.10.2018

2021-12-06 15:40:44 Uhr
Ja, das Album kann man gut hören. "Wake Up" ist das klare Highlight, nur leider etwas kurz. Der Vergleich mit Beyoncé drängt sich mir gar nicht so sehr auf; dafür könnte ich mir "Bullshit" auf "Dirty Computer" von Janelle Monae vorstellen. Mit der 6/10 gehe ich mit.

Kai

Postings: 1250

Registriert seit 25.02.2014

2021-12-02 23:53:09 Uhr
Die aber schon einige Jahre Kariere auf dem Buckel hat und dennoch deutlicher jünger wirkt als Catterfeld auf etwa dem Cover hier.

Und wenn man schreibt "Beyonce-Klon" dann zieht da automatisch der Weltstar und Hitsingles Faktor und nicht das "umfangreiche Narrativ".

Aber auch da: sowohl Catterfeld als auch Beyoncé sind mir total egal, ich find es nur merkwürdig, dass hier einer 40 jährigen Frau nicht zugetraut wird, selbst zu entscheiden.

Autotomate

Postings: 3911

Registriert seit 25.10.2014

2021-12-02 23:43:06 Uhr
Ich verstehe zwar nicht, was das mit dem Alter zu tun hat, aber ist Beyoncé nicht selber Ü40?

Arne L.

Postings: 86

Registriert seit 27.09.2021

2021-12-02 23:42:21 Uhr
Da würde ich dann gerne einhaken und sagen, dass ich Beyoncé längst musikalisch nicht mehr hauptsächlich in der U25, sondern eher in der Spanne 25 - 40+ Jahre einordne. Als Person ist sie sicher ikonisch und ein Weltstar, aber schon "Lemonade" war weniger auf Singles, sondern auf ein umfangreiches Narrativ fokussiert und selbst das ist mittlerweile über fünf Jahre her. Gilt meiner Meinung nach ähnlich für Jay Z, dessen Output und ihr gemeinsames Album. Da ist die Hörerschaft mit ihnen gealtert und "erwachsen" geworden.

Kai

Postings: 1250

Registriert seit 25.02.2014

2021-12-02 23:08:11 Uhr
Ohne mir das jetzt anzuhören:

"Hier soll die Catterfeld als deutscher Beyonce-Klon installiert werden"

Ich glaube kaum das in der Zielgruppe u25 irgendjemand Yvonne Caterfeld kennt.
Da würde man sicher auch eine u30 Frau finden (ggf mit Insta oder TikTok Background), die man "installieren" könnte und müsste nicht auf eine ü40 Dame mit Soap-Vorgeschichte zurück greifen.

Auch könnte man Catterfeld als zweite Fischer in den Schlagerhimmel promoten und Sie deutschen Schlager mit RNB-Einfluss trällern lassen. Passiert aber nicht.

Ich glaube tatsächlich, dass Catterfeld hier mehr Mitbestimmung hatte, als dies vor 20 Jahren der Fall war oder, auch möglich, vielleicht hatte Sie vor 20 Jahren auch ein Mitbestimmungsrecht und ihr Ziel war es einfach in die Charts zu kommen.


Wie es ist und wahr werden wir aber wahrscheinlich nicht erfahren.
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