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John Carpenter, Cody Carpenter & Daniel Davies - Halloween kills (Original motion picture soundtrack)

John Carpenter, Cody Carpenter & Daniel Davies- Halloween kills (Original motion picture soundtrack)

Sacred Bones / Cargo
VÖ: 15.10.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mord und Taktschlag

Der erste mutierte Hund, die unerträgliche Spannung in der Bluttest-Szene, das trostlose Ende. Nur ein paar von vielen Momenten, die sich beim damals frisch volljährigen Rezensenten einbrannten, als er mit verstörter Begeisterung zum ersten Mal "The thing" sah. Es war der Beginn meiner bis heute andauernden Obsession mit John Carpenter, diesem so eigensinnigen Filmemacher und schamlosen B-Movie-Ästheten, der in den 1970ern und 80ern ein schillerndes Œuvre aufbaute: von spaßigen Trashfesten wie "They live!" und "Christine" über unheimlich atmosphärische Horrorfilme wie "The fog" und "Prince of darkness" bis hin zu meisterhaften Actionthrillern wie "Assault on Precinct 13". Sein vielleicht prägendstes Meisterwerk bleibt natürlich "Halloween", die Genese des Slasher-Genres, die auch die Armada mediokrer bis furchtbarer Fortsetzungen nicht kaputt machen konnte. Regie führte Carpenter bei keinem weiteren Film dieses von ihm ungewollt begründeten Franchises, doch als Produzent und vor allem Komponist kann er sich nicht davon trennen. Zusammen mit Sohn Cody und Patensohn Daniel Davies schrieb er bereits die Musik für David Gordon Greens 2018er-Reboot und tut dies erneut für dessen Nachfolger "Halloween kills".

Der gefühlt weißhaarig auf die Welt gekommene Mann war schließlich immer auch Musiker, seine Soundtracks erwiesen sich als so einflussreich und unverkennbar wie die dazugehörigen Filme. Man muss sich von diesem neuesten Werk nicht mehr als das einminütige "Gather the mob" anhören, um sich zu vergegenwärtigen, wo jeder Synthwave-Act der letzten 15 Jahre seinen Sound herhat. Klar, dass auch Carpenter selbst nicht mehr groß aus dem von ihm erschaffenen Kosmos ausbricht und den Dialog mit der Vergangenheit am Leben hält. Nach dem Ambient-Intro "Logos kill" hören wir zum ersten Mal das klassische "Halloween"-Thema, das hier in mehreren Variationen auftritt. Klagevolle Synth-Chöre bespuken es im "Main title", während das ähnlich geisterhafte "Reflection" diese ins kulturelle Gedächtnis eingebrannte Klaviermelodie auf clevere Weise umdreht. Einzig die Version mit Techno-Beat, welche die "End titles" auffahren, hätte es nicht unbedingt gebraucht.

Doch die Qualität eines Soundtracks ergibt sich natürlich in erster Linie aus der Immersion: Schafft er es, auch ohne die dazugehörigen Bilder die Emotionen einer Szene zu vermitteln? In diesem Fall lässt sich das nur bejahen. Der Jumpscare in "He appears" zieht, "Hallway madness" und "Unkillable" vermitteln mit atemlosen Rhythmen und elektronischem Noise den Terror des Gejagtwerdens. Michael Myers' übernatürlich scheinende Präsenz ist ein wiederkehrendes Motiv der Filme und seine Unaufhaltsamkeit manifestiert sich in einer ektoplasmischen Collage wie "Let it burn" ebenso wie zwischen den Metal-Gitarren von "From the fire". Selbst kontemplative Pianostücke wie "Strodes at the hospital" oder "Michael's legend" lockern die zum Zerreißen gespannte Luft keineswegs auf.

Dazwischen nehmen sich Davies und die Carpenters immer wieder Zeit, einige der zumeist kurzen Tracks zu problemlos für sich stehenden Instrumentals auszuformulieren. Der tickende Herzschlag von "Cruel intentions" kollabiert im Äther und das vielschichtig texturierte "Rampage" ist weit mehr als ein reiner Spannungsleiter. In dieser Hinsicht am besten gelingt "It needs to die", dessen Regler und Tasten in den knapp sieben Minuten so manchen Richtungswechsel vornehmen. Am Ende stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob der Film mit seinem stimmungsvollen, versierten Soundtrack mithalten kann. Kurze, klare Antwort: Nein, kann er nicht. War Greens erstes Sequel noch durchwachsen, aber okay, fährt "Halloween kills" wie der Großteil des Franchises wieder alles gegen die Wand, was das 1978er-Original so grandios gemacht hat. Doch genau wie der vielleicht ikonischste Serienkiller der Filmgeschichte bleibt auch John Carpenters Denkmal von allen Widerständen ungerührt.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Rampage
  • It needs to die
  • Unkillable

Tracklist

  1. Logos kill
  2. Halloween kills (Main title)
  3. The Myers house
  4. First attack
  5. Stand off
  6. Let it burn
  7. He appears
  8. From the fire
  9. Strodes at the hospital
  10. Cruel intentions
  11. Gather the mob
  12. Rampage
  13. Frank and Laurie
  14. Hallway madness
  15. It needs to die
  16. Reflection
  17. Unkillable
  18. Payback
  19. Michael's legend
  20. Halloween kills (End titles)

Gesamtspielzeit: 44:13 min.

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